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Klopp gewinnt Champions League : „Und das ist erst der Anfang“

Wie ein Rockstar: Die Spieler des FC Liverpool lassen Jürgen Klopp in Madrid hochleben. Bild: AP

Nun ist Liverpool ein Siegerteam mit einem Siegertrainer. Jürgen Klopp zieht mit dem Titel in der Champions League einen Schlussstrich unter eine persönliche Pechsträhne – und bekommt nach dem Finale einen besonderen Anruf.

          Lang hatte er warten müssen auf diese Trophäe, doch dann wollte Jürgen Klopp sie gar nicht an sich heranlassen. Kurz vor Mitternacht in Madrid war er zum Greifen nah, der silberne Pott mit den großen Henkeln, der ihm sechs Jahre zuvor mit Borussia Dortmund verwehrt geblieben war, als Arjen Robben in letzter Minute für die Bayern traf, und vor einem Jahr, als zwei Blackouts von Torwart Loris Karius den FC Liverpool die Siegchance gegen Real Madrid kostete.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Im Flitterregen und Feuerwerk für den neuen Champions-League-Sieger balgten sich die Spieler um den Pokal, stemmten ihn abwechselnd hoch. Nur Klopp, mittendrin im jubelnden Pulk, schob ihn von sich, seine Gesten zeigten: Das ist euer Ding. Erst als es gar nicht mehr ging, tat er ihnen dann den Gefallen und ließ sich das glitzernde Ding kurz in die Hand drücken.

          „Ich bin glücklich für meine Spieler, für unsere Fans, für unsere Besitzer, und besonders glücklich für meine Familie“, sagte er später. „Aber das, was ich vor allem empfinde, ist Erleichterung.“ Klopp, der sein letztes Finale vor sieben Jahren in Berlin gewonnen und der seitdem bei sechs Endspielniederlagen in DFB-Pokal, englischem Ligapokal, Europa League und Champions League seine Teams mit viel Elan und Energie immer wieder neu aufgebaut hatte, wirkte, als habe dieser Sieg ihn mehr geschafft als jede Niederlage: „Ich bin mehr erledigt als sonst.“

          Erledigt davon, dass dieser große Trainer auch etwas anderes sein kann als der beste Verlierer der Welt, wie noch drei Wochen zuvor, als 97 Punkte, Rekord für einen Zweiten, nicht ausgereicht hatten, um den FC Liverpool nach fast dreißig Jahren wieder zum englischen Meister zu machen. Am späten Samstag rief der Gegenspieler mit den 98 Punkten an, um Klopp zu dem Titel zu gratulieren, den er selbst gern am liebsten hätte. „Ich hatte gerade Pep Guardiola am Telefon“, sagte Klopp bei der Pressekonferenz nach dem 2:0-Sieg über Tottenham Hotspur. „Wir haben uns versprochen, uns auch nächste Saison wieder gegenseitig in den Hintern zu treten.“

          Es ist das große Trainerduell des Jahrzehnts, ein Duell unterschiedlicher Typen und Taktiken, erst mit BVB und Bayern, nun mit Liverpool und ManCity, zweier Männer, die sich gegenseitig weitertreiben und sich in dieser Saison den von ihnen jeweils meistbegehrten Titel weggeschnappt haben. Erstmals scheint darin Klopp nun mindestens auf Augenhöhe mit dem großen Rivalen angekommen zu sein. Während der Katalane die große Bühne 2009 gleich mit dem maximalen Erfolg betrat, mit dem Gewinn aller sechs möglichen Titel mit dem FC Barcelona in seiner Debütsaison, hat Klopp seiner Krönung im größten Spiel des Klubfußballs zehn Jahre länger nachlaufen müssen – bis zu diesem Samstagabend im heißen Madrid, das von weit über fünfzigtausend Fans der „Reds“ laut der Titelzeile des „Liverpool Echo“ zu „Madred“ (wörtlich: verrückt rot) koloriert worden war.

          Die Mühen dieses langen Weges und der ständig hervorgekramten Erinnerungen an verpasste Gelegenheiten ließ Klopp auch hinter dem strahlenden Siegerlächeln spüren. „Ich hatte das Glück, Teams zu haben, die stark genug waren, ein Champions-League-Finale zu erreichen. Aber die Welt da draußen ist so, dass du manchmal denken musst: Wenn du ein Finale erreichst und dann nicht gewinnst, dann wäre es besser, sich gar nicht erst dafür zu qualifizieren.“ Das liegt nun hinter ihm. “Wir waren tapfer genug, es wieder zu versuchen. Und all die schwierigen Fragen zu beantworten, die in den letzten Wochen gestellt worden sind.“

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