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Absurde Europapokal-Reisen : Der Fußball macht die Welle

  • -Aktualisiert am

„Heimspiel“ in Budapest: Leipzig trifft auf Liverpool in Ungarn. Bild: AFP

Die Europapokal-Spiele in dieser Woche sorgen für absurde Reisen mitten in der Corona-Pandemie. Den Vereinen kann man keinen Vorwurf machen, sie tun ja nichts Verbotenes. Aber was denkt eigentlich die Politik darüber?

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          Es ist gerade nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Das hat nichts damit zu tun, dass die Haare über die Monate doch etwas lang geworden sind, wenn man nicht zufällig Profi-Fußballspieler ist. Urlaub an Ostern, das wird wohl nichts, das ist angekommen, schließlich sind wir immer noch mitten in dieser zweiten Pandemie-Welle und fürchten die dritte. Also Kontakte vermeiden, wo es nur geht, auf unnötige Reisen verzichten, na klar, versteht sich von selbst. Und am Abend eben Fußball gucken.

          Champions League

          Da geht es diese Woche bunt durcheinander. Weil manche tatsächlich nicht so dürfen, wie sie wollen, weil andere nicht dahin kommen können, wo sie hinmüssten, und der Verband sagt: „Spielen müsst ihr aber trotzdem, egal wo, auch wenn ihr zu Hause nicht dürft, ansonsten gilt die Partie als verloren, auch wenn ihr nichts dafür könnt.“

          Also kommt es nun zu einer Welle, vorerst zu einer Reisewelle. Hoffen wir mal, dass die Bezeichnung so bleibt. Leipzig etwa spielt das Heimspiel gegen Liverpool in Budapest an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN), auch Mönchengladbach reist demnächst in die ungarische Hauptstadt, um dort gegen Manchester City zu spielen, weil jeder die englische Mutation fürchtet, nur die Ungarn nicht. Zumindest nicht offiziell.

          Und was wird aus den Rückspielen?

          In Norwegen ist das anders, da kommt niemand mehr rein, der nicht zwingend da hingehört. Also gab es schon die Rote Karte für den Wintersport: keine Skirennen, kein Langlauf, kein Biathlon, kein Skispringen mehr in Norwegen – und auch kein internationaler Fußball. Molde FK, der Zwischenrunden-Gegner der TSG Hoffenheim, hat sein „Heimspiel“ 2600 Kilometer südlicher in den spanischen Ort Villarreal verlegt. Klingt ein wenig absurd alles, geht aber noch besser. Gut zwei Stunden zuvor wird Villarreals spanischer Ligakonkurrent Real Sociedad San Sebastián den englischen Topklub Manchester United empfangen – allerdings im Stadion von Juventus Turin in Italien.

          Insgesamt wurden acht Partien in der Champions League und der Europa League aufgrund der jeweiligen nationalen Coronaschutz-Verordnungen ausgelagert. Die englischen Klubs erhielten wegen der aufkommenden Coronavirus-Mutation in Großbritannien keine Einreiseerlaubnis vom jeweiligen Gastgeberland – nur Leicester City darf wie geplant bei Slavia Prag antreten, weil das Team eine Ausnahmegenehmigung erhalten hat und nicht in die ansonsten vorgeschriebene fünftägige Quarantäne muss. Wie das alles bei den Rückspielen abläuft, ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

          Den Vereinen kann man keinen Vorwurf machen, sie tun ja nichts Verbotenes. Und von der Europäischen Fußball-Union wissen wir, dass sie derzeit keinen Grund sieht, von der ursprünglichen Planung einer Europameisterschaft im Frühsommer in zwölf Ländern abzusehen. Doch so mancher hat ein feines Gespür dafür, dass irgendwas nicht stimmt, wenn Benfica Lissabon zum Heimspiel gegen Arsenal in Rom antritt und das Rückspiel in Piräus stattfindet. Was denkt eigentlich die Politik darüber?

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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