https://www.faz.net/-gtm-7w0c9

2:0 gegen AS Rom : Jetzt knöpfen sich die Bayern die Bundesliga vor

Verhexen die Bayern nun die Bundesliga? Mario Götzes Zeichen soll aber vorerst nur eine Umarmung von Freunden und Familie andeuten Bild: dpa

Die internationale Pflicht ist erfüllt. Nun hat Bayern München Zeit, auch national für klare Verhältnisse zu sorgen.

          3 Min.

          Pep Guardiolas Augen funkelten sanft, und seine Stimme klang samtig wie immer – nicht wie die Stimme eines Mannes, der eine Drohung ausspricht, sondern jemand, der nach getaner Arbeit zufrieden in den verdienten Feierabend geht. „Ich bin sehr froh“, sagte der Bayern-Trainer, „dass wir uns schon nach dem vierten Spieltag der Champions League auf die Bundesliga konzentrieren können.“

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der Inhalt dieses eigentlich harmlosen Satzes hatte dann aber bei genauem Hinhören doch etwas sehr Bedrohliches – für die deutsche Konkurrenz. Denn die Bayern haben jetzt Zeit für sie.

          Bereits Anfang November steht der Meister und Rekordmeister nun nicht nur als Achtelfinalteilnehmer der Champions League fest, sondern auch als Gruppensieger, was die Gefahr verringert, einen anderen Favoriten schon in der ersten K.o.-Runde zu treffen. So schnell hat das noch nie ein deutsches Team geschafft, und schneller geht es nun auch nicht mehr. In einer Gruppe mit vier Teams ist ein noch früherer Gruppensieg als nach vier Spielen mathematisch nicht möglich.

          Schon Gruppensieger

          Das 2:0 gegen AS Rom am Mittwoch in der Münchner Arena reichte den Bayern, um nun die beiden letzten Partien bei Manchester City (nach dem 1:2 gegen ZSKA Moskau nun Tabellenletzter) und gegen Moskau als Trainingsprogramm betrachten zu können. Bis Ende Februar das Achtelfinale ansteht und Anfang März der DFB-Pokal, kann nun nichts mehr den Meister von der Bundesliga ablenken, dreieinhalb Monate lang. Wenn das mal gut geht – für die anderen.

          Drohung mit sanfter Stimme: Pep Guardiola will nun das Kapitel Bundesliga erledigen Bilderstrecke
          Drohung mit sanfter Stimme: Pep Guardiola will nun das Kapitel Bundesliga erledigen :

          Was passieren kann, wenn die Bayern sich einmal so richtig mit aller Macht und voll konzentriert auf einen Gegner einlassen, hatten die Römer bei ihrem 1:7-Debakel vor zwei Wochen erlebt. Beim Rückspiel in München traten sie so verängstigt angereist, als prange in ihrem Vereinswappen nicht die stolze Wölfin, die die Stadtgründer Remus und Romulus säugt, sondern ein geprügelter Hund.

          „In Sechserreihe“ verteidigten sie ihr Tor, wie Philipp Lahm überrascht von so viel Ängstlichkeit feststellte. Immerhin sah der Bayern-Kapitän darin einen Lernfortschritt des geplagten Gegners, der seine gefährlichsten Angreifer Francesco Totti und Gervinho schonte und stattdessen Beton anzurühren versuchte. „Sie haben im Hinspiel gelernt, dass man gegen uns besser verteidigen muss“, fand Lahm.

          „Die Hauptsache ist, dass wir eine mutige Vorstellung abliefern, aggressiv und kompakt sind“, hatte Roma-Trainer Rudy Garcia angekündigt. „Wir werden nicht wie Opfer auftreten.“ Dann kam dabei aber doch eine Hasenfuß-Taktik heraus, die den unvermeidlichen Gang in die Niederlage nur etwas kontrollierter und verträglicher aussehen ließ als bei der 1:7-Abreibung im Oktober.

          Starker Boateng

          Dafür, dass die Römer in einer laut Guardiola „sehr langsamen Partie“ auch gegen einen FC Bayern ohne Robben, Müller und die gewohnte Spritzigkeit keine Chance bekamen, mit einem 0:0 davonzukommen, sorgte vor allem Jerome Boateng. Der Abwehrmann nahm vor dem Führungstor in der 38. Minute einen Abschlag des gegnerischen Torwarts so gekonnt mit der Brust auf und spielte den Ball so schnell und präzise auf Franck Ribéry, dass diese Umschaltbewegung für Guardiola „der Schlüssel“ zur Führung war. Ribéry schickte den starken David Alaba (der wegen einer Knieverletzung ausgewechsel wurde und wohl länger ausfällt) auf den Flügel, bekam den Ball in den Rückraum zurück und vollendete zum 1:0.

          Auch beim 2:0 in der 64. Minute verdankte sich die entscheidende Beschleunigung in die Spitze einem scharfen Flachpass von Boateng, diesmal auf Robert Lewandowski, der am linken Strafraumrand antrat und in der Mitte Mario Götze perfekt bediente. Die einzige Chance der Italiener, eine doppelte, vereitelte Torwart Manuel Neuer nach 84 Minuten erst aus kurzer Entfernung mit gewohnt raumfüllender Präsenz gegen den spät eingewechselten Gervinho, dann mit überragender Schnellkraft gegen den wuchtigen Nachschuss von Nainggolan. 

          Alle Spiele, alle Tabellen der Champions League 2014/2015

          „Das ist eine schwere Gruppe, wir haben das gut gemacht“, lobte Boateng das eigene Team für den souveränen Gruppensieg. Er verlangte, nicht lockerzulassen: „Wir wollen konzentriert bleiben und kein Spiel abschenken.“ Schließlich kann so etwas zur schlechten Gewohnheit werden, wie nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft Ende März. Doch von einem solchen Nachlassen scheinen sie Bayern derzeit weit entfernt. Ob sie nach diesem Start mit vier Siegen in vier Spielen und 11:1 Toren nun Favorit auf den Gewinn der Champions League ist? „Keine Ahnung“, sagte Franck Ribéry. „Aber wir sind da.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD-Dynastie: Familie Siebel im „stadtbauraum“, einer Veranstaltungsstätte  am früheren Kohleschacht Oberschuir in Gelsenkirchen.

          Politische Prägung : Wählen wie die Eltern

          Welcher Partei wir bei einer Wahl unsere Stimme geben, hängt auch mit der Prägung durch das Elternhaus zusammen. Oder gerade nicht? Drei Ortsbesuche.
          Im Fernsehen, wie hier beim letzten Triell, traten die Kandidaten mit offenem Visier an. Im Netz wird aus dem Hinterhalt geschossen.

          Hetze im Internet : Der schmutzige Wahlkampf

          Sie finden der Kampf ums Kanzleramt zwischen Baerbock, Laschet und Scholz sei eine müde Sache, langweilig und gebremst? Die Kampagnen im Netz zeigen etwas anderes.
          Das Kohlekraftwerk Mehrum, daneben Windräder

          Energie : Preisrekorde gefährden Green Deal

          Strom und Gas sind so teuer wie lange nicht. Für die EU-Kommission kommt das zur Unzeit – und einige Länder haben schon Notfallpläne verabschiedet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.