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Kommentar : Klarer Vorteil für Klopp

Trainer im Land der fast unbegrenzten Möglichkeiten: Jürgen Klopp und der FC Liverpool sind Favorit im Spiel gegen Bayern. Bild: dpa

Der FC Bayern geht als Außenseiter ins Achtelfinal-Duell der Champions League mit Liverpool. Verglichen mit Klopps Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten kommt Kovac beinahe wie ein armer Mann daher.

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          Klopp gegen Kovac: Auf diese Zuspitzung läuft es gern einmal hinaus, wenn das große Champions-League-Duell zwischen Liverpool und den Bayern (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und Sky) medial ausgeleuchtet wird – so, wie fast immer der Fokus auf die Trainer zunimmt, je mehr sich ein Wettbewerb sportlich zuspitzt.

          Champions League

          Nun hat Niko Kovac im „Kicker“ eine etwas andere Sicht vertreten. Nicht der Trainer sei entscheidend, sagte er, sondern die individuelle Qualität der Spieler. Kovac wollte damit nicht seinen Berufsstand kleinreden, es ging ihm um etwas anderes: Darauf hinzuweisen, dass sich erst mit der entsprechenden Klasse auf dem Rasen auch der Fußball spielen lässt, den ein Trainer im Kopf hat.

          Das stimmt, gerade deshalb aber wirkt es vor einem Spiel wie dem an diesem Dienstagabend so, als wolle Kovac sich auch ein wenig absichern. Für den Fall nämlich, dass es krachend schiefgeht an der Anfield Road und drei Wochen später beim Rückspiel zu Hause. Dann nämlich sollte man bei sachlicher Betrachtung am Ende des Tages auch in München zur Einsicht kommen, dass es von jedem Trainer der Welt viel verlangt gewesen wäre, sich mit diesem FC Bayern gegen diesen FC Liverpool zu behaupten. Schließlich sind die „Reds“ den „Roten“ nicht nur etliche Investitionsmillionen, sondern auch um zwei bis drei Entwicklungsjahre voraus, was insgesamt ein ziemlich unvorteilhaftes Bild für den deutschen Rekordmeister ergibt. Und einen klaren Vorteil für Klopp.

          In Liverpool lässt sich – wie auch bei Manchester City und Pep Guardiola – wunderbar studieren, was herauskommen kann, wenn man einem Trainer Zeit und auch das nötige Kleingeld gibt, um seine Ideen zu verwirklichen. Mit den Freiheiten des englischen Manager-Modells hat Klopp dem Traditionsklub seinen „Signature Style“ eingeschrieben, der auch noch, wie schon in Dortmund, wie die Faust aufs Auge zur Fußballkultur der Stadt passt.

          Was in der Summe eine Strahl- und oft auch Schlagkraft ergibt, die ihresgleichen sucht. Es stimmt zwar, einen Titel hat Klopp damit noch nicht gewonnen, und auch in Liverpool gibt es nicht immer nur Fortschritt – was das angeht, ist der Moment für die Bayern vielleicht sogar günstig. Insgesamt aber ist Klopps Team eines, das mit Macht nach oben strebt und seine besten Jahre, anders als die Bayern, noch nicht hinter sich hat.

          Verglichen mit Klopps Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten, kommt Kovac beinahe wie ein armer Mann daher. Es hätte kaum einen schwierigeren Moment geben können, den Dienst beim größten Klub des Landes anzutreten. Der Weg an Europas Spitze – er ist beim Blick auf die Münchner Kader- und auch Führungsstruktur ein Langzeitprojekt, bei dem sich aber selbst die Findungsphase nun schon ziemlich lange hinzieht. Wohin der Klub perspektivisch steuert, wirkt noch immer nicht geklärt. Und Kovac? Hat sich seinen Namen als Trainer vor allem damit gemacht, eine eher kleine Mannschaft an Großes glauben zu lassen. Nicht unbedingt das, was man in München sonst so lehrt und braucht. An diesem Dienstag allerdings wird mancher gerade darauf hoffen.

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