https://www.faz.net/-gtm-991dq

Blanke Wut bei Buffon : „Fahr zur Hölle!“

Rudelbildung mit Roter Karte: Buffon (in schwarz) muss vom Platz Bild: AP

War dies der endgültige Abgang einer Ikone? Turins Torwart wütet nach dem Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit gegen den Schiedsrichter und muss mit Rot vom Platz. Auch später hat Buffon noch einiges zu sagen.

          2 Min.

          Diesmal waren es keine bitteren Tränen sondern blanke Wut im Abgang: Die internationale Karriere von Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon ist ja schon des öfteren für beendet erklärt worden, doch sollte die letzte Aktion seiner langen Laufbahn ausgerechnet der Weg in die Kabine nach einer Roten Karte wegen Meckerns in der Nachspielzeit sein?

          Champions League
          ANZEIGE

          Juventus Turin führte nach einer unerwartet famosen Vorstellung dank zweier früher Tore von Mario Mandzukic und einem Treffer durch Blaise Matuidi, unter gütiger Mithilfe von Real-Keeper Keylor Navas, mit 3:0 im Estadio Santiago Bernabéu von Madrid. Juve hatte damit die glatte 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel egalisiert. Die Anzeichen deuten auf Verlängerung hin. Bis es beim vermeintlich letzten Angriff der Spanier in der dritten Minute der Nachspielzeit zu einem verhängnisvollen Pfiff kommt: Elfmeter für Real Madrid.

          Ein Schubser von Mehdi Benatia an Lucas Vasquez war vorausgegangen. Schiedsrichter Michael Oliver aus England entschied auf Strafstoß, was aus neutraler Sicht zumindest höchst umstritten war, aus Sicht der Italiener aber ein Skandal.

          Bei der folgenden Rudelbildung tat sich der Mann in Schwarz besonders hervor: Torwart Buffon bedrängte den Mann in Türkis, Schiedsrichter Oliver. Gigi Buffon, 40 Jahre alte Ikone des Torhüterwesens, 2006 schon Weltmeister, mehrfach Welttorhüter, aber noch nie Champions-League-Sieger, sah sich in diesem Moment um die Chance betrogen, doch noch eine Runde weiter vom Sieg in der Königsklasse träumen zu dürfen. Und fand deftige Worte für den sieben Jahre jüngeren Unparteiischen, der seines Erachtens der Last des Moments nicht gewachsen war.

          Was Buffon dem Briten auf dem Platz alles erzählte, ist noch nicht ganz geklärt. Die daraus resultierende Rote Karte quittierte er laut „Gazzetta dello Sport“ auf jeden Fall mit dem Wunsch: „Fahr zur Hölle“. Und im Fernseh-Sender „Premium Sport“ legte er anschließend nach. Oliver habe die Tragweite seiner Entscheidung gar nicht verstanden, meinte Buffon. Nur ein Mensch mit einer „Mülltonne als Herz" könne in solch einer Situation auf Elfmeter entscheiden. Und er gab dem Schiedsrichter noch einen guten Karriere-Rat mit auf den Weg: „Wenn du nicht den Charakter und die Persönlichkeit hast, um auf diesem Level zu bestehen und dem Druck standzuhalten, dann gehe auf die Tribüne mit deiner Familie, kaufe Chips und genieße die Show."

          Den anschließenden Elfmeter, der nach dem ganzen Theater erst in der achten Minute der Nachspielzeit ausgeführt werden konnte, durfte Buffon nicht selbst abwehren und konnte ihn nicht mal mehr mit ansehen. Cristiano Ronaldo, das muss man ihm lassen, verwandelte nervenstark und sicher gegen den eingewechselten Ersatztorwart Wojciech Szczesny. Da er danach im Übereifer des Jubels mal wieder sein Trikot über den Kopf zog, um seine Bauchmuskeln zu präsentieren, sah er Gelb – zumindest diese Entscheidung des Schiedsrichters war richtig.

          Erst nach 99 Minuten was das Spiel zu Ende. Vorjahressieger Real Madrid, im 2017er Finale von Cardiff klar mit 4:1 gegen Juventus Turin und Torhüter Buffon siegreich – schon damals dachte mancher, es sei das letzte Spiel von „Gigi“ gewesen – hatte einmal mehr das  Halbfinale erreicht. Buffons Abgang zog sich derweil noch etwas hin. Er beschimpfte den Schiedsrichter auch noch im Kabinengang, was sich auf sein Strafmaß sicherlich nicht positiv auswirkt. Doch möglicherweise war es ja wirklich sein letztes Spiel in der Champions League.

          Buffon über Oliver: Nur ein Mensch mit einer „Mülltonne als Herz“ könne in solch einer Situation auf Elfmeter entscheiden.

          Weitere Themen

          Drei Medaillen für deutsches Team

          Bahnrad-EM : Drei Medaillen für deutsches Team

          Franziska Brauße, Lisa Brennauer und Lea Sophie Friedrich gewinnen bei der EM der Bahnradfahrer in Apeldoorn Gold, Silber und Bronze. Brennauer verbessert zudem einen Rekord.

          Topmeldungen

          „Märsche für die Freiheit“ : Barcelona im Ausnahmezustand

          Die Proteste gegen das Urteil im Separatistenprozess legen die Stadt und weite Teile Kataloniens lahm. Die „Sagrada familia“ wurde geschlossen, dutzende Flüge abgesagt – und eines der wichtigsten Fußballspiele Spaniens verschoben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.