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Champions League : Gündogan ist Guardiolas neue Kostbarkeit

Volltreffer auch in der Champions League: Ilkay Gündogan feiert das erste seiner beiden Tore gegen den FC Barcelona. Bild: dpa

Ein Schnäppchen für 21 Millionen Pfund: Ilkay Gündogan fühlt sich bei Manchester City und seinem Traumtrainer bestens aufgehoben – und staunt selbst. Glänzt er auch in Mönchengladbach?

          3 Min.

          Eine kleines Beispiel für die Maßstäbe im englischen Fußball gefällig? Bitte schön. Ilkay Gündogan, schrieb die Boulevardzeitung „Daily Mail“ kürzlich, könnte sich als das Schnäppchen der Saison in der Premier League erweisen. Was man halt so Schnäppchen nennt, die rund 21 Millionen Pfund, die Manchester City für Gündogan ausgegeben hat, sind ja auch nicht nichts.

          Aber die eigentliche Rechnung, die das Blatt aufmachte, war eine andere - dass nämlich beim Transfer von Paul Pogba zu Manchester United selbst die Beratergebühr teurer war als der ganze Gündogan: 24 Millionen Pfund soll Mino Raiola kassiert haben für den 89-Millionen-Pfund-Rekorddeal. Und da steht Manchester City unter dem Strich dann im Augenblick tatsächlich als Gewinner da: In der Liga liegt City als Dritter einen Punkt hinter Tabellenführer Chelsea, der Stadtrivale United folgt mit acht Punkten Abstand auf Rang sechs.

          Der Anlass, warum Gündogan vor drei Wochen zum Fußball-Gesprächsstoff Nummer eins auf der Insel wurde, war jedoch ein anderer: der glänzende Auftritt des deutschen Nationalspielers beim 3:1 von City gegen den FC Barcelona in der Champions League. Es war der Abend, an dem zum ersten Mal auf der großen Bühne Kontur annahm, wohin der neue Trainer Pep Guardiola seine Mannschaft führen möchte. Im Mittelpunkt: Gündogan, der gleich zwei Treffer beisteuerte.

          An diesem Mittwochabend tritt City bei Borussia Mönchengladbach an, und wenn sich die Citizens und Gündogan dabei in ähnlicher Verfassung präsentieren wie gegen Barcelona, dann stehen ihre Chancen gut, sich mit einem Sieg vorzeitig für das Achtelfinale zu qualifizieren. Sollte Celtic Glasgow gegen Barcelona nicht gewinnen, würde den Engländern schon ein Unentschieden reichen.

          „Eine kleine Genugtuung“

          Gündogan ist angekommen bei Manchester City, und das mit einem Tempo, das er sich selbst nicht unbedingt zugetraut hatte. „Ich staune schon auch“, sagt er, „wie schnell ich zurechtgekommen bin - in der Premier League, von der man sagt, dass sie sehr hart ist. Es gab ja auch nicht wenige Stimmen, die behauptet haben, dass sie für meine Spielweise nicht unbedingt das Beste ist. Dass es jetzt so läuft, ist schon auch eine kleine Genugtuung.“

          Auf Krücken war Gündogan im Juni in Manchester erschienen - Folge einer Knieverletzung, die er sich im Training von Borussia Dortmund beim Basketballspielen zugezogen hatte und derentwegen er auch die Europameisterschaft verpasste. Es waren bange Tage und Wochen für Gündogan, er hatte Sorge, dass sein Wechsel womöglich doch noch scheitern könnte. Doch ein Anruf von Guardiola beruhigte ihn. „Für mich ändert sich nichts“, habe der Coach ihm versichert.

          Mitte September dann gab Gündogan ein überzeugendes Debüt, beim 4:0-Hinspielsieg gegen Mönchengladbach. Nur ein paar Tage später, beim 4:0 gegen Bournemouth, stand er zum ersten Mal für City in der Torschützenliste.

          Am Ziel seiner Wünsche

          Gündogan macht einen äußerst aufgeräumten Eindruck, wenn er über seinen Karriereschritt spricht. Er wirkt wie jemand, der unabhängig vom Ertrag der vier Spielzeiten, die sein Vertrag läuft, jetzt schon am Ziel seiner Wünsche ist. „Mir hat dieser Wechsel definitiv gutgetan, mal einen kompletten Cut zu machen und ganz neu anzufangen“, sagt der Sechsundzwanzigjährige, der nach fünf Jahren bei Borussia Dortmund etwas anderes wollte.

          Nicht nur um der Abwechslung selbst willen, er wollte zu Guardiola, zu einem Trainer, der ihn schon in den Bann gezogen hatte, als der noch in Barcelona arbeitete. Und Guardiola wollte Gündogan. Das war bereits zu dessen Münchner Zeiten so. In Manchester war Gündogan gleich Guardiolas erster Neuer - und womöglich der wertvollste, selbst wenn John Stones, ein Verteidiger, und Gündogans Nationalmannschaftskollege Leroy Sané jeweils ungefähr doppelt so teuer waren.

          Tugenden für Guardiolas Ballbesitzfußball

          Guardiola will schließlich auch in Manchester seine Philosophie mit Leben füllen. In der vergangenen Saison, unter Manuel Pellegrini, pflegte City noch ein wuchtiges, zugleich etwas ungeschliffenes Angriffsspiel. Gündogan nun, der drahtiger und zugleich austrainierter wirkt denn je, verkörpert jene Tugenden, die Guardiola für seinen gepflegten Ballbesitzfußball braucht: eine Mischung aus Dynamik, Intelligenz und Feingefühl. Auf Sicht - wenn er gesund bleibt - besitzt Gündogan das Zeug, Kraftwerk und Kreativhirn der Citizens zugleich zu sein.

          Im Mittelfeld, das mit Kevin De Bruyne, David Silva, Fernandinho und ihm exquisit besetzt ist, nimmt Gündogan bei Guardiola eine offensivere Rolle ein, als er das aus Dortmund gewohnt war. Die Verbindung passt - nicht nur der leicht verschobenen Koordinaten wegen. „Er ist zwar extrem fordernd und erwartet ungeheuer viel, aber ich wollte das unbedingt, dieses neue Erlebnis mit ihm“, sagt Gündogan über Guardiola, der in München derzeit ja durchaus ein wenig vermisst zu werden scheint. Umgekehrt ist auch Guardiola voll des Lobes über Gündogans erste Arbeitsproben. „Wir brauchen ihn“, sagte er kürzlich, nachdem Gündogan beim 4:0 gegen West Brom seine Premier-League-Tore zwei und drei erzielt hatte. „Ohne ihn können wir unsere Ziele nicht erreichen.“

          Am vergangenen Wochenende allerdings ging es auch mal ohne Gündogan. Beim 2:1 bei Crystal Palace stand er nicht einmal im Kader, die beiden Tore schoss Yaya Touré, mit dem Guardiola lange im Clinch lag und als dessen (besserer) Erbe Gündogan in Manchester gilt. Zurückgestuft musste der sich deswegen aber nicht fühlen. „Er war so müde“, sagte Guardiola unter Hinweis auf die Belastungen bei der Nationalmannschaft, für die Gündogan zwei Mal die vollen 90 Minuten gespielt hatte. Wertschätzung bedeutet eben auch, seine Kostbarkeiten pfleglich zu behandeln.

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