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Hakan Calhanoglu : „Ich musste ballern, ballern, ballern ...“

  • -Aktualisiert am

Nein. Ich will einfach der beste Freistoßschütze sein, und das möchte ich bestätigen. Ich will meine Quote mindestens halten, lieber noch verbessern. Und das ist möglich durch ständiges Üben.

Was haben Sie sich von David Beckham abgeschaut?

Von ihm habe ich das mit dem gestreckten Standbein. Eine andere Sache von ihm habe ich nicht übernommen. Er macht beim Schuss so eine Ausgleichsbewegung mit den Armen, die sind dann diagonal. Aber ich konzentriere mich auf die Füße, die sind wichtig. Er zirkelt ja auch sehr gerne. Juninho (brasilianischer Nationalspieler und Freistoßspezialist) schießt meistens gerade, der Ball flattert oft. Daraus habe ich so eine Mischung gemacht.

Gibt es im Fußball so etwas wie Freundschaft?

Man sagt ja normalerweise Mannschaftskollegen zu den Mitspielern. Aber in Leverkusen fühle ich, dass die Mitspieler zu Freunden werden. Wir unternehmen viel privat, wir fühlen uns als Gemeinschaft, als Einheit: auf dem Platz, in der Kabine und auch außerhalb. Wir reden auch darüber, wenn es nicht läuft.

Der schnelle Abschied von Heung-Min Son, der für 30 Millionen Ablöse zu Tottenham wechselte, ohne tschüs zu sagen, spricht gegen Ihre These. Sie sprachen damals von einer großen persönlichen Enttäuschung.

Dazu möchte ich nichts mehr sagen.

Es gibt viele Fußballstars in Deutschland, die türkischer Herkunft sind: Özil, Gündogan, die Altintops, jetzt Emre Can und Sie. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber es stimmt schon. Und die türkischen Fans sind stolz darauf, egal, ob wir wie Mesut und Ilkay für Deutschland spielen oder wie ich für die Türkei.

Wieso haben Sie sich für die türkische Nationalmannschaft entschieden?

Es war keine sportliche Entscheidung, ich habe auf mein Herz gehört. Ich bin in Deutschland geboren worden, betrachte aber auch die Türkei als mein Heimatland. Ich akzeptiere aber auch zu 100 Prozent, wenn sich jemand für Deutschland entscheidet. Das muss jeder mit sich selbst abmachen.

War der Fußball eine große Integrationshilfe für Sie?

Für mich und meine ganze Familie. Alle meine Onkels haben Fußball gespielt, wir sind fußballverrückt.

Und Sie leben den Traum als Profi, den alle hatten: Sind Sie für Ihre Familie der Hakan geblieben, oder werden Sie als Star verhätschelt und verehrt?

In unserer Familie ist alles so geblieben wie früher. Nur weil ich Profi bin, bekomme ich nicht alles vor die Füße getragen. Ich will das auch gar nicht. Ich leg mich nicht hin und sag: Mama, bring mal. Das ist nicht meine Art. Ich passe auf, dass ich bodenständig bleibe, und versuche, für meine Familie alles zu geben.

Ihr Freund Son wechselte für 30 Millionen Euro nach Tottenham, Sie waren Leverkusen über 14 Millionen Euro wert: Belastet Sie es, welche Mengen Geld im Fußball bewegt werden, oder beruhigt es?

Ich achte da nicht darauf. Für mich ist wichtig, dass ich einen Verein habe, bei dem ich mich wohl fühle.

Man könnte aber auf die Idee kommen, dass es schwer für einen 21 Jahre alten Profi wie Sie ist, hungrig zu bleiben, wenn man spätestens nach dem zweiten Vertrag ausgesorgt hat.

Ja, man kann so denken. Ich denke aber, dass ich immer einen neuen Level erreichen muss.

Was meinen Sie mit Level?

Als Spieler weiterkommen. Mehr Tore schießen, mehr Assists.

Stimmt es noch, dass Ihr Vater Ihr Konto kontrolliert, weil Sie mit den Summen nicht richtig zurechtkommen?

Das war früher vielleicht so. Jetzt bin ich alt genug, es selbst zu kontrollieren.

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