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Klopps Hausapotheke : „Verlorenes Finale ist wie gute Medizin“

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Jürgen Klopp zeigt sich bester Laune: „Aus heutiger Sicht ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass wir das Finale im vergangenen Jahr verloren haben.“ Bild: AP

Liverpools Trainer Klopp redet sich vor dem Finale der Champions League seine beiden Endspiel-Niederlagen schön und bemüht die Hausapotheke seiner Kindheit. „Eine gute Medizin muss schlecht schmecken, aber sie hilft“.

          Vor dem dritten Anlauf zum Gipfel des europäischen Vereinsfußballs hat Trainer Jürgen Klopp die beiden verlorenen Champions-League-Endspiele seiner Karriere kurzerhand zu einem Vorteil erklärt. „Die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist: Ein verlorenes Finale tut weh. Aber ein verlorenes Finale ist manchmal auch wie eine Medizin. Und ich habe in meiner Kindheit mal gelernt: Eine gute Medizin muss schlecht schmecken, aber sie hilft“, sagte Klopp am Dienstag in Liverpool.

          „Aus heutiger Sicht ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass wir das Finale im vergangenen Jahr verloren haben. Ich bin mir nicht sicher, ob wir heute wieder im Finale stehen würden, wenn wir vor einem Jahr gewonnen hätten.“ An diesem Samstagabend tritt er mit seinem im Finale von Madrid (21.00 Uhr/Sky und DAZN sowie im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League) gegen Tottenham Hotspur an.

          Klopp verlor mit dem FC Liverpool das Endspiel 2018 mit 1:3 gegen Real Madrid und mit Borussia Dortmund das deutsche Finale gegen Bayern München 2013. Am Samstagabend in Madrid ist sein Team zum ersten Mal vor einem großen Finale auch der Favorit. „Die Welt da draußen erwartet von uns, dass wir das Finale gewinnen. Von mir persönlich erwarten das viele Leute vielleicht noch ein bisschen mehr, weil ich es so oft versucht habe“, sagte der 51-Jährige. „Ich will das Spiel unbedingt gewinnen, aber ich will das nicht für mich. Ich will das für meine Spiele und für diesen großartigen Club.“

          Der abermalige Sprung in das wichtigste Spiel des Jahres gibt Klopp jedenfalls die Chance, sein Versprechen zu halten. Einen Titel in den ersten vier Jahren hatte der er im Oktober 2015 bei seinem Amtsantritt angekündigt. Doch seither wurden alle Chancen vergeben – ob in Kiew, im Ligapokal, der Europa- oder der Premier League. Dennoch hat Klopp im damals in die Mittelmäßigkeit abgestürzten Liverpool wieder ein Team geformt, das in Europa zur Spitze gehört.

          Die Menschen aus der Hafenstadt lieben ihn dafür, die legendäre Tribüne „The Kop“ verehrt ihn für seinen begeisternden Offensivfußball, der zahlreiche außergewöhnliche Spiele geschaffen hat – und Klopp gibt diese Liebe zurück. „Dieser Klub lebt Emotionen und Leidenschaft, in ihm schlägt ein großes Herz“, schwärmte „The Normal One“ nach dem denkwürdigen 4:0 im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona - einem dieser magischen Klopp-Momente an der Anfield Road.

          An der Ecke Jordan Street/Jamaica Street setzten die Liverpudlians Klopp schon ein Denkmal. In Graffiti ist sein Abbild riesengroß auf einer Backsteinmauer verewigt. Klopp hält sich die Hand aufs Herz, blickt lächelnd in die Ferne. „We are Liverpool. This means more“, steht neben ihm an der Wand. „Wir sind Liverpool, das bedeutet mehr.“ Mittlerweile bedeutet es auch: Jürgen Klopp.

          „Ich hatte extremes Glück im Leben, zum richtigen Moment am richtigen Ort zu sein und die richtigen Leute zu treffen“, erzählte der charismatische Coach zuletzt in der ZDF-Sportreportage. Das war 2015 so, als sein Weg nach einem schwachen Jahr in Dortmund auf die Insel führte. Und das war vor fast 20 Jahren so, als er als Spieler in Mainz zum Trainer befördert wurde und den Klub 2004 in die Bundesliga führte. Für Klopp ist dies bis heute der größte Moment seiner Trainerkarriere, wie er am Dienstag betonte.

          Dass es in der Premier League trotz der besten Saison der Vereinsgeschichte nicht zum Titel reichte? Dass er seine vergangenen sechs großen Endspiele allesamt verlor? Bitter. Klopp lässt es nicht an sich heran: „Ich habe an mich selber nur die Erwartung, alles zu geben. Das heißt nicht, dass man alles bekommt.“ Aber: „Es ist die einzige Chance, irgendwas zu kriegen.“

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