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Kommentar : Latent führungslose Bayern

Das 0:3 in Barcelona war nicht die erste Niederlage für Pep Guardiola und den FC Bayern Bild: dpa

Das 0:3 in Barcelona ähnelte den Bayern-Niederlagen gegen Dortmund, Porto, Gladbach und Wolfsburg. Wenn Rückschläge kommen, fehlt es an Krisenmanagement auf dem Platz. Das betrifft auch Trainer Pep Guardiola.

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          Der Absturz der Bayern in Barcelona ist die Geschichte eines Kontrollverlustes. Wie schon im Pokal gegen Dortmund. Wie in Porto. Wie gegen Mönchengladbach. Wie in Wolfsburg. Der jüngste in einer Serie von Systemfehlern, die nur davon unterbrochen wurde, dass sie zwischen den Partien gegen diese Teams auf Champions-League-Niveau immer wieder leichtes Spiel mit Teams von mittlerer bis unterer Bundesliga-Qualität hatten. Nicht immer so krass wie Barcelona, aber im Kern ähnlich folgten die fünf Niederlagen der Rückrunde dem Schema, dass die Bayern, die stets volle Spielkontrolle anstreben und oft erreichen, auf Rückschläge nervös reagieren.

          Es fehlt an Krisenmanagement auf dem Platz. Das betrifft auch den Trainer. Er versäumte es, sein Team nach Barças 1:0 zu stabilisieren. Es überrascht, dass die Bayern, die seit 2009 mit van Gaal zu einer verbindlichen Spielidee mit dafür ausgesuchten Spielern fanden, ausgerechnet mit dem großen Innovator Guardiola, der alldem den letzten Schliff geben sollte, nun womöglich vor einer neuen Identitätssuche stehen. Seine Mannschaft vermag hohen Druck auf jeden Gegner auszuüben, ist diesem Druck aber oft nicht gewachsen, wenn er sich gegen sie selbst wendet.

          Druck aushalten aber ist seit jeher bayrische Kernkompetenz. Auch wenn man die Verletzungen mildernd einbezieht, bleibt die Frage, wie eine Elf mit fünf Weltmeistern sich so von einem einzigen Tor aus der Spur bringen lassen konnte. Es waren da, das Rückspiel eingerechnet, noch mehr als hundert Minuten zu spielen. Sie aber spielten, als wären es nur hundert Sekunden.

          Champions League : FC Bayern verliert in Barcelona

          Guardiolas Team wirkt in guten Phasen bezwingend inspiriert, in schlechteren, oft am Saisonende, mental matt. Vielleicht fehlt dem Perfektionisten das Gespür, Dinge, die funktionieren, einfach mal laufen und ein Team in Ruhe zu lassen – ein Gespür, mit dem Heynckes einen Triple-Sieger formte. Allerdings hatte der, was Guardiola fehlt: ein Team, dessen Spieler das perfekte Alter hatten und den Hunger, etwas erstmals zu erreichen.

          Dass den Bayern ein Generationswechsel bevorsteht, weiß man länger. Aber in Spielen auf höchstem Niveau zeigt sich, dass schon jetzt ein Mittelbau im Altersgefüge fehlt. Immer noch ist das Team abhängig von der Führung jener Stars, die nun über dreißig sind und in Barcelona verletzt waren (Robben, Ribéry) oder nicht mehr so frisch sind wie vor ihren Verletzungen (Lahm, Schweinsteiger).

          Die Jungen, wie Thiago, scheinen in solchen Nervenspielen noch überfordert. Dazwischen klafft eine Lücke. Neuer oder Boateng haben das richtige Alter, aber nicht die richtige Position für die Rolle des Anführers. Vor dem Rückspiel wird nun oft das Wort „Wunder“ fallen. Sollte es ausbleiben und Guardiola, entnervt von einsetzenden Debatten über seine Wirkung, schon im Sommer gehen: Aus dem großen Innovator wäre am Ende nur ein Intermezzo in der Geschichte des FC Bayern geworden. Zwei Meistertitel und ein Pokalsieg – eine Münchner Durchschnittsbilanz.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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