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Manchester City droht Aus : Die Kritik an Guardiola wird immer lauter

„Ich muss gewinnen“: Pep Guardiola nimmt allen Druck auf sich. Bild: Reuters

Wieder droht Manchester City das Aus in der Champions League. Sogar eigene Spieler üben Kritik an Pep Guardiola. Der Trainer reagiert vor dem Rückspiel gegen Tottenham mit Sarkasmus – und einer Provokation.

  • Aktualisiert am

          Im Viertelfinale der Champions League steht die Woche der Entscheidung an. Der frühere Bayern-Trainer Pep Guardiola peilt mit Manchester City in dieser Saison vier Titel an. In der Königsklasse muss sein Team dafür im englischen Duell gegen Tottenham Hotspur einen Rückstand aufholen. 135 Mal trafen Man City und die Spurs schon aufeinander, die Bilanz ist nahezu ausgeglichen. 53 Mal gewann Manchester, 31 Spiele endeten unentschieden, 52 Mal siegte Tottenham – zuletzt im Hinspiel vor einer Woche mit 1:0. Stürmerstar Harry Kane musste dabei verletzt ausgewechselt werden und fehlt im Rückspiel. Heung-Min Son ließ die Spurs jubeln, nachdem Keeper Hugo Lloris zuvor einen Strafstoß von City-Stürmer Sergio Agüero pariert hatte.

          Vor dem Rückspiel provozierte Pep Guardiola die Fans. „Auswärts ist die Atmosphäre immer wirklich unglaublich. Das brauchen wir auch. Ich will morgen sehen, ob die Fans auch ins Halbfinale wollen“, sagte er. Der Erwartungsdruck ist hoch. Darauf angesprochen wurde Guardiola sarkastisch. „Ich muss gewinnen“, sagte er. „Der Vorsitzende hat gesagt, ich muss die Champions League dreimal hintereinander gewinnen.“ Auch wenn das nicht ernst gemeint war – ein vorzeitiges Aus wäre eine riesige Enttäuschung für Manchester City.

          Guardiola, sagt Kevin De Bruyne, sei „ein Meister der Taktik, da gibt es keinen Zweifel“. Und doch sei sein Lehrer immer „so gestresst, die ganze Zeit“. Der Teammanager von Manchester City mache sich „doppelt so viel Druck“ wie seine Schüler, schreibt De Bruyne in einem Beitrag für The Players“ Tribune, „weil er nicht nur am Gewinnen interessiert ist. Er will Perfektion“. Und dieses Streben droht Guardiola jetzt – mal wieder – zum Verhängnis zu werden.

          Die größte Stärke ist zugleich seine Schwäche

          Dass City am Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) mit einer 0:1-Hypothek ins Viertelfinal-Rückspiel gegen Tottenham geht, da sind sich die Experten auf der Insel einig, ist Peps Schuld. „Er denkt zu viel nach“, lautete das einhellige Urteil nach dem Hinspiel, befeuert von der Kritik von Ilkay Gündogan. „Wir versuchen, das Besondere zu machen, dabei ist weniger manchmal mehr“, hatte der Nationalspieler geschimpft. Spiele wie jenes in London seien Citys „Schicksal“.

          Und das Schicksal des vor allem in der Königsklasse bisweilen zu verkopften Guardiola. „Er bekommt langsam den Ruf, bei seiner Champions-League-Strategie zu viel zu grübeln“, schrieb die BBC über dessen seltsame Aufstellung ohne De Bruyne und Leroy Sane. Der Telegraph urteilte: „Es scheint, als suche Guardiola noch nach seiner Europa-Formel.“ Und der Guardian sieht ein Muster darin, dass „eine seiner größten Stärken, Spiele bis ins kleinste Detail vorzubereiten, sich zur Ursache für sein Scheitern verkehrt“.

          Beispiele dafür gibt es in Guardiolas ruhmreicher Trainerkarriere zuhauf. Etwa das Halbfinal-Rückspiel 2014 mit Bayern München gegen Real Madrid (0:4), das -Hinspiel im Jahr darauf beim FC Barcelona (0:3) oder in der vergangenen Saison das Viertelfinale mit City gegen Jürgen Klopps FC Liverpool (0:3/1:2). Immer versuchte er das Besondere, wich von Bewährtem ab und wollte „zu schlau“ sein, wie die Daily Mail nach dem Duell mit Liverpool kritisierte.

          „Ein, zwei Konter, und sie töten dich“

          Und diesmal? „Ich stimme ihm nicht zu, absolut nicht“, sagte Guardiola über Gündogan. Mit seiner Art habe City in den vergangenen 20 Monaten 180 Punkte in der Liga geholt und liege aktuell auf Kurs für fünf Titel, betonte er. Doch der aus Sicht der Klubbesitzer wichtigste, jener in der Champions League, blieb bisher ein Traum.

          Guardiolas Anhänger halten der Kritik entgegen, diese speise sich aus dem typisch englischen „Anti-Intellektualismus“ (Independent), den schon Schriftsteller George Orwell festgestellt habe. De Bruyne gibt aber zu, dass der Lehrmeister seinen Schülern auch Ziele vorgebe, „die fast unerreichbar sind“. Wenn das City-Spiel jedoch laufe, wie von Guardiola angedacht, „fühlt es sich wie das Nirwana an“.

          Doch diesen Zustand völliger Ruhe hat Guardiola in der Königsklasse lange nicht mehr erreicht. Sein letzter Titel liegt acht Jahre zurück, sein letzter Auswärtssieg in Viertel- oder Halbfinale ebenso lang. „Erfolg um des Erfolges willen bedeutet mir nichts“, hat er mal gesagt – er will auf seine Art gewinnen. Auch jetzt gegen Tottenham. „Ein, zwei Konter, und sie töten dich“, sagt er über die Spurs, die auf WM-Torschützenkönig Harry Kane (Knöchel) verzichten müssen. Klingt fast so, als wolle er sich wieder was Besonderes einfallen lassen.

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