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Champions League : Was ist mit Borussia Dortmund los?

  • -Aktualisiert am

Keine einfachen Tage: BVB-Trainer Jürgen Klopp Bild: dpa

Borussia Dortmund steuert auf eine Krise zu. Das Spiel beim RSC Anderlecht an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) in der Champions League soll eine Trendwende herbeiführen. Gründe für die Ergebniskrise gibt es genug.

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          Zu viele Ausfälle, zu viele Fehler, zu viele Gegentore: Borussia Dortmund steuert auf eine Krise zu. Zwei Wochen haben gereicht, ein vermeintlich festes Fundament zu erschüttern. Beim 2:0 über den FC Arsenal hatte in der Fußball-Champions-League vieles darauf hingedeutet, dass der BVB sein System mit wichtigen Updates zu Beginn der Saison verfeinert und stabilisiert hat. Doch seitdem taucht eine Sicherheitslücke nach der anderen auf.

          Das führt zu Störungen, die schwer zu beheben sind, wie jüngst bei der Derby-Niederlage in Schalke zu sehen war. Nicht einmal die Rückkehr des Kapitäns Mats Hummels vermochte der Defensive Stabilität zu verleihen. Gegentore sind an der Tagesordnung, auch in den vorherigen Bundesligaspielen in Mainz und daheim gegen den VfB Stuttgart mussten die Dortmunder je zwei Treffer hinnehmen. So gelang der Mannschaft seit jener rauschenden Ballnacht nicht mehr viel.

          Ein Punkt aus drei Ligaspielen sind viel zu wenig für Dortmunder Ansprüche. Also wollen und müssen sie an diesem Dienstag beim RSC Anderlecht (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) eine Trendwende herbeiführen, trotz aller Schwierigkeiten, die sich aus der langen Liste verletzter Leistungsträger immer noch ergeben. „Bei allen Problemen, die wir haben. Jetzt müssen Ergebnisse her“, sagt BVB-Trainer Jürgen Klopp vor dem zweiten Gruppenspiel in der Champions League.

          Die Ergebniskrise hat Gründe. Zunächst einmal wütet in der Abwehr der Fehlerteufel. Wenn der Gegner die Mängel so eiskalt nutzt wie zuletzt Schalke, wird das Spiel früh zur Aufholjagd. Von einer Krise zu sprechen, hält Hummels, der gegen Schalke selbst ein Tor verschuldete, dennoch für übertrieben. „Wir hatten einfach nur acht schlechte Tage und werden von Mittwoch an eine Aufholjagd starten“, sagt er.

          Rückkehrer Shinji Kagawa (rechts) braucht noch etwas Zeit

          Der Abwehrchef ist in vielen Rollen gefragt: Er soll Führungskraft und Stabilisator sein, ist aber noch mehr als sonst als Aufbauspieler gefragt, weil Kräfte, die darauf spezialisiert sind, reihenweise ausfallen: Gündogan und Sahin im defensiven, Mchitarjan und Reus im offensiven Mittelfeld. Ohne sie fehlt ein ganzes Kompetenzteam an Kreativen, und Shinji Kagawa, erst jüngst unter Vertrag genommen, ist auf sich allein gestellt - wenn er spielt; gegen Schalke wechselte Klopp ihn erst in der zweiten Hälfte ein, offenbar um ihn in der Eingewöhnungsphase nicht zu überfordern und für das Spiel in Anderlecht zu schonen.

          Wenn Sven Bender und der gelernte Innenverteidiger Matthias Ginter im zentralen Mittelfeld spielen, mag das die Hoffnung auf erhöhte Verteidigungsbereitschaft nähren, viel Kreativität ist dann jedoch nicht zu erwarten. Der (nicht nur kurzfristige) Ausfall verschiedener Schlüsselspieler im Mittelfeld scheint in verschiedene Mannschaftsteile auszustrahlen.

          Der Coach ist derzeit eher als Aufbauhelfer gefragt

          Dem Aufbau mangelt es an Ideen; in dem Bewusstsein, sich keinen Fehler erlauben zu dürfen, wirkt die Abwehr unsicher, und die Angreifer warten vergeblich darauf, so eingesetzt zu werden, dass sie ihre Stärken ausspielen können. Gerade in einer Phase wie dieser, ob man sie nun Krise nennt oder nicht, macht sich der Weggang Robert Lewandowskis bemerkbar.

          Seine Nachfolger Adrian Ramos und Ciro Immobile mögen ihn, im Verbund oder im Wechsel, vielleicht annähernd ersetzen, wenn sich alles eingespielt hat, aber die Rolle des spielenden Torjägers, der nicht nur vollstreckt, sondern im Vorbereitungsstadium wertvolle Beiträge leistet, vermögen sie nicht zu auszufüllen.

          Pierre-Emerick Aubameyang ist der Hoffnungsträger in der Offensive

          Lewandowski und das Mittelfeld waren ein eingespieltes Team, in dem jeder auch die Aufgaben des anderen mit übernehmen konnte, wenn es geboten war, zu improvisieren. Das kann man von Ramos und Immobile (noch) nicht verlangen, entweder weil ihnen grundsätzlich das Vermögen fehlt, so etwas zu leisten, oder weil sie zu viel mit sich selbst zu tun haben.

          Es gibt also Gründe genug, warum Borussia Dortmund sich in den ersten Wochen nach der Weltmeisterschaft noch schwerer tut als erwartet. Aber auch wenn Rückstände, mal früher, mal später, einen Trend markieren, gibt sich Hummels zuversichtlich, dass die jüngsten Fehlerketten eine vorübergehende Erscheinung seien. „Wir können uns ja nicht in jedem Spiel die Dinger selber reinhauen. Wir werden damit aufhören“, verspricht er. „Das geht ja gar nicht anders.“

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