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Dortmunds Dan-Axel Zagadou : Eine Schlüsselfigur für den BVB-Erfolg

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Derzeit sehr wichtig für den BVB: Verteidiger Dan-Axel Zagadou Bild: Picture-Alliance

Dan-Axel Zagadou ist aus der Borussia-Spektakeltruppe nicht mehr wegzudenken. Der facettenreiche Verteidiger spielt seit einiger Zeit wie befreit. Was steckt hinter dieser bemerkenswerten Entwicklung?

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          Als Dan-Axel Zagadou vor gut zwei Monaten in Brügge ins Flugzeug stieg, sah die schwarz-gelbe Welt noch vollkommen anders aus, grau und sorgenvoll. Mit viel Glück hatte der Revierklub einen rumpeligen 1:0-Sieg erkämpft, die Leistungen in der Bundesliga wurden zum Teil harsch kritisiert, und niemand interessierte sich für Zagadou, diesen Typen von der Auswechselbank. Doch die Fußballgeschichte schreitet bekanntlich mit rasender Geschwindigkeit voran, und so ist der junge Verteidiger in den Wochen vor dem Rückspiel gegen die Belgier an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z-Liveticker zur Champions League und bei Sky) zu einer Schlüsselfigur des Erfolges geworden.

          Champions League

          Die große Geschichte von der Verwandlung des Krisen-BVB aus der vorigen Saison in eine aufregende Spitzenmannschaft kann nicht ohne ein Kapitel über Dan-Axel Zagadou erzählt werden: Wenige Tage nach jenem Sieg von Brügge stand Zagadou beim 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg zum ersten Mal in der Startelf, es war der Abend, an dem die Dortmunder sich erstmals als blühende Spektakeltruppe präsentierten. Seither ist Zagadou nicht mehr aus dem Team wegzudenken. Nur einmal fehlte der 19 Jahre alte Linksfuß danach, prompt verlor der BVB 0:2 bei Atlético Madrid. Mit Zagadou ist Borussia Dortmund hingegen ungeschlagen, zehn von elf Partien wurden zum Teil glanzvoll gewonnen, „seit meinem ersten Spiel werde ich immer stärker“, sagt er in einem Interview mit dem Fernsehkanal seines Klubs.

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          Auch Trainer Lucien Favre spricht von einer „phantastischen Entwicklung“, des Verteidigers, „er antizipiert das Spiel, er hat viele Fortschritte gemacht, das ist ausgezeichnet“. Und die Anhänger sind gerade dabei, eine ganz besondere Verbindung zum Kapitän der französischen U-20-Nationalmannschaft aufzubauen. Die Macher des klugen Fanzines „schwatzgelb.de“ waren am vorigen Wochenende nach dem Sieg in Mainz derart hingerissen von der nahezu perfekten Darbietung Zagadous, dass sie auf der Rückfahrt ein kleines Liebesgedicht verfassten: „Ohne dich geht jeder Angriff rein / Ohne dich fahrn wir null Punkte ein / Ohne dich hat Bürki keine Ruh / Dan-Axel Zagadou“.

          Der schüchterne Teenager ist so ein Typ, den man tröstend in den Arm nehmen möchte, sobald ihm ein Fehler unterläuft, er hat noch etwas Kindliches. Sein 1,96 Meter großer Körper ist ohnehin immer etwas gebeugt, wenn er nun auch noch Kopf und Schultern hängen lässt, wirkt er traurig wie ein gutmütiger Comic-Superheld, der seine unglaublichen Kräfte für die richtige Sache einsetzen möchte, jedoch versehentlich das Gegenteil bewirkt. So wie beim 2:2 gegen Hertha BSC Berlin, als er in der Nachspielzeit nach einem merkwürdigen Zweikampf, den er eigentlich schon gewonnen hatte, Gegenspieler Davie Selke niederrang und einen Elfmeter verursachte, der zum 2:2-Endstand führte. Damals traute Zagadou sich kaum, in die Südtribüne zu laufen, wo er dann aber erst recht gefeiert wurde.


          Mittlerweile ist er selbstbewusster, auch, weil er dort hinten in der Viererkette mit ein paar Jungs zusammenspielt, mit denen er sich bestens versteht. Mit Linksverteidiger Achraf Hakimi, 20 Jahre, Manuel Akanji 23, Abdou Diallo, 22, und Zagadou besteht die Defensivreihe an manchen Tagen aus lauter sehr jungen Profis, die zwar sämtlich in Europa ausgebildet wurden, die aber Wurzeln in Afrika haben. Akanjis Vater ist Nigerianer, Diallos Familie kommt aus dem Senegal, Hakimi ist Marokkaner, und Zagadous Vorfahren stammen von der Elfenebeinküste. „Abdou spricht Französisch, ich spreche Französisch, Manu spricht Französisch, Achraf versteht es, „sagt Zagadou über die Kollegen, „wir haben viel Spaß zusammen und machen viel Unsinn, wir verstehen uns sehr gut.“ Auch diese menschliche Komponente ist ein Faktor, zumal Favre ebenfalls besser Französisch spricht als deutsch: „Das erleichtert mir das Training, die Spiele und auch alles andere. Ich verstehe gut, was der Trainer von mir verlangt“, erzählt Zagadou.

          Nach eineinhalb komplizierten Jahren hat er sich damit erstmals richtig befreit. Er verteidigt souverän und zuverlässig, seine wuchtigen Grätschen sehen oftmals riskant und gefährlich aus, sind aber stets so präzise, dass nicht einmal der Anschein eines Fouls entsteht. In der Luft ist der 90-Kilo-Koloss ohnehin kaum bezwingbar, und mit seinem feinen linken Fuß trägt er immer öfter zum kultivierten Aufbauspiel der Mannschaft bei. Zagadou hat also doch alles richtig gemacht, als er im Sommer 2017 aus der Jugendakademie von Paris St. Germain zum BVB kam. Damals beschäftigte er sich auch mit Angeboten von Manchester City und von RB Leipzig, aber er hat sich „ganz bewusst für den BVB entschieden, weil es diesem großen Klub immer wieder gelingt, junge Spieler ins Profiteam zu integrieren und sie auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln“, sagt er. Doch die Anfangszeit war nicht leicht.

          Bei seiner Ankunft stand noch sein ähnlich junger Landsmann Ousmane Dembélé beim BVB unter Vertrag, doch der streikte sich nach Barcelona, es folgte eine Zeit der Widrigkeiten. Unter Trainer Peter Bosz war Zagadou noch gelegentlich zum Einsatz gekommen, als Peter Stöger übernahm, spielte er praktisch keine Rolle mehr. Umwogt von der schlechten Stimmung und der sportlichen Misere riss im Frühjahr ein Muskelbündel. „Das war neu für mich, es war sehr hart so lange auszufallen“, erzählt er. Und als Favre sich vor Saisonbeginn auf ein bevorzugtes Innenverteidigerpaar mit dem teuren Neuzugang Diallo (kam für 28 Millionen Euro aus Mainz) und mit Akanji festgelegt hatte, galt Zagadou endgültig als Verlierer, zumal der erfahrene Ömer Toprak als erster Backup bereit stand. Erst eine Rot-Sperre gegen Diallo und eine Verletzung Topraks verhalfen ihm am fünften Spieltag zu seinem Startelf-Debüt unter Favre. Zehn Wochen später ist der BVB kaum noch vorstellbar ohne Dan-Axel Zagadou.

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