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Jens Lehmann im Interview : „Den Bayern reichen bisher 80 Prozent“

Heute am Mikrofon - und in der Zukunft? „Am wertvollsten, glaube ich, wäre ich auf dem Platz. Als Trainer. Vielleicht auch als Ko-Trainer.“ Bild: Picture-Alliance

Einst Torhüter, heute TV-Experte: Jens Lehmann spricht im Interview über die Bundesliga, das Champions-League-Duell der Bayern mit Arsenal, seine Ansprache an Mesut Özil – und die eigene Zukunft.

          Jens Lehmann war Vorreiter des modernen Torwartspiels im deutschen Fußball – der Torwart nicht als Solist auf der Linie, sondern als eine Art elfter Feldspieler, in der Weise, wie sie Manuel Neuer fortführt. Vor der WM 2006 gewann er den Kampf mit Oliver Kahn um den Platz im deutschen Tor. Der Zettel, mit dessen Hilfe er zwei Elfmeter gegen Argentinien hielt, ist heute im „Haus der Geschichte“ in Bonn ausgestellt. In über zwanzig Jahren als Profi wurde er WM-Dritter und EM-Zweiter, Uefa-Cup-Sieger mit Schalke, deutscher Meister mit Borussia Dortmund und englischer Meister mit dem FC Arsenal, dem er 2011 mit 41 Jahren noch einmal in einem Premier-League-Spiel aushalf. Die Champions-League-Partie von Arsenal beim FC Bayern am Mittwoch wird Lehmann, inzwischen TV-Experte bei RTL, aber nur als Zuschauer verfolgen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Sie standen mit Philipp Lahm im EM-Finale 2008 gegen Spanien. Was sagen Sie zu seinem Rücktritt diesen Sommer?

          Philipp ist ein toller Spieler. Einer der intelligentesten, mit denen ich zusammen gespielt habe. Und intelligente Spieler machen den Unterschied.

          Wie sehr wird er den Bayern fehlen?

          Es ist nie leicht für eine Mannschaft und für einen Verein, einen Spieler zu ersetzen, der eine Meinung hat, der die Dinge gut erkennt, der das Spiel versteht. Das sah man auch bei der Nationalmannschaft, als er da nicht mehr spielte. Diese Qualität wird fehlen.

          Ist der FC Bayern noch so stark wie unter Trainer Pep Guardiola?

          Sie spielen etwas anders. Zuletzt war es so, dass wieder eine normale Mannschaft gespielt hat. Ohne diese komplette Dominanz, die man vielleicht vor einem halben Jahr sah. Aber wenn ich sie sehe, habe ich weiter das Gefühl, dass sie einen sehr guten Teamgeist haben. Das ist viel wert.

          Auf den Perfektionisten Guardiola folgte der lockere Ancelotti. Heißt das: etwas weniger Konzentration im Alltag, aber am Ende der Saison mehr Frische?

          Es kann gut sein, dass Ancelotti genau der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt ist. Einer, der den Spielern auch mal die Möglichkeit gibt, durchzuatmen. Und sich ein bisschen durch die Liga schleicht, aber in der Champions League wieder Großes schafft.

          Warum reicht das „Durchschleichen“ in der Liga?

          Die Bayern profitieren von der Schwäche der anderen Top-Teams. Sie kommen bisher mit 80 Prozent durch.

          Der finanzielle Vorsprung der zehn, zwölf europäischen Topklubs wird immer größer, der sportliche, in ihren nationalen Ligen, auch. Geht der sportliche Wettbewerb kaputt?

          Es gibt nur eine Möglichkeit, man sieht es bei Manchester City. Als ich 2003 nach England kam, war es ein kleiner Klub. Jetzt ist es ein großer.

          Weil der Klub von Abu Dhabi gekauft und mit viel Geld ausgestattet wurde, was in Deutschland durch die 50+1-Regel nicht möglich wäre.

          Die 50+1-Regel muss fallen, dann gibt es auch wieder mehr Konkurrenz. Mannschaften wie Leipzig und Hoffenheim stehen auf einmal oben, weil sie keine Geldprobleme haben. Andere, wie Schalke, Bremen, Hamburg, Hertha, die nicht so tiefe Taschen haben, müssen kämpfen.

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