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Gladbach im Achtelfinale : „Ein emotionaler, toller, supergeiler Moment“

Freudentanz nach der Niederlage: Gladbacher Spieler jubeln über den Einzug ins Achtelfinale. Bild: Picture-Alliance

Die Borussia zahlt Lehrgeld und verliert bei Real Madrid. Dennoch ist der Jubel nach Abpfiff riesig. Denn Gladbach steht erstmals im Achtelfinale der Champions League. Dort wartet wieder ein ganz großer Name.

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          Es waren ein Smartphone und ein Tablet, die für Borussia Mönchengladbach am Mittwochabend auf einmal die Fußballwelt bedeuteten. Der Tross des Bundesligavereins stand bei kühlen Temperaturen im kleinen Estadio Alfredo Di Stéfano, unweit des großen Flughafens in Madrid, eng zusammen und schaute gebannt auf die Übertragung eines anderen Fußballspiels. Als das zu Ende war, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Gladbacher schrien, sprangen, rannten wie die Kinder durch das fast leere Trainingsstadion von Real Madrid, wo sie selbst kurz zuvor chancenlos mit 0:2 verloren hatten.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Doch das alles spielte plötzlich keine große Rolle mehr. Weil Inter Mailand und Schachtar Donezk sich fast 1200 Kilometer entfernt 0:0 trennten, zog die Borussia erstmals in ihrer Geschichte ins Achtelfinale der Champions League ein. Hinter Real Madrid, das mit zehn Punkten Erster noch wurde, entschied Gladbach (acht) das Fernduell mit den Ukrainern (ebenfalls acht) in der Abschlusstabelle für sich, weil die Elf vom Niederrhein die beiden Spiele gegen Donezk eindeutig gewonnen hatte (6:0 und 4:0). Schachtar steigt in die Europa League ab, Inter (sechs) ist als Gruppenletzter ganz ausgeschieden.

          „Wir sind unfassbar glücklich“, sagte Christoph Kramer bei Dazn. „Das sind wahnsinnige Emotionen, die aufkommen, wenn man im Prinzip nicht mehr viel hat außer die Hoffnung, dass das andere Spiel bei 0:0 bleibt.“ Er hockte mit den Kollegen vor dem Livestream aus Mailand. „Und dann gab es auch noch eine unfassbar lange Nachspielzeit. Es wurden vier Minuten angezeigt und ich dachte: ‚Oh, das ist aber lang!‘ Dann ging‘s doch acht Minuten. Da haben wir um Beistand gebetet“, beschrieb er die emotionale Ausnahmesituation um kurz vor 23.00 Uhr. „Es bricht einfach aus dir heraus. Es war ein sehr emotionaler, toller, supergeiler Moment, mit der Mannschaft nach Abpfiff. Solche Momente bleiben auch hängen.“

          Dabei war die Stimmung im Gladbacher Lager direkt nach Abpfiff wenige Minuten zuvor eindeutig schlecht. Beim Gruppenfinale hatten die Borussen ihre schlechteste Leistung der Vorrunde gezeigt. Nach zwei frühen Kopfballtoren durch Karim Benzema, jeweils nach Flanken von der rechten Seite (9. und 31. Minute), hätten sie weitere Gegentreffer kassieren können. Die Unterlegenheit war immens, einzig als Alassane Pléa auf das Madrider Tor zurannte, den Ball aber knapp vorbeischoss (24.), war einmal zu sehen, was die Elf von Marco Rose eigentlich auszeichnet. Mehr aber kam nicht in diesem Spiel.

          Dass seine Mannschaft an diesem frischen Abend im zugigen kleinen Stadion gegen einen großen Kontrahenten, der stark unter Druck stand, weit unterlegen war, wollte der Trainer nicht abstreiten. „Der Abend war lange sehr, sehr zäh – weil wir heute viel Lehrgeld gezahlt haben. Wir haben gegen ein starkes Real Madrid wenig auf den Platz bekommen. Wir haben sehr verdient verloren“, sagte Rose. Umso größer sei die Freude danach. Denn das sei der andere Teil der Wahrheit: „Wir stehen sehr verdient im Achtelfinale. Wir haben in dieser schwierigen Gruppe gegen jede Mannschaft gepunktet.“ Daheim gegen Real und in Mailand gab es je ein Remis.

          2015/16 bei der ersten Teilnahme in der Champions League schieden die Gladbach in einer Gruppe mit Manchester City, Juventus Turin und dem FC Sevilla als Letzter aus, eine Saison später reichte es in den Duellen mit dem FC Barcelona, wieder Manchester und Celtic Glasgow immerhin zu Platz drei und der Qualifikation für die Europa League. Nun also die nächste Steigerung und der Einzug in die K.o.-Runde der Königsklasse. In der Saison 1977/78 hatten die Borussen im Champions-League-Vorläufer Europapokal der Landesmeister zuletzt das Halbfinale erreicht. Lang, lang ist’s her.

          Nun werden sie sich steigern müssen im Vergleich zur mauen Vorstellung in Madrid, das war nach der Achterbahnfahrt der Gefühle jedem klar. Denn der Gegner im Achtelfinale, der an diesem Montag (12.00 Uhr) zugelost wird, hat definitiv ein hohes Niveau. In Frage kommen diese Ersten der anderen Gruppen: FC Liverpool, Manchester City, FC Chelsea, Juventus Turin und Paris St. Germain. „Jetzt freuen wir uns auf die Auslosung. Da kommen ein paar nette Namen. Wir haben erneut die Chance, uns auf dem Niveau zu bewiesen“, sagte Trainer Rose beim TV-Sender Sky, als sich die Lage etwas beruhigt hatte. „Am Ende sind wir froh, dass wir dabei sind.“

          Das ist auch Real Madrid, das durch die Vorrunde gestolpert war. Als es aber darauf ankam, zeigten die „Königlichen“ ihre Klasse gegen eingeschüchterte Gladbacher. „Real unter Druck, so wie sie heute performt haben, das ist ein Niveau, an dem wir uns heute die Zähne ausgebissen haben“, gab Rose zu. Sein Kollege Zinedine Zidane, der nach den teils schlimmen Leistungen unter Druck stand, war glücklich. „Heute haben wir ein gutes Spiel gemacht, vor allem defensiv, weil es eine Mannschaft ist, die dir bei den Kontern Schwierigkeiten bereiten kann, und wir haben es gut beherrscht“, sagte der Franzose.

          Das hatten sie in der Tat. Und vorne gelangen früh beruhigende Tore. „Was den Fußball angeht, war es spektakulär“, sagte Zidane, der 2016, 2017 und 2018 als Trainer von Real die Champions League gewonnen hatte. Bei einer Niederlage gegen Gladbach wären die Königlichen erstmals nach der Vorrunde ausgeschieden. „Sie wussten, was auf dem Spiel stand“, sagte Zidane über seine Spieler.

          Zu denen gehört Toni Kroos. „Wir haben hoch verdient und fast noch zu niedrig gewonnen“, sagte der deutsche Nationalspieler bei Dazn und lobte den Gegner. „Ich freue mich sehr, dass Gladbach den Achtelfinal-Einzug geschafft hat. Sie spielen guten Fußball und haben einen sehr guten Trainer.“ Was sie nun im Achtelfinale beweisen dürfen. Auf Schützenhilfe aus anderen Stadien dürfen sie dort aber nicht mehr hoffen. In der K.o.-Runde kann sich jeder nur noch selbst helfen.

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