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Aus nach 0:3 für RB Leipzig : Der Frust des Julian Nagelsmann

  • Aktualisiert am

Klare Niederlage: Julian Nagelsmann und RB Leipzig verlieren im Halbfinale. Bild: Reuters

RB Leipzig ist gegen die Stars aus Paris im Halbfinale der Champions League ohne Chance. Das sorgt für Enttäuschung. Und auf Trainer Julian Nagelsmann wartet nun eine knifflige Aufgabe.

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          Kapitän Yussuf Poulsen saß noch eine Weile auf dem Rasen des Estádio da Luz und versuchte, irgendwie den Moment zu genießen, trotz der klaren 0:3-Abfuhr durch das Starensemble von Paris Saint-Germain. Der Stürmer zog, wie er sagte, auch Kraft aus dem ernüchternden Augenblick wegen der Erkenntnis, dass er mit RB Leipzig in der Champions League schon bald wieder „ganz weit kommen“ will. Trainer Julian Nagelsmann gönnte seinem Profi die Minuten der Reflexion, er hatte ohnehin mit seiner Enttäuschung über das Halbfinal-Aus in der Königsklasse genug zu tun.

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          „Aktuell überwiegt der Frust, das ist normal. Das muss auch so sein, um wieder die nötige Power zu sammeln für die neuen Aufgaben, die schon bald vor der Brust stehen“, sagte Nagelsmann. In den Rekordbüchern wird er mit 33 Jahren fortan als jüngster Trainer in einem Semifinale der Fußball-Champions-League geführt. Aber bei Nagelsmann hallte in Lissabon besonders die Aussichtslosigkeit nach, einen Sieg über das Team des französischen Meisters mit Neymar, Kylian Mbappé und den weiteren Stars zu erringen.

          Noch sei ein verlorenes Spiel gegen diese Stars angesichts der ungleichen Möglichkeiten völlig normal, sagte Nagelsmann. „Die beiden Stürmer von Paris kosten doppelt so viel wie unser ganzer Kader“, verglich der 33-Jährige: „Das Spiel kann uns nicht zeigen, was wir auf dem Transfermarkt noch machen sollen, das ist einfach nicht drin im Portemonnaie, selbst wenn wir lange suchen und das Kleingeldfach aufmachen.“

          Nagelsmann ist nun als Psychologe gefragt. Man müsse „den Frust beiseite schieben und sich raffen“, forderte der Trainer. Bis ganz nach oben fehlt diesen Leipzigern noch mancher Schritt. Die Begeisterung nach dem 2:1 im Viertelfinale gegen Atlético Madrid war weg. „Ich bin auch heute stolz, weil ich akzeptieren kann, wenn der Gegner übermächtig war – und das war er heute“, konstatierte Nagelsmann nach den Toren von Marquinhos (13. Minute), Angel Di Maria (42.) und Juan Bernat (56.). „Aber wir arbeiten daran, dass diese Übermacht in Zukunft etwas weniger wird.“

          Folgerichtig blickte er schnell voraus. „Du hast als Trainer sofort wieder die nächsten Aufgaben. Wir haben Kaderthemen, die wir in der Transferperiode besprechen müssen. Wir haben bald Nürnberg im DFB-Pokal vor der Brust“, sprach der RB-Coach schon vom nächsten Pflichtspiel im September gegen den „Club“. Langer Urlaub ist für die RB-Profis nicht drin. Bereits am nächsten Dienstag bittet Nagelsmann wieder zum Training in Leipzig. Vom 31. August an muss Nagelsmann in der Vorbereitung für gut eine Woche wegen der ersten Länderspielpause auf seine Nationalspieler verzichten. „Die kommende Saison wird sehr anstrengend und lang“, sagte Nagelsmann.

          Die Gier nach Erfolg müsse „wieder geweckt werden“. Es sei „psychologisch nicht ganz einfach“, sagte Nagelsmann, nach der Champions League in drei Wochen im DFB-Pokal bei Zweitligaverein Nürnberg anzutreten. Generell nimmt Nagelsmann „sehr viel Positives“ aus der Champions-League-Saison mit. Er betonte: „Wir hatten auf dem Weg ins Halbfinale keine Freilose, wir haben Tottenham und Atlético ausgeschaltet.“ Er wünsche sich und dem Verein, „dass wir solche Erfolge wieder und wieder erleben.“

          Die von der Uefa ausgelobten zwölf Millionen Euro Halbfinal-Prämie werden nicht in neue Spieler investiert – das hat RB-Chef Oliver Mintzlaff seinem Trainer schon verdeutlicht. Gesucht wird aber nach dem Fortgang von Timo Werner zum FC Chelsea noch ein Stürmer, zumal Patrik Schick nach jetzigem Stand in der kommenden Woche nicht bei der Wiederaufnahme des Trainings in Leipzig sein wird, sondern bei seinem alten Klub AS Rom.

          „Jeder Trainer will die bestmögliche Mannschaft, jeder Spieler auch. Wir haben noch Aufgaben. Denen werden wir uns jetzt widmen“, sagte Nagelsmann. Die nächste Gruppenphase in der Champions League beginnt im Oktober. Dann könnte es ein schnelles Wiedersehen mit PSG geben. Und auch mit deren Trainer Thomas Tuchel. „Nach dem Abpfiff habe ich gesagt, Gratulation, viel Erfolg im Finale und bis bald“, berichtete Nagelsmann von der kurzen Kommunikation mit seinem einstigen Coach und heutigen Kollegen.

          Nach dem Aus im Halbfinale muss Leipzig weiter auf den letzten Scheck der Uefa warten. Der Fußball-Kontinentalverband wird wohl erst nach dem Blitzturnier in Lissabon entscheiden, ob die Prämien für das Erreichen der letzten K.o.-Runden trotz der Reduzierung auf nur ein statt zwei Spiele pro Runde in voller Höhe ausgezahlt werden können. Eigentlich würden Leipzig für den Einzug ins Viertelfinale 10,5 Millionen Euro und für das Erreichen der Top vier weitere zwölf Millionen Euro zustehen.

          Die Teilnahme an der Königsklasse ist für den Bundesligaverein aber in jedem Fall ein lukratives Geschäft. Schon vor dem zwischenzeitlichen Abbruch des Wettbewerbs im März durch die Corona-Krise hatte Leipzig insgesamt 34,65 Millionen Euro eingestrichen, 15,25 Millionen Euro als Startprämie, 9,9 Millionen Euro als Punktprämie aus der Gruppenphase und 9,5 Millionen Euro für das Erreichen des Achtelfinals. Diese Summe wurde laut Uefa auch schon überwiesen.

          Unklar ist aber auch noch, wie die Uefa mit der Ausschüttung des Koeffizienten-Topfs umgeht. Aus diesem stehen Leipzig 4,43 Millionen Euro zu. Weitere Zahlungen bekommen die Königsklassen-Klubs aus dem sogenannten Marketpool, der je nach Bedeutung der nationalen Ligen an die teilnehmenden Klubs aufgeteilt wird. Ob die insgesamt 300 Millionen Euro in diesem Budget durch Corona-bedingte Einbußen der Uefa auch gekürzt werden, ist offen.

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