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Champions-League-Finale : Flick ist der Gewinner des Fußballjahres

Erst im November übernahm Hansi Flick den FC Bayern als Cheftrainer. Bild: dpa

Nach dem Aus für Niko Kovac verstand es Hansi Flick, die Verhältnisse beim FC Bayern so zu ordnen, dass jetzt alles an seinem Platz ist. Er bringt dafür eine Tugend mit, die im Fußball-Business eher selten ist.

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          Der große Jupp Heynckes brauchte 34 Jahre Anlauf, um das erste Triple in der Vereinsgeschichte des FC Bayern zu erobern. Bei Hans-Dieter „Hansi“ Flick sind es gerade einmal 34 Spiele. An diesem Sonntag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, im ZDF, bei Sky und DAZN) kann er mit Nummer 35 als Cheftrainer einer Profimannschaft in die Geschichte eingehen. Doch unabhängig davon, wie das Finale in der Champions League gegen Paris Saint-Germain ausgeht: Als Gewinner des Jahres im deutschen Fußball steht der 55 Jahre alte Flick jetzt schon fest.

          Champions League
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Es hat auch mit der in die Länge gezogenen Corona-Saison zu tun: Aber es fällt schwer, sich überhaupt daran zu erinnern, dass die Mün chner noch mit einem anderen in diese Spielzeit gestartet waren: Niko Kovac. Nach der Trennung von Kovac im November hat es der zu Saisonbeginn als Assistent geholte Flick verstanden, die bayerischen Verhältnisse so zu ordnen, das alles wie selbstverständlich an seinem Platz ist – er selbst inklusive.

          Das ist eine reife Leistung, wenn man weiß, wie sich kleinere Unaufgeräumtheiten in diesem Geschäft – zumal beim Branchenführer – schnell zu einem größeren Chaos auswachsen können. Aber nicht nur fußballerisch, auch atmosphärisch ist derzeit der aufgeräumteste FC Bayern seit langem zu bestaunen.

          Das ist das Ergebnis einer Fähigkeit, wie man sie nicht unbedingt an den Akademien lernt. „Wertschätzung“, „Kommunikation“, „Klarheit“ – das sind zentrale Begriffe, wenn Flick über seine Arbeit redet. Anders als die anderen deutschen Trainer im Halbfinale, Julian Nagelsmann von RB Leipzig und Thomas Tuchel bei Paris, ist Flick auch kein Taktiktüftler, den Diskurs über Matchpläne und Systemwechsel findet er „manchmal ein bisschen übertrieben“.

          Was aber nicht zu verwechseln wäre mit einer altmodischen Herangehensweise oder gar Schlichtheit. Was sein Interesse für Innovationen und die Spielidee angeht – immer mutig und mit Tempo –, ist Flick absolut modern.

          Dazu bringt der gebürtige Heidelberger, der früher selbst für den FC Bayern die Schuhe schnürte, bevor er Trainer bei der TSG Hoffenheim, Ko-Trainer bei der Nationalmannschaft, Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund und Geschäftsführer in Hoffenheim wurde, eine Tugend mit, die in diesem Business eher selten ist: sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Die Spieler danken ihm seinen empathischen, einbindenden Stil, der generationenübergreifend funktioniert, mit vollem Einsatz. Das kann man einen höchst erwünschten Mitnahmeeffekt nennen.

          Flick selbst wäre wohl auch ohne den Job bei den Bayern nicht unglücklich geworden. Aber wenn die Gelegenheit schon kommt – warum nicht zugreifen? Was jetzt möglichst auch für den Henkelpokal gelten soll, den er 1987, nach dem mit den Bayern verlorenen Finale gegen Porto, nur aus sehnsüchtiger Ferne sah.

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