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Champions League : Hoffenheim will nicht nur die Hymne hören

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Der große Wurf? Julian Nagelsmann vor dem Champions-League-Debüt der TSG Hoffenheim. Bild: AP

2350 Kilometer von der Heimat entfernt gibt die TSG Hoffenheim ihre Premiere in der Fußball-Königsklasse. Die Kraichgauer erwartet mit Schachtjor Donezk ein international erfahrener Klub.

          Lächelnd erfüllte Julian Nagelsmann die Selfie-Wünsche einiger weniger Fans bei der Ankunft der TSG Hoffenheim in der Ukraine. Voller Vorfreude ist der jüngste Trainer der Königsklassen-Geschichte mit dem kleinsten Dorfverein am Dienstag zum Debüt in Charkiw gelandet. „Mein erstes Champions-League-Spiel ist natürlich historisch und schon eine schöne Sache“, sagte der 31-Jährige vor dem Auftakt der Gruppenspiele beim ukrainischen Meister und Tabellenführer Schachtjor Donezk grinsend. Aber er wisse genau, dass er sich dafür bei der Mannschaft zu bedanken habe.

          Im elften Bundesliga-Jahr schlagen die Kraichgauer ein neues Kapitel ihrer Club-Historie auf - und wollen dabei als Neuling ordentlich mitmischen. „Wir treten nicht an, um die Hymne zu hören. Wir wollen weiterkommen!“, verkündete Sportchef Alexander Rosen vor der Partie an diesem Mittwoch (18.55 Uhr/F.A.Z.-Liveticker und DAZN).

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          Den englischen Meister Manchester City mit Startrainer Pep Guardiola, den die TSG im ersten Heimspiel am 2. Oktober in Sinsheim erwartet, sieht Rosen als Topfavoriten an. Gegen Olympique Lyon und Donezk rechnet sich das Team aus dem 3200-Einwohner-Ort aber etwas aus. „Wir treten an, um zu gewinnen“, bekräftigte Rosen am Dienstag.

          Auf der Suche nach der Leichtigkeit

          Dabei helfen sollen die Erfahrungen aus der Vorsaison, als die TSG in der Europa League nur Gruppenletzter wurde und ausschied. „Wir möchten besser abschneiden als letztes Jahr, das ist unser großes Ziel“, sagte Kapitän Kevin Vogt. Rosen weiß allerdings um die Schwere der Aufgabe beim elfmaligen Champion und zwölfmaligen Pokalsieger der Ukraine: „Die haben 2001 das letzte Mal zuhause gegen eine deutsche Mannschaft verloren.“

          Nach zwei Pleiten in der Bundesliga sind die Hoffenheimer noch auf der Suche nach der Leichtigkeit, die sie im Vorjahr oft ausgezeichnet hatte. Zudem muss Nagelsmann sein Team wieder umbauen. Ihm fehlen die verletzten Benjamin Hübner, Lukas Rupp, Nadiem Amiri, Kasim Adams, Ermin Bicakcic und Dennis Geiger.

          Hoffen auf die Champions League: Bei Hoffenheim läuft es noch nicht rund

          Zudem verzichtet der Trainer auf die Neuzugänge Joshua Brenet und Ishak Belfodil - aus disziplinarischen Gründen. „Es waren keine weltbewegenden Dinge. Sie haben die Chance, ab Donnerstag wieder in den Kader zu rücken“, sagte Nagelsmann, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Dafür sind die zuletzt angeschlagenen Kevin Vogt und Florian Grillitsch sowie Kevin Akpoguma nach einem Augenhöhlenbruch und erstmals seit seiner Außenbandverletzung auch Nationalspieler Kerem Demirbay dabei.

          Ohne bunten Anzug

          Etwa 150 TSG-Fans haben den über 2000 Kilometer weiten Weg nach Charkiw angetreten. Der Respekt vor den Ukrainern, in deren Reihen zahlreiche Brasilianer stehen, ist groß. „Gegen Donezk haben sich schon viele Mannschaften schwergetan“, sagte Rosen. „Wir wissen, was das für eine besondere Herausforderung wird.“

          Auch in modischer Hinsicht: Der nicht uneitle Nagelsmann würde ja zur Feier des Tages gerne einen Anzug tragen, gab aber kürzlich zu bedenken, dass man darin so schwitze. Welche Kleidung er nun dabei habe? „Relativ viel. Die Absprache erfolgt noch im Trainer-Team“, erklärte der Trainer. So viel vorab: „Es wird kein bunter Anzug.“

          Mit der politischen Situation hat sich auch Nagelsmann befasst, „bewerten will ich sie nicht.“ Schachtjor spielt bereits die zweite Saison im EM-Stadion von Charkiw, nachdem der Heimclub Metalist pleite ging. Der Umzug fiel den Orange-Schwarzen nicht schwer, hatten sie doch in Lwiw seit dem unfreiwilligen Abschied aus ihrem Heimatstadion wegen des Kriegsausbruchs 2014 einen schweren Stand. Zu stark wurde ihr Verein und dessen Besitzer Rinat Achmetow mit den prorussischen Separatisten aus dem Donbass assoziiert.

          Die mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw lockte nicht nur mit einem leeren Stadion. Die räumliche Nähe zum heimatlichen Industrierevier Donbass - nur etwa 200 Kilometer entfernt befindet sich die Frontlinie - machte die Großstadt zur ersten Anlaufstelle für viele Flüchtlinge aus dem von Aufständischen kontrollierten Donezk. Der Rückhalt für die Mannschaft ist daher ungleich größer als in der Westukraine.

          Dennoch ist die Mannschaft nicht komplett nach Charkiw gezogen. Wohnsitz und Trainingsort bleiben in der Hauptstadt Kiew. Diese Bedingung stellten die brasilianischen Stars vor vier Jahren nach dem Ausbruch der Kämpfe. Damals drohten sie sogar mit ihrer Abreise. Denn die damalige Separatistenhochburg Slowjansk liegt gerade einmal 150 Kilometer von Charkiw entfernt.

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