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1:0 gegen Atlético  : Bayer bessert deutsche Bilanz auf

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung ins Viertelfinale? Hakan Calhanoglu erzielt den Leverkusener Siegtreffer Bild: AP

Viertes Spiel, erster Sieg: Leverkusen gelingt zum Abschluss der Achtelfinal-Hinspiele in der Champions League der einzige deutsche Sieg. Gegen Atlético Madrid besiegt Bayer zugleich einen Fluch.

          3 Min.

          Champions League ist doch etwas ganz anderes: Bayer Leverkusen, in der Bundesliga zuletzt entzaubert, hat in der Fußball-Königsklasse wieder einmal eindrucksvoll den Nachweis seines Talents und seines Willens erbracht. Die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt besiegte vor knapp 30.000 Zuschauern im Hinspiel des Achtelfinales den spanischen Meister Atletico Madrid 1:0. Hakan Calhanoglu erzielte den Treffer des Abends, der damit eine überaus engagierte Gesamtleistung der Werkself krönte.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          In den vergangenen Spielen hatten die Leverkusener andere zu Helden gemacht, diesmal wollten sie selbst unbedingt große Taten vollbringen. Der spanische Meister und Champions-League-Finalist der vergangenen Saison war der deutliche Favorit, eingedenk der momentanen Leverkusener Formschwäche in der Bundesliga und der letzten Erlebnisse in der jeweils ersten K.o.-Runde der Königsklasse, in denen es deftige Niederlagen zu beklagen gab.

          Volltreffer: Calhanoglu überwindet Torwart Mayo Bilderstrecke
          Volltreffer: Calhanoglu überwindet Torwart Mayo :

          Bayer nahm sein Schicksal mutig in die Hand: aggressiv, initiativ. Da gab es kein Zögern im Zweikampf, kein Weg war zu weit, um an den Ball zu kommen. Bei all dem Hauruck blieb meist das Spielerische auf der Strecke, aber Atletico war in der ersten Halbzeit lange Zeit beeindruckt. In der ersten halben Stunde verirrte sich kaum mal ein Spanier in den gegnerischen Strafraum, geschweige denn, dass er zu einem Torschuss ausholen konnte.

          Die bezeichnendste Szene der Anfangsphase spielte sich nach einer guten halben Stunde ab. Drei Leverkusener machten gegen den aus München und Wolfsburg bekannten Atletico-Stürmer Mandzukic Jagd auf den Ball, und als der Kroate es tatsächlich schaffte, sich zu behaupten, kam der vierte hinzu.

          Unter dem Johlen des Publikums rammte Papadopoulos den Ball mitsamt Mandzukic über die Seitenlinie. Der Schiedsrichter war weniger begeistert, er zeigte dem Leverkusener Abwehrspieler die Gelbe Karte, obwohl er erst den Ball und dann den Gegner getroffen hatte.

          Diego Simeone, der Trainer der Madrilenen, tobte in seiner Coachingzone, forderte ständig vom Schiedsrichter Verwarnungen gegen Leverkusener Spieler und legte sich mit seinem Kollegen Schmidt an. Nicht fein, aber nachvollziehbar, schließlich musste er schon in der ersten Halbzeit Niguez und Siqueira wegen Verletzungen durch Gamez und Garcia ersetzen.

          All die Leverkusener Bemühungen führten allerdings kaum zu Torchancen, dazu waren die Konter und Kombinationen häufig zu unpräzise. Ein Lattentreffer von Spahic aus großer Distanz bildete den einen Höhepunkt. Am anderen war auch Spahic beteiligt, nach seinem Versuch rettete der Madrider Stürmer Mandzukic auf der Torlinie. Gegen Ende der ersten Halbzeit bewies dann auch Atletico ein wenig Offensivstärke.

          Torwart Leno, der zuvor zweimal bei Rettungstaten mit der Faust unsicher gewirkt hatte, rettete seiner Mannschaft mit spektakulären Paraden vor Griezmann und gegen Tiago das 0:0 zur Pause. Die Verhältnisse des ersten Durchgangs wurden durch zwei Statistiken treffend dokumentiert: Bayer besaß den Ball zu 64 Prozent und beging 13 Fouls gegenüber drei von Atletico.

          Nach Wiederanpfiff beruhigte sich das Spiel ein wenig, das von Leverkusen so intensiv geführt worden war. Atletico entzog sich weitgehend dem Druck, vermochte aber nicht, torgefährlich zu werden. Als schon langsam ein wenig Unruhe auf den Rängen aufkam, ob die Werkself noch für ein Tor gut sein könnte, fiel es.

          Bellarabi hatte an der 16-Meter-Linie freie Schussbahn, doch der Nationalspieler zögerte, womit er sich den Unmut der Fans zuzog. Doch seine Entscheidung, den Ball mit der Sohle auf Calhanoglu weiterzuspielen erwies sich als goldrichtig. Der Türke zog auf der Außenbahn an seinen Gegenspielern vorbei und drosch den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Ein Volltreffer mit Wucht und Raffinesse in einem.

          Das Tor veränderte wenig an den Verhältnissen auf dem Spielfeld. Trainer Simeone brachte mit Fernando Torres zwar einen dritten Stürmer aufs Feld, um das so wichtige Auswärtstor zu erzielen, aber bis auf zwei Szenen blieb Atletico ungefährlich. Einmal traf Torres den Ball nicht richtig, und als er ihn ins Tor befördert hatte, glaubte der Schiedsrichter, dass der Ball vorher im Aus gewesen sein soll.

          Auffälliger als der Offensivgeist von Atletico war der Frust der Defensivspieler. Godin wurde verwarnt und fehlt im Rückspiel wegen einer Gelbsperre, und Tiago wurde nach einem Foul an Bellarabi mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. In Überzahl waren die Leverkusener dem zweiten Tor näher als Atletico dem Ausgleich. Aber fallen wollte es nicht. Doch auch mit dem 1:0 konnte die Werkself gut leben.

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