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Borussia Mönchengladbach : „Wir müssen auch mal den Schiedsrichter bearbeiten“

  • Aktualisiert am

Da hilft auch das kollektive Reklamieren nichts: Gladbach geht in Sevilla unter. Bild: AFP

Drei Elfmeter in 19 Minuten: Gladbach schimpft nach dem 0:3 beim FC Sevilla zum Champions-League-Start auch auf den Schiedsrichter. Dabei macht die Borussia selbst genug Fehler.

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          Ein Erfolgserlebnis hatten die Gladbacher bei der bitteren 0:3-Auftaktniederlage in der Champions League beim FC Sevilla doch noch: Nach einem Konter schob Thorgan Hazard in der 54. Minute den Ball ins leere Tor der Spanier. Doch der Treffer zählte nicht, schließlich hatte Kollege Raffael zuvor einen verunglückten Schuss neben den Kasten gesetzt, von der Bande war der Ball zurück ins Spielfeld geprallt, und Hazard hatte ihn – sichtlich frustriert – eingeschoben. Natürlich wurde die Partie mit Abstoß für Sevilla fortgesetzt. Die Szene aber zeigte noch einmal deutlich: Es war kein guter Abend für die Borussia.

          Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit hatten nicht nur bei Hazard für mächtig Verdruss gesorgt. Keine 30 Sekunden waren gespielt, da kam Vitolo im Duell mit Gladbachs Yann Sommer zu Fall (47. Minute). Eine knifflige Szene. Der Torwart traf nicht den Ball, der Spanier hob ab – und Schiedsrichter Pavel Kralovec entschied auf Strafstoß. Kevin Gameiro verwandelte sicher. Trainer Lucien Favre echauffierte sich nach der Partie: „Vitolo ist der beste Schauspieler der Welt.“

          Auch seine Spieler waren auf 180. „Da stehen mittlerweile 700 Schiedsrichter draußen, aber uns war allen klar, dass der erste Elfmeter nach 30 Sekunden in der zweiten Halbzeit nicht korrekt war“, befand Kapitän Tony Jantschke. „Der Schiedsrichter hat schlecht entschieden“, sagte Keeper Sommer. „Was soll ich in dieser Situation machen?“ „Wenn du drei Elfmeter gegen dich bekommst, kannst du in Sevilla nicht gewinnen. Im Moment wird alles knallhart bestraft“, sagte Jantschke. „Das ist im Moment eine bittere Phase für uns Verteidiger. Vier Jahre lang war die Abwehr unser Prunkstück.“

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          Keine drei Minuten nach dem ersten Elfmeter stand der Stürmer nach einem Foul von Roel Brouwers wieder an Vitolo schon wieder am Strafstoßpunkt. Diesmal vergab er mit einem Schuss an die Unterkante der Latte (50.). Doch es passte, dass auch der zweite Treffer für Sevilla aus elf Metern fiel. Jantschke hatte Gameiro nach einem Gewühl im Strafraum unbeholfen zu Fall gebracht. Nun verwandelte Ever Banega sicher (66.).

          Das dritte Gegentor durch den gerade eingewechselten Jewhen Konoplyanka machte aber die Gladbacher Misere nach vier Niederlagen in vier Bundesligaspielen am anschaulichsten. Eine kurz ausgeführte Ecke schoss der Ukrainer aus spitzem Winkel auf das Tor – und Sommer faustete den Ball ungelenk in den eigenen Kasten. Keine Frage: Die Gladbacher bemühten sich, doch mit naivem Abwehrverhalten brachten sie sich vor allem in der zweiten Halbzeit selbst in die Bredouille. Es warten schwere Wochen auf Trainer Favre und die Mannschaft.

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          Nach dem Elfmeter-Festival zum Champions-League-Auftakt in Sevilla stellte sich Offensivspieler Andre Hahn den Fragen.

          Drei Elfmeter gegen Borussia in 20 Minuten. Haben Sie das schon mal erlebt?

          Nein noch nie. Wir sind mit 0:0 in die Halbzeit gegangen und hatten eigentlich ein gutes Gefühl. Aber wenn dann zwei Elfmeter kurz nacheinander gegen uns gepfiffen werden, ist das schon sehr bitter.

          Zumindest der erste Strafstoß war umstritten. Wie haben Sie die Szene gesehen?

          Der erste Elfmeter war unberechtigt. Unser Torwart Yann Sommer hatte den Ball schon. Aber die Spanier wollten ja bereits in der ersten Halbzeit bei jeder Aktion im Strafraum einen Elfmeter. Das fehlt uns vielleicht, dass wir den Schiedsrichter auch mal bearbeiten.

          Ist das Rennen in der Champions League zumindest um den dritten Gruppenplatz schon gelaufen?

          Das war das erste Spiel. Wir müssen ganz ruhig bleiben. Sevilla spielt auch noch bei uns. Wenn wir aus unserem Tief herauskommen, müssen die erst mal in Mönchengladbach gewinnen.

          Die Mannschaft wollte sich Selbstvertrauen holen. Ist das wirklich gelungen?

          In der ersten Halbzeit haben wir die Null gehalten. Darauf können wir aufbauen. Wir standen recht kompakt und haben da nicht so viel zugelassen.

          Am Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) steht das Derby beim 1. FC Köln an. Was kann man da jetzt erwarten?

          Das ist ein ganz besonderes Spiel. Da müssen wir uns zerreißen und den Fans zeigen, dass wir unbedingt gewinnen wollen. Das werden wir auch tun.“

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          Unser Autor: Oliver Georgi

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