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FC Liverpool : Die Lage für Klopp ist ziemlich knifflig

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„Mehr können wir nicht tun“: Jürgen Klopp und der FC Liverpool spielen eine starke Saison – aber reicht sie auch zu einem Titel? Bild: AFP

Jürgen Klopp und dem FC Liverpool droht wieder eine titellose Saison. In der Premier League hat Pep Guardiola alles in der Hand. Und in der Champions League mehren sich die Probleme von Klopp vor dem Rückspiel gegen Barcelona.

          Es klingt nach einer Mischung aus Stolz und Resignation, wenn Liverpool-Trainer Jürgen Klopp in diesen Tagen über seine Mannschaft spricht. Stolz, weil sie in der Premier League einen Spieltag vor dem Ende der Saison 94 Punkte haben. Stolz, weil sie in der Champions League um den Einzug ins Finale spielen, nachdem sie schon in der vergangenen Saison bis ins Endspiel vorgedrungen waren. Resignation jedoch, weil sie am Ende dieser Woche trotz allem wieder mit leeren Händen dastehen könnten.

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          An diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) müssen sie im Halbfinalrückspiel der Königsklasse gegen den FC Barcelona das 0:3 aus dem Hinspiel umbiegen. Am Sonntag entscheidet sich, ob Liverpool zum ersten Mal seit 29 Jahren wieder englischer Meister wird oder ob Manchester City, das am Montagabend durch ein 1:0 gegen Leicester den ersten Platz mit nun 95 Punkten behauptete, den Titel verteidigt. Zur Einordnung: In den vergangenen 20 Jahren hätten Liverpools 94 Zähler in 18 Fällen zur Meisterschaft genügt; nur Chelsea 2005 und vor einem Jahr Manchester City wurden mit mehr Punkten Champion.

          „Mehr können wir nicht tun“, sagte Klopp nach dem 3:2-Sieg gegen Newcastle United, ihrem achten Sieg nacheinander in der Liga. „Die Jungs haben weit mehr erreicht, als ich für möglich gehalten hatte.“ Am letzten Spieltag trifft Liverpool auf die formstarken Wolverhampton Wanderers, gegen die sie Anfang des Jahres mit einer B-Elf aus dem FA Cup ausgeschieden waren. Manchester City spielt zur gleichen Zeit gegen Brighton & Hove Albion, für die es um nichts mehr geht.

          „Lasst uns versuchen, 97 Punkte zu holen“, sagte Klopp, „danach sind wir bereit für die Endabrechnung.“ Ähnlich hatte er gesprochen, als seine Mannschaft vor einer Woche in Barcelona trotz couragierter Leistung verloren hatte. Seine Spieler hätten nichts falsch gemacht, sondern vieles richtig. Er sprach von der besten Leistung in Europas Spitzenwettbewerb unter seiner Leitung, nicht nur in dieser, sondern auch in der vergangenen Saison: „Ich weiß nicht, ob wir viel besser spielen können.“

          Besser hätte jedoch Liverpools Umgang mit den Chancen sein müssen. Sadio Mané schoss eine Hereingabe von Jordan Henderson weit über die Latte, Mohamed Salah drückte den Ball aus kurzer Entfernung an den Pfosten. So blieb Liverpool ohne Auswärtstor. Barcelona dagegen machte viel aus relativ wenig, drei Tore trotz einer überwiegend mäßigen Vorstellung. Im Rückspiel muss Liverpool nun Historisches leisten, um noch ins Finale einzuziehen. Möglich ist es: In der vergangenen Saison war Barcelona im Viertelfinale trotz eines 4:1-Siegs im Hinspiel gegen AS Rom durch ein 0:3 im Rückspiel ausgeschieden.

          Klopp hatte 2014 mit Dortmund gegen Real Madrid im Hinspiel 0:3 verloren, den Spaniern beim 2:0 im Rückspiel aber alles abverlangt. „Das ist Barcelona, und wenn die auf Konter spielen können, dann hilft uns das nicht sonderlich“, sagte Klopp indes realistisch. Es hilft auch nicht, dass die eigentlich so stabile Abwehr um Virgil van Dijk gegen Barcelona und Newcastle ungewohnt anfällig wirkte. Mittelfeldspieler Naby Keita sowie die Angreifer Roberto Firmino und Mohamed Salah fallen obendrein verletzt aus. Salah wurde gegen Newcastle wegen einer Kopfverletzung vom Platz getragen, am Montag bestätigte sich der Verdacht auf Gehirnerschütterung.

          „Zwei der besten Stürmer der Welt stehen nicht zur Verfügung, und wir müssen vier Tore schießen“, sagte Klopp. Die Lage ist knifflig. Liverpool muss den Rückstand aufholen, gleichzeitig aber um jeden Preis verhindern, dass Barcelona trifft. Im Hinspiel hatte Klopp versucht, Barcelonas Offensivgewalt entgegenzuwirken, indem er im zentralen Mittelfeld den verlässlichen, aber offensiv weniger gefährlichen James Milner aufbot. Für Mittelstürmer Firmino spielte Georginio Wijnaldum in einer nach hinten versetzten Rolle. Rechts hinten hatte Klopp außerdem Innenverteidiger Joe Gomez statt Trent Alexander-Arnold spielen lassen – wohl mit der Absicht, die Räume vor dem Tor zusätzlich zu verdichten, allerdings auf Kosten von Alexander-Arnolds schwungvollen Flügelläufen.

          Durch die Ausfälle von Salah, Firmino und Keita brechen im Rückspiel drei Optionen weg. Gegen Newcastle bildeten Wijnaldum, Fabinho und Henderson das Dreiermittelfeld hinter Mané und Salah auf den Flügeln, für Firmino sprang in der Mitte des Angriffs Daniel Sturridge ein. Das späte Siegtor erzielte der eingewechselte Divock Origi nach einer Freistoßflanke des ebenfalls eingewechselten Xherdan Shaqiri. Liverpool hat mit zwölf Toren durch eingewechselte Spieler mehr erzielt als alle anderen Premier-League-Klubs. Es wird im Saisonendspurt auch auf die Spieler in der zweiten Reihe ankommen.

          Barcelonas Trainer Ernesto Valverde hat am Wochenende in der Liga keinen der Spieler, bis auf den nun verletzten Dembélé, in der Startelf aufgeboten, die zuvor gegen Liverpool gespielt hatten. Das Team steht bereits als Meister fest, das 0:2 gegen Celta Vigo hatte keine Bedeutung. Klopp konnte seinen Stars dagegen keine Erholung gönnen. „Du spürst keinen Druck, solange du dein Bestes gibst“, sagte er nach dem Newcastle-Spiel. „Was auch immer passiert, es wird eine sehr erfolgreiche Saison sein. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Fans das auch so sehen.“ Manchmal liegen Stolz und Resignation dicht beieinander.

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