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Krise beim FC Bayern : „Seit Wochen ist nichts von Salihamidzic zu hören“

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Nicht immer einer Meinung: Lothar Matthäus, Hasan Salihamidzic und Uli Hoeneß (von links, Bild von Januar 2018). Bild: Picture-Alliance

Der frühere Bayern-Trainer Heynckes äußert Mitleid mit Kovac. Dagegen schießen Matthäus und Effenberg mit scharfen Worten – und nehmen nicht nur Sportdirektor Salihamidzic ins Visier.

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          Der langjährige Bayern-München-Kapitän Lothar Matthäus hat harsche Kritik an Sportdirektor Hasan Salihamidzic geübt. „Hasan Salihamidzic ist immer dann nicht zu sehen, wenn es darauf ankommt“, schrieb der Weltmeister von 1990 in seiner wöchentlichen Kolumne „So sehe ich das“ bei skysport.de. Matthäus weiter: „Seit Wochen ist nichts von ihm zu sehen oder zu hören. Ich frage mich, wofür man einen Sportdirektor hat, wenn dieser nicht sprechen darf? Dann kann ich mir diese Position auch sparen.“

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          Der FC Bayern hatte am vergangenen Samstag eine 3:1-Führung gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf (3:3) verspielt. An diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) steht gegen Benfica Lissabon in der Champions League ein richtungweisendes Spiel für Bayern-Trainer Niko Kovac auf dem Programm. Matthäus favorisiert im Falle eine Trennung vom früheren Bayern-Profi Kovac den Franzosen Arsene Wenger (früher FC Arsenal): „Ich sehe zum jetzigen Zeitpunkt keinen anderen Trainer – außer Arsene Wenger – auf dem Markt. Bei Wenger sollten die Bayern, wenn sie ihn denn haben möchten, schnell reagieren. Sonst besteht die Gefahr, dass sie in München – wie in der Vergangenheit – wieder einmal den Kürzeren ziehen.“ Der Rekordnationalspieler ätzte auch gegen die Stars des Rekordchampions: „Was die Spieler des FC Bayern seit Längerem abliefern, ist absolut unprofessionell. Kein Herzblut, keine Leidenschaft, keine Konzentration.“

          Auch der frühere Nationalspieler Stefan Effenberg kritisierte die Personalpolitik der Verantwortlichen des deutschen Fußball-Rekordmeisters scharf. In seiner Kolumne für t-online.de forderte Effenberg Umstrukturierungen sowohl in der Führungsetage als auch im Spielerkader, nicht aber auf dem Trainerstuhl. Die Klubführung um Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge habe „gravierende Fehler in der Kaderplanung gemacht“, schrieb der 50-Jährige.

          Neue Impulse auf der Entscheider-Ebene

          Effenberg empfahl den Bayern-Bossen, Trainer Kovac das volle Vertrauen und die Chance zu geben, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu verändern. „Das wäre der richtige Weg, aber ich bezweifle, dass sie diesen gehen“, schrieb Effenberg: „Sie müssen den Kader nach Charakter filtern, sich konsequent von fünf, sechs Spielern trennen.“ Ganz oben auf der Liste der Streichkandidaten sähe er Mats Hummels und Jerome Boateng. Spielerpersönlichkeiten habe der frühere Bayern-Kapitän bei den Münchnern derzeit „keine gesehen“.

          Neben einem Cut im Kader forderte Effenberg auf der Entscheider-Ebene „neue Impulse von außen“. Neben Oliver Kahn befürworte er die Verpflichtung erfahrener Manager und brachte die Namen des Gladbacher Sportdirektors Max Eberl und des Frankfurter Sportvorstands Fredi Bobic ins Spiel. „Was er dort macht, hat alles Hand und Fuß“, sagte Effenberg über Bobic. „Hoeneß und Rummenigge sind bislang die Alleinherrscher – und das wird so langsam in vielerlei Hinsicht ein Problem“, klagte Effenberg. Insbesondere Hoeneß wirke in letzter Zeit „wenig souverän“ und müsse sich ändern: „Führen heißt Zuhören, Vertrauen geben, Kommunizieren, Begründen. Etwas populistisch rausposaunen bringt niemandem etwas und ist sicher nicht mehr zeitgemäß. Aber auch im etwas höheren Alter kann man noch dazulernen.“

          Dagegen brach der frühere Nationalspieler Sandro Wagner von den Bayern in der „Bild“-Zeitung eine Lanze für die Qualität der Münchner: „Ich hab jetzt oft gelesen, auch leider von Bayern-Leuten, dass die Qualität der Spieler schuld sein soll an der Misere oder das Alter oder sonst irgendein Mist und ein großer Umbruch her muss. Ich halte das für eine völlig falsche Analyse und leider komplett an der Wahrheit vorbei.“

          Mitleid von Heynckes

          Der ehemalige Erfolgstrainer Jupp Heynckes hat unterdessen Mitleid mit Kovac geäußert. „Da kommt ein junger Trainer und will die Welt einreißen. Niko Kovac hat's nicht einfach in München“, sagte Heynckes in der Westdeutschen Zeitung über seinen Nachfolger: „Es gibt liebe Jungs dort und Diven, und dann sind da noch die schweren Verletzungen von wichtigen Spielern. Da türmt sich ein Berg von Problemen auf.“

          Auch der frühere Bayern-Trainer Carlo Ancelotti äußerte sich zu den Schwierigkeiten von Kovac: „Ich glaube, er muss dieselben Probleme in Angriff nehmen, die ich erlebt habe. Da ich immer auf der Seite der Trainer stehe, wünsche ich Kovac das Beste", sagte der 59-Jährige vor dem Champions-League-Match seines Klubs SSC Neapel gegen Roter Stern Belgrad am Mittwoch (21.00 Uhr). Seine eigene Zeit bei den Bayern sei „nicht einfach“ gewesen, sagte Ancelotti weiter: „Ich hoffe, dass es für Kovac leichter wird.“ Der Italiener war im September 2017 nach etwas mehr als einem Jahr als Trainer des deutschen Rekordmeisters entlassen worden.

          Danach hatte Heynckes ein letztes Mal den Job übernommen. Nun verfolgt er die Bundesliga „gelassen und entspannt“, seinen Rückzug am Ende der vergangenen Saison scheint der 73-Jährige überhaupt nicht zu bereuen: „Es ist einfach wunderbar zu Hause, ein wahrer Luxus, morgens in aller Ruhe zu frühstücken und keinen Druck zu haben.“

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