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Borussia Dortmund außer sich : „Für Nächte wie diese lebt man“

„Das hat uns Körner gekostet“

Der frühere BVB-Coach, der erstmals an jenen Arbeitsplatz zurückgekehrt war, von dem er sich 2017 im Dissens verabschiedet hatte, analysierte zurecht, dass Haaland seine Tore just in jener Phase des Spiels erzielte, in der Paris nach einer ersten Halbzeit ohne wirklich gelungenen Offensivaktionen besser ins Spiel gekommen war.

Endlich fanden Neymar und Mbappé einander und erzeugten Gefahr. Doch zugleich musste die Pariser Defensive der ermüdenden Verteidigungsarbeit Tribut zollen. Aufgrund leichtfertiger Ballverluste vor allem durch Fehler Neymars war PSG immer wieder gezwungen, im Mannschaftsverbund 50 bis 60 Meter im Vollsprint in Richtung des eigenen Tores zu eilen. „Das Timing im Passspiel war nicht gut genug. Durch die Ballverluste wurde es ein sehr physisches Spiel, das uns Körner gekostet hat.“ In der Folge entstanden Räume, die die Borussia zu nutzen verstand.

Tuchel erklärte die Mängel bei seinem Team zum einen mit fehlendem Spielrhythmus beim zuletzt zwei Wochen nicht einsatzfähigen Neymar, zum anderen durch die Vielzahl an Spielen in den ersten sechs Wochen des Jahres. „Wir haben doppelt so viele Spiele gehabt bisher wie Dortmund“, sagte Tuchel. Die Erklärung mutete merkwürdig an. Denn Tuchel verschwieg dabei, dass seine in Frankreich so überlegene Mannschaft immer mal wieder die Chance hat, Spieler im Ligaalltag zu schonen. Am Freitagabend erst hatte Tuchel seine besten Spieler um Mbappé zuhause gelassen, während ein Ensemble an Reservisten in Amiens 4:4 gespielt hatte.

In Bestbesetzung litt PSG nun vor allem unter dem ungewohnt fehlerhaften Passspiel des bei nahezu jedem Ballkontakt wegen seiner Theatralik nach selbst harmlosesten Fouls gnadenlos ausgepfiffenen Spielmacher Neymar. Die erhoffte Dominanz bezüglich Ballbesitzzeiten blieb deshalb nur ein Wunschtraum. So ist für Tuchel erst einmal mentale Aufbauarbeit angesagt. Wie schon in den vergangenen drei Jahren droht der aus dem Emirat Qatar so großzügig alimentierte und entsprechend ambitionierte Klub bereits im Achtelfinale der Champions League zu scheitern.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erinnerte die Gegner am späten Dienstagabend nach Schlusspfiff sehr gerne daran. „Sie haben nun ein Déja-vu. Für sie bricht eine Welt zusammen, wenn sie wieder ausscheiden“, sagte der starke Mann bei den Dortmundern. „Psychologisch sind wir deshalb ein bisschen im Vorteil.“

Das trifft ganz sicher auf Haaland zu, der nach seinen acht Treffern für Salzburg in sechs Vorrundenspielen vor seinem Wechsel zum BVB nun nach sieben Spielen zehn Treffer und somit eine selbst von Cristiano Ronaldo oder Messi nicht erreichte Marke zu jenem frühen Zeitpunkt einer Königsklassenkarriere vorweisen kann. „Jetzt müssen wir weitermachen, weiterarbeiten“, sagte er, ehe er dann doch auch noch ein begeisterndes Wort für den Abend fand: „Für Nächte wie diese lebt man.“ Das Lernen kann man dann ja auch am nächsten Tag angehen.

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