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Kurioses 4:0 gegen Barcelona : So kam es zum genialen Ecken-Trick von Liverpool

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Barcelona schläft und staunt, Divock Origi passt auf und trifft. Bild: AP

Für ein Fußball-Wunder braucht es einen besonderen Moment. Den liefern ein erst 20 Jahre altes Talent und ein Ersatzspieler beim FC Liverpool. Danach erklären die Beteiligten die Hintergründe der Aktion.

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          So eine Szene hatten selbst Fußball-Veteranen noch nicht gesehen: Der geniale Eckball-Trick von Trent Alexander-Arnold vor dem 4:0-Endstand durch Divock Origi setzte dem Liverpool-Wahnsinn im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona die Krone auf. Millionen Fans weltweit kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus und fragten sich: War das einstudiert oder „nur“ ein genialer Geistesblitz?

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           „Es war nur instinktiv“, klärte Alexander-Arnold hinterher im TV-Interview auf: „Es war einer dieser Momente, in denen du die Gelegenheit erkennst und dann wahrnimmst.“ Englands früherer Nationalspieler Gary Lineker schwärmte auf Twitter von einem „der cleversten, frechsten und brillantesten Fußballkunststücke, die ich je gesehen habe.“ Der 20 Jahre alte Alexander-Arnold tat beim Eckball in der 79. Minute so, als würde er für Xherdan Shaqiri Platz machen. Nach vier Schritten drehte sich der Nationalspieler aber blitzschnell um und flankte den Ball in den Strafraum, wo einzig Torschütze Origi reagierte und zum 4:0 traf. Barcas deutscher Torhüter Marc-Andre ter Stegen klatschte noch für seine Vorderleute motivierend in die Hände, da flog der Ball bereits in seinen Strafraum.

          Selbst für Teammanager Jürgen Klopp ging alles zu schnell. „Ich habe draußen noch gequatscht und sehe einen Ball ins Tor fliegen. Ich musste fragen, wer das Tor gemacht hat“, verriet Klopp bei Sky. Der Trick sei keine Anweisung von ihm gewesen: „Das war die Idee von Alexander-Arnold.“ Aber Klopp bestätigte, dass er im Training „viel Zeit“ auf „schnelle Standardsituationen“ verwende. Auch Origi behauptete, dass das Tor nicht nur ein Zufall gewesen war: „Jürgen Klopp sagt im Training immer, dass wir aufmerksam sein und diese Chancen nutzen sollen.“

          Trainer-Ikone Jose Mourinho kritisierte jedoch vor allem das Abwehrverhalten der Barca-Spieler. „Wenn man das vierte Tor bei einem U-14- oder U-15-Spiel sieht, würde man sagen, dass die Kinder nicht die Mentalität haben, um Fußball zu spielen“, sagte der Portugiese bei BeIN Sports. Dafür verneigte sich der Klopp-Kritiker vor dem deutschen Trainer. „Für mich hat dieses Comeback einen Namen: Jürgen“, sagte er: „Das ist die Spiegelung seiner Persönlichkeit: niemals aufgeben, sein Kampfgeist. Hier ging es nicht um Taktik oder Spielphilosophie, hier ging es um Herz und Seele.“

          Für Mourinho, der selbst mit dem FC Porto (2004) und Inter Mailand (2010) zweimal die Königsklasse gewinnen konnte, sollte nun auch Klopp den Henkelpokal in die Höhe stemmen: „Jürgen verdient es.“ Klopps Arbeit in Liverpool nannte Mourinho zudem „fantastisch“. Nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel vor einer Woche in Barcelona klang Mourinho aber noch ganz anders. „Jürgen ist seit dreieinhalb Jahren in dem Verein und gewinnt absolut nichts“, hatte der jüngst bei Manchester United entlassene Mourinho gesagt.

          Im Mittelpunkt im Rückspiel stand nun Origi. Beim VfL Wolfsburg mochte man die Leistungsexplosion mit zwei Toren gegen Barcelona kaum glauben. „Eine Geschichte, wie auf der Konsole. In zwölf Monaten von der Bundesliga-Relegation ins Champions-League-Finale“, twitterten die Niedersachsen verblüfft, aber auch ein bisschen stolz.

          Als Leihgabe von Liverpool in der Saison 2017/18 war der belgische Nationalspieler indes meistens unauffällig geblieben und kehrte vertragsgemäß nach England zurück. Allerdings: Auch bei den Norddeutschen kam für den Torjäger mit kenianischen Wurzeln das Beste kurz vor Saisonschluss. Im Relegations-Hinspiel der Wölfe gegen Holstein Kiel steuerte Origi einen Treffer und eine Vorlage zum vorentscheidenden 3:1-Sieg bei.

          Doch diesmal löste der Erfolg weit tiefere Emotionen aus. „Ich habe die Präsenz Gottes gespürt. Wir haben auf eine spezielle Nacht gehofft. Aber meine ersten beiden Champions-League-Tore hätte ich ohne die Mannschaft natürlich nie erzielen können“, sagte Origi nach der denkwürdigen Partie. Dabei waren die ersten Monate nach seiner Rückkehr an die Anfield Road schwer für Origi. Er war selten im Kader, kam auf nur elf Ligaeinsätze und musste mehrfach sogar für die zweite Mannschaft auflaufen. Erst eine Muskelverletzung von Stürmerstar Roberto Firmino spülte Origi gegen Barca in die Startelf – und machte ihn unverhofft zum Helden.

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