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RB Leipzig in Rage : „Der Elfmeter ist ein absoluter Witz“

„Ich verstehe das einfach nicht. Das ist eine klare Schwalbe“: Julian Nagelsmann Bild: AFP

Nach dem 0:1 in Paris steht der Achtelfinaleinzug von Leipzig in der Champions League auf der Kippe. Das Elfmeter-Tor von Neymar bringt Julian Nagelsmann auf die Palme. Der Trainer schimpft mit deutlichen Worten.

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          Julian Nagelsmann war schon während der 90 Minuten auf 180. Immer wieder gab der Trainer von RB Leipzig lautstarke Anweisungen im fast menschenleeren Prinzenpark-Stadion in Paris. Immer wieder trieb er seine Spieler an, immer wieder gab er ihnen taktische Hilfestellungen im komplexen Spiel des Klubs aus der Fußball-Bundesliga. Die Mühe war nicht vergeblich, die Leipziger machten ein gutes Spiel, der Ertrag in Form von Punkten und Toren aber, der im Fußball das Entscheidende ist, sprang dabei nicht heraus. RB Leipzig unterlag im Champions-League-Gruppenspiel mit 0:1 bei Paris Saint-Germain.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Aber auch nach dem Abpfiff verstummte Nagelsmann nicht. Bei der Analyse tat er mit klaren Worten seinen Unmut kund. Ein wenig tadelte er seine Spieler, die in der letztlich entscheidenden Szene der Partie nicht klug gehandelt hatten. Leipzig versuchte, wie vom Trainer vorgegeben, von hinten nach vorne zu spielen anstatt den Ball weit in die gegnerische Hälfte zu schlagen. Das birgt immer ein Risiko. Schon in der Anfangsphase ging das schief. Abwehrchef Dayot Upamecano leistete sich einen fatalen Fehlpass, als sein Versuch, einen Mitspieler weiter vorne anzuspielen, beim lauernden Gegner landete.

          „Natürlich darf er den Ball da nicht hinspielen“, kritisierte Nagelsmann. „Aber wir müssen uns auch besser freilaufen.“ Paris ließ sich nicht lange bitten, der Ball kam zu Ángel Di María, der im Strafraum von Marcel Sabitzer bedrängt wurde und sofort zu Boden ging. Durch irregulären Körpereinsatz? Einen Schubser? Oder durch Beinstellen? Schiedsrichter Danny Makkelie aus den Niederlanden hatte sein Urteil schnell gefällt: Foul. Elfmeter. Wie immer bei solchen Szenen inzwischen überprüft der Video Assistant Referee (VAR) eine solche Entscheidung. Doch ein Einspruch vom Bildschirm bekam der Unparteiische nicht.

          Und so durfte der Brasilianer Neymar, der wie der andere Star des Teams, Kylian Mbappé, im ersten Duell in Leipzig vor drei Wochen verletzt gefehlt hatte, unbedrängt aus elf Metern antreten und das 1:0 für Paris erzielen in der elften Minute. Das brachte Nagelsmann aber mal so richtig auf die Palme. „Ich verstehe das einfach nicht. Das ist eine klare Schwalbe, ich kann das einfach nicht nachvollziehen“, sagte er beim TV-Sender Sky sichtlich erregt zur Entstehung des Strafstoßes. „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft und der Elfmeter für Paris ist ein absoluter Witz.“

          Dabei hatte es Nagelsmann weniger auf den Schiedsrichter als auf die Hilfe von außen abgesehen.  „Dafür haben wir die Instanz mit dem Videoschiedsrichter. Wenn wir sie nicht nutzen, können wir sie auch abschaffen und lassen die Schiris wieder allein“, sagte er. „Ich weiß nicht, wo da der Videoassist war. Er hat wahrscheinlich ein anderes Spiel angeschaut. Sowas auf einem Champions-League-Niveau ist sehr traurig.“ Oft würden Nuancen entscheiden, „und heute war die Nuance der Schiedsrichter. Am Ende entscheidet so etwas schon sehr viel, weil man dadurch nicht gut ins Spiel findet“.

          Leipzig hatte tatsächlich zu Beginn einige Probleme, fand später aber trotz des Rückstands besser in die Partie. Die Statistik wies für den deutschen Klub deutlich mehr Ballbesitz, mehr Laufleistung und auch mehr Torabschlüsse aus. Doch darunter waren keine, die man gemeinhin als hundertprozentig bezeichnet oder die gar verwertet wurden. Das monierte auch Vorstandschef Oliver Mintzlaff. „Man kriegt hier keine 50 Chancen geliefert, die, die man hat, muss man auch reinmachen“, sagte er. „Wir hatten den Drang und Zug zum Tor, haben aber den Abschluss nicht hinbekommen.“

          Die Lage in der Gruppe im Kampf um das Weiterkommen ins Achtelfinale ist nun völlig offen. Manchester United liegt mit neun Punkten vorne, Paris und Leipzig mit sechs dahinter, Außenseiter Basaksehir ist mit drei Zählern Letzter. Klar ist: Gewinnt Leipzig am nächsten Mittwoch in Istanbul und im eigenen Stadion gegen Manchester zum Abschluss am 8. Dezember, ist der Einzug in die K.o.-Runde sicher. „Es ist in der Gruppe noch alles offen und wir haben noch unsere Chance. Wir wollen das noch drehen“, sagte Christopher Nkunku bei seiner Rückkehr nach Paris, wo er von 2010 bis 2019 gespielt hatte.

          Nagelsmann indes war so angefressen, dass er das Glas halbleer sah, obwohl seine Mannschaft noch alles in der eigenen Hand hat. „Wir haben nun schlechtere Karten in der Gruppe und müssen unsere beiden letzten Spiele gewinnen“, sagte der Trainer. Nun geht es für Leipzig in der Bundesliga weiter. Am Samstag kommt Bielefeld, ehe es in der Champions League in die Türkei geht. Danach steht das nationale Topspiel beim FC Bayern an, bevor Manchester in Leipzig in der Königsklasse antritt. „Wir sind in dieser schwierigen Gruppe angetreten, um ins Achtelfinale einzuziehen – und das hat sich auch nicht geändert“, sagte Mintzlaff.

          Das möchte auch Paris mit Thomas Tuchel. Der Trainer stand unter Druck. Eine Niederlage gegen Leipzig hätte schon das fast sichere Aus nach der Gruppenphase bedeutet. „Ich freue mich sehr über dieses Ergebnis. Wir haben gekämpft und ein wenig Glück gehabt. Deshalb kann ich damit leben und haben nun das Ergebnis, was wir gebraucht haben“, sagte der Trainer. Auf den Elfmeter ging er nicht groß ein. „Wir haben keinen Grund, uns zu entschuldigen. Wir haben aufopferungsvoll verteidigt und keine Großchancen zugelassen.“ Anders als Nagelsmann verließ Tuchel das Stadion gut gelaunt.

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