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Hakan Calhanoglu : „Ich musste ballern, ballern, ballern ...“

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Ich bin gerne für die Mannschaft da, ich laufe gerne für den Mitspieler hinterher, wenn er den Ball verloren hat, das war schon beim KSC und beim HSV so. So ist mein Charakter: Ich bin ehrgeizig, ich kämpfe gerne.

Ihre Schussstärke und Ihre Freistöße sind berühmt-berüchtigt. Wie haben Sie sich diese Fähigkeit zugelegt?

Das kam durch meinen Vater. Wir hatten in Mannheim diesen kleinen Platz, der eingezäunt war, den Käfigplatz. Zuerst stellte mein Vater mich ins Tor und schoss. Er merkte schnell, da geht nichts. Also ging er ins Tor, und ich musste ballern, ballern, mit rechts und links. Dann hatte ich bei Waldhof Mannheim den ehemaligen Profi Stefan Groß als Trainer, von ihm habe ich auch viel gelernt, vor allem die Fußhaltung. Aber auch, wie man sich als Mensch verhält.

Was meinen Sie damit?

Als ich ihn das erste Mal sah, habe ich „hallo“ gesagt, aber ihm nicht in die Augen geschaut. Er drückte ganz fest meine Hand und sagte, du musst mir in die Augen sehen dabei. Da dachte ich, Respekt. Ich bin ihm dankbar dafür, dass er mich auf und neben dem Platz weitergebildet hat.

Ist die richtige Fußhaltung Ihr Erfolgsgeheimnis bei den Freistößen? Und wie hält man den Fuß richtig beim Schuss?

Das kann man eigentlich nur mit Ball veranschaulichen. Die meisten Freistöße schieße ich mit dem Innenspann. Wenn ich meinen Fuß durchschwinge, schwinge ich richtig durch, ich stoppe nicht die Bewegung. Und das linke Bein, das Standbein, bleibt gerade, durchgestreckt.

Viele winkeln es ab, das ist auf vielen Fotos zu sehen.

Ja. Aber mit durchgedrücktem Standbein bewegt sich der Körper viel weniger, wenn der Schuss ausgeführt wird. Dadurch wird die Präzision der Bewegung höher und die Wahrscheinlichkeit, den Ball genau dort zu treffen, wo man ihn treffen will.

Schießen Sie mit links genauso gut wie mit rechts?

Wenn ich mir den Ball vorlege und er ein bisschen rollt, dann habe ich das Gefühl, dass ich mit links härter schießen kann als mit rechts. Wenn der Ball aber liegt, dann ist es mit rechts viel besser.

„Ich weiß, dass ich mit meinen Freistößen ein Spiel entscheiden kann“

Sie würden also einen Freistoß nicht freiwillig mit links schießen, weil die Schussposition das nahelegt?

Niemals. Ich habe genug Mannschaftskollegen, die mit links gut schießen können. Ich schieße Freistöße nur mit rechts.

Was geht bei Ihnen im Kopf vor, wenn Sie zum Freistoß schreiten?

Ich weiß, dass ich mit meinen Freistößen ein Spiel entscheiden kann. Also ist es das Wichtigste, hochkonzentriert und ruhig zu bleiben. Bei einer großen Distanz von 30, 35 Metern schieße ich natürlich mit Wucht, mit dem Vollspann. Dann versuche ich den Ball zum Flattern zu bringen, was die Sache für den Torwart erschwert. Um den Strafraum herum versuche ich den Ball immer mit dem Innenspann über die Mauer zu zirkeln.

Wie bringt man den Ball zum Flattern? Oder ist das Zufall?

Das ist Ballgefühl. So wie Sie Ihre Frau streicheln, streichele ich den Ball mit dem Fuß. (lacht)

Wie genau können Sie schießen? Üben Sie Zielschießen?

Ich übe Freistöße, aber nicht Zielschießen. Mindestens dreimal die Woche, 10 oder 20 von rechts und von links. Unser Co-Trainer Daniel Niedzkowski nimmt die Freistöße oft auf, und dann analysieren wir hinterher: Körperhaltung, Fußhaltung, Balltreffpunkt. Es geht um Kleinigkeiten, um das Verfeinern.

Elf Freistoßtore in 68 Bundesligaspielen, diese Quote von sechs Begegnungen für ein Freistoßtor ist unerreicht. Nur der frühere Bremer Diego erzielte mehr Freistoßtore als Sie, benötigte allerdings 163 Spiele für seine 13 Treffer. Gibt es einen Fluch der guten Tat? Fühlen Sie sich unter Druck, treffen zu müssen, weil es schon alle erwarten?

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