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Paris in der Champions League : Tuchels Reifeprüfung

  • -Aktualisiert am

Ein bisschen was fehlt noch: Thomas Tuchel und PSG wollen in der Champions League erfolgreich sein Bild: EPA

Für Thomas Tuchel steht das erste Spiel auf der großen Champions-League-Bühne an. Im Duell mit dem FC Liverpool und seinem zweifachen Vorgänger Jürgen Klopp muss der Trainer zeigen, dass seine Pläne mit PSG die richtigen sind.

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          Nach dem souveränen 4:0-Sieg unlängst gegen Saint-Etienne hatte Thomas Tuchel nur eine Sorge: Er hoffte, seine Spieler dächten noch nicht zu sehr an Liverpool (21 Uhr/ live im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN). Das allerdings wäre überraschend – alle Anhänger des Vereins und die französischen Medien haben dieses Spiel seit der Auslosung Ende August im Kopf.

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          Das kann kaum verwundern, gibt es doch schließlich keinerlei Zweifel, dass auch Tuchels PSG wie zuvor unter seinen Trainervorgängern Unai Emery, Carlo Ancelotti und Laurent Blanc wieder französischer Meister werden wird. Mit fünf Siegen in fünf Spielen ist Paris Saint-Germain Tabellenerster mit beeindruckenden Zahlen: 17 Tore geschossen, dabei nur vier Gegentore kassiert – das ergibt schon wieder fünf Punkte Vorsprung vor Lille und Toulouse, die dauerhaft keine Gefahr für den Titel sind. Selbst ohne Neymar und Kylian Mbappé hatte PSG keine Mühe mit Saint-Etienne.

          Das große Ziel Champions League

          Paris Saint-Germain ist zu stark für die Ligue 1, und das wird sich auch nicht ändern. Aber das Ziel von Präsident Nasser Al-Khelaifi und Qatar Sport Investment ist ja vor allem die Champions League. Und seit 2011 erreichte PSG in diesem Wettbewerb nie das Halbfinale. Tuchel wurde verpflichtet, um den nächsten Schritt zu machen. Al-Khelaifi vertraut dem Deutschen und lobte ihn kürzlich überschwänglich: „Er ist der beste Trainer der Welt.“ Da würde es sich gut machen, auch das Spiel in Liverpool zu gewinnen. Zum ersten Mal seit 2012 hat die Auslosung Paris zwei starke Gegner in der Gruppenphase beschert, neben dem FC Liverpool auch den SSC Neapel (mit Carlo Ancelotti). Im Grunde wird die Saison für die Franzosen erst an diesem Dienstag richtig beginnen – und zeigen, ob sich die Transferpolitik des Vereins sowie die taktischen Änderungen Tuchels wie geplant auszahlen.

          Im vergangenen Jahr hatten die Pariser die Konkurrenz schockiert: Mit Neymar und Mbappé sorgten sie für die bislang teuersten Transfers der Fußballgeschichte, zusammen kosteten die beiden Angreifer rund 400 Millionen Euro. Das verursachte Probleme mit dem Financial Fair Play. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) drohte, den Klub von europäischen Wettbewerben auszuschließen, wenn Paris nicht genug Spieler verkaufte.

          Jetzt gilt es wach zu sein: Die PSG-Stars Neymar, Marquinhos and Thiago Silva

          Das tat PSG auch notgedrungen, was aber nicht mit dem Glauben an die eigene Großartigkeit zusammenpasste. Und trotz eines spektakulären Coups wie der Verpflichtung des legendären Torwarts Gianluigi Buffon blieben Lücken im Kader, vor allem auf der Position des Sechsers und des Linksverteidigers. In der vergangenen Saison gegen Real Madrid rückte die Frage in den Mittelpunkt der Diskussion: Wer kann als Sechser spielen? Thiago Motta war verletzt, Lassana Diarra, im Januar geholt, hatte noch nicht das Niveau, und Adrien Rabiot wollte auf dieser Position nicht spielen. Deshalb entschied sich Emery, den jungen Argentinier Giovanni Lo Celso als Sechser zu testen, der aber komplett durchfiel. Und im Rückspiel wurde das Problem noch sichtbarer – Paris schied aus.

          Problemzone auf der „Sechs“

          In diesem Sommer engagierten die Pariser vier Spieler, aber erstaunlicherweise keinen Sechser. Tuchel versteckte seine Unzufriedenheit darüber nicht, aber er soll und muss Lösungen finden. An Ideen fehlt es ihm nicht. In der Liga spielte Innenverteidiger Marquinhos gegen Angers und Nîmes auf der defensiven Mittelfeldposition. Ob mit Erfolg, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen – zumindest scheint er die aktuell beste Lösung zu sein.

          Erste Bewährungsprobe: Tuchel und sein Trainerteam in Anfield

          Auch die Problemzone auf der linken Außenbahn ist noch nicht beseitigt. Weder Layvin Kurzawa noch Yuri Berchiche überzeugten in der vergangenen Saison als Linksverteidiger. Kurzawa leidet zudem an Rückenproblemen und wurde in der vergangenen Woche operiert. Berchiche wurde an Bilbao verkauft. Sportdirektor Antero Henrique sollte einen Akteur finden, der auf internationalem Niveau agiert. Gerüchte um Alex Sandro (Juventus Turin), Wendell (Leverkusen) oder Filipe Luis (Atlético Madrid) machten die Runde. Keiner von ihnen kam, dafür unterschrieb Juan Bernat von Bayern München. Eine Enttäuschung für viele. Gegen Saint-Etienne konnte Bernat seine Stärken präsentieren, aber seine Schwächen nicht verbergen.

          Tuchel probierte mittlerweile viele taktische Systeme; welches er nun in Liverpool wählt, ist ungewiss. „Ich kenne die Namen von zehn Spielern, die am Dienstag spielen werden. Das System kenne ich noch nicht“, sagte er. Immerhin aber verfügt er über das vermutlich beste Angriffstrio der Welt mit Neymar, Mbappé und Cavani. Als Trainer wird Tuchel zum 13. Mal auf den Kollegen Jürgen Klopp treffen, der wie er eine Vergangenheit bei Borussia Dortmund hat – heraus kamen bislang ein Sieg, drei Unentschieden und acht Niederlagen. Aber es wird das erste Mal sein, dass die beiden mit gleichen Waffen kämpfen. Und am Ende wird sich auch entscheiden, welcher Trainer mit der finanziellen Ausstattung besser umgehen kann. Daraus die Formulierung vom „besten Trainer der Welt“ abzuleiten, klänge trotzdem gewagt.

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