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Einst erfolgreiches Team : Für Klopp und Liverpool ist die Party vorbei

  • -Aktualisiert am

Letzte Hoffnung Premier League: Jürgen Klopp und der FC Liverpool Bild: EPA

Im Viertelfinale der Fußball-Königsklasse gibt es für den deutschen Trainer und seine Mannschaft den nächsten Tiefschlag. Ist der Zauber von Jürgen Klopp verflogen?

          3 Min.

          Für die Fans und die Spieler des FC Liverpool sowie für Trainer Jürgen Klopp muss sich diese Saison anfühlen wie ein nicht enden wollender Kater nach einem epochalen Vollrausch. 2019 gewannen sie die Champions League, 2020 die englische Meisterschaft – zum ersten Mal seit 30 Jahren. Während dieser Zeit schien Liverpool von Sieg zu Sieg zu schweben wie in Trance. Kein Gegner war zu groß, kein Rückstand zu hoch. Und heute? Da schleppen sich die Spieler nach dem Ausscheiden aus der Champions League im Viertelfinale erschöpft und enttäuscht dem Saisonende entgegen, mit der einzigen verbleibenden Hoffnung, dass in der Premier League nicht alles noch schlimmer wird.

          Champions League

          Nein, Liverpool hat nicht noch einmal die Sensation geschafft, hat nicht wie vor zwei Jahren gegen Barcelona eine hohe Hinspielniederlage umgebogen, um mit Trommeln und Trompeten und gegen jede Wahrscheinlichkeit doch noch eine Runde weiterzukommen. Stattdessen haben sie sich am Mittwochabend an Real Madrid abgearbeitet, das nach dem 3:1 im Hinspiel in Anfield nichts riskieren musste und wollte.

          Klopp hatte von seiner Mannschaft vor dem Spiel einhundert Prozent Einsatz gefordert, und die Spieler bemühten sich aufrichtig, vergeudeten aber vor allem in der ersten Halbzeit teilweise beste Chancen. Selbst der eigentlich zuverlässige Mohamed Salah traf das Tor nicht oder scheiterte an Reals starkem Torwart Thibaut Courtois. Auf der anderen Seite hätte Real durch Karim Benzema nach 20 Minuten beinahe getroffen, doch dessen abgefälschter Schuss ging an den Pfosten. Es blieb beim 0:0, womit Liverpool unterm Strich verdient ausschied.

          Chance um Chance vergeben

          Klopp konnte der Leistung seiner Mannschaft dennoch Positives abgewinnen, und das nicht zu Unrecht. Denn die Steigerung gegenüber dem Hinspiel war offensichtlich. „Wir waren gut, aggressiv, hatten Chancen“, sagte der Trainer beim Fernsehsender „BT Sport“. Allerdings: „Wir haben nicht getroffen, und dann hat Real es mit seiner Erfahrung runtergespielt.“ Es passe aber zur Saison, dass der Angriff Chance um Chance vergab. „Wir wissen, wie oft Mo Salah solche Dinger mit geschlossenen Augen macht“, sagte er mit Blick auf den glücklosen Rechtsaußen. „Aber nicht hier. Für heute ist das okay, aber wir sind raus.“

          Für Liverpool bedeutet das Ausscheiden aus der Champions League, dass sie am Ende dieser Saison ohne Titel dastehen werden. Aus dem FA Cup und dem Ligapokal sind sie längst ausgeschieden, und in der Liga können sie froh sein, wenn sie es noch unter die ersten vier schaffen, um sich so für die Champions League zu qualifizieren.

          Dazu müssen sie ihre zuletzt wieder leicht verbesserte Form beibehalten und auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen: Vor dem 32. Spieltag an diesem Wochenende steht Liverpool in der Tabelle nur auf dem sechsten Platz, Chelsea auf Platz fünf und West Ham auf Platz vier mit zwei beziehungsweise drei Punkten Vorsprung. „Wir lieben diesen Wettbewerb“, sagte Klopp, und auch aus anderen Gründen – wegen des Geldes – sei es „sehr wichtig“, auch in der nächsten Saison wieder in der Champions League dabei zu sein.

          Der Leistungsabfall in dieser Saison wirft derweil die Frage auf, ob die Mannschaft im Sommer personell ergänzt werden muss. Zur Einordnung: Als Liverpool 2018 das Champions-League-Finale gegen Real Madrid verlor, gehörten sieben Spieler zur Startelf, die auch am Mittwoch von Beginn an spielten. Überhaupt hält sich in England die Kritik, dass Klopps System auf wenigen Leistungsträgern beruhe, die aber nicht adäquat ersetzt werden könnten.

          Die Verletzungen der Innenverteidiger Virgil van Dijk und Joe Gomez sowie des Kapitäns Jordan Henderson haben Liverpool schwer getroffen. Der „Guardian“ schrieb in einer Analyse, Klopps große Erfolge mit diesem Kader gewännen durch den Kollaps in dieser Saison gewissermaßen an Signifikanz: „Das war ein glorreicher Lauf, aufgebaut auf einer Mannschaft von wahrer Qualität, aber ohne ein echtes Sicherheitsnetz.“

          Im Poker um die besten Spieler könnte es wiederum eine Rolle spielen, ob der FC Liverpool ihnen die Möglichkeit bieten kann, sich in der Champions League zu präsentieren. Die verbleibenden sieben Ligaspiele sind deshalb umso wichtiger. Am Montag ist Liverpool gegen den unbequemen Aufsteiger Leeds United gefordert. „We will have to run our socks off“, sagte Klopp. Rennen, bis es einem die Socken auszieht: Mit einem so dicken Kater ist das leichter gesagt als getan.

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