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Champions League : RB Leipzig unter Zugzwang

  • -Aktualisiert am

Der Blick geht abwärts: Leipziger Verlierer Bild: dpa

Innerhalb von nur sieben Tagen ist die Großwetterlage für RB Leipzig gekippt. Gegen Paris steht das Team unter Druck – dabei sind die Erinnerungen an das jüngste Aufeinandertreffen noch frisch.

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          Wie ein Expresszug rauscht der Fußball gerade durch seine Wettbewerbe, was mitunter zu bizarren Veränderungen der Lage führen kann, wie RB Leipzig dieser Tage erleben muss. Vor einer Woche konnte sich die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann noch über einen perfekten Saisonstart freuen. Tabellenführer in der Bundesliga und der Champions-League-Gruppe H war sie.

          Champions League

          Es folgten die höchste Niederlage der jungen Vereinsgeschichte, ein 0:5 bei Manchester United, und ein 0:1 bei Borussia Mönchengladbach, woraus der Absturz auf Platz drei in der Liga resultierte. Zwei Spiele in Folge ohne eigenen Treffer hatte es unter Nagelsmanns Führung noch nie gegeben. Vor dem Gruppenspiel gegen Paris Saint-Germain an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions-League und bei DAZN) steht Leipzig bereits unter Zugzwang, eine Niederlage würde das angestrebte Weiterkommen in der Gruppenphase erheblich verkomplizieren.

          Sieben Tage langten, um anzudeuten, dass es für RB eine schwierige Zeit bis zur Weihnachtspause werden könnte. Überraschend kommt diese Erkenntnis nicht. Neben dem FC Bayern hatte Leipzig nach dem Finalturnier der Champions League im August die kürzeste Pause aller Bundesligaklubs. Zwischen dem Halbfinal-Aus gegen Paris (0:3) und dem Auftakt im DFB-Pokal gegen Nürnberg (3:0) lagen nur drei Wochen. Ihre Kraftreserven wiederaufladen konnten die Profis in dieser kurzen Zeit kaum.

          Zwar glückte der Start in allen Wettbewerben, aber die Personalsituation wurde zuletzt immer angespannter. In Mönchengladbach musste Trainer Nagelsmann Kevin Kampl aufstellen, obwohl der angeschlagen war. Amadou Haidara wurde nach zweiwöchiger häuslicher Quarantäne sofort eingesetzt. „Es sind viele Spiele, wir haben viele Verletzte“, sagt Nagelsmann, der mit seiner Mannschaft gerade sieben Begegnungen in 22 Tagen absolvieren muss. Da passt es gut, dass Nordi Mukiele gegen Paris wieder einsatzfähig sein könnte.

          Das jüngste Aufeinandertreffen mit den Franzosen ist auf Leipziger Seite noch in unguter Erinnerung. Beim 0:3 im Halbfinale der Champions League war RB chancenlos. Die Hoffnung, durch eine starke Kollektivleistung den personell hochüberlegenen Gegner überraschen zu können, wurde durch grobe individuelle Fehler zunichtegemacht. Als es am nötigsten war, funktionierte die Leipziger Pressing-Maschine nicht mehr. An den Finessen der Pariser Ausnahmefußballer Ángel Di María, Kylian Mbappé und Neymar zerschellte sie in ihre Einzelteile. Mbappé und Neymar werden dieses Mal genauso fehlen wie Julian Draxler. Die teuren Muskeln zwicken, aber auch ohne das Trio verfügt Paris über genügend Könner im Kader.

          Im August wurde der mannschaftlich geschlossene Zusammenbruch noch als Teil eines Lernprozesses eingeordnet, fehlte den Leipzigern doch jegliche Erfahrung auf dem allerhöchsten Niveau. In Manchester wiederholten sich die Geschehnisse von Lissabon jedoch. Nagelsmanns Spieler konnten im entscheidenden Moment ihr Potential nicht abrufen. Sinnbildlich für den Auftritt der Mannschaft stand Dayot Upamecano.

          Dem Abwehrchef, der sich in den vergangenen Monaten zu einem der begehrtesten Verteidiger Europas entwickelt hat, bekam die ganz große Bühne nicht. Der Franzose wirkte überdreht, in wichtigen Situationen wollte er zu viel und verlor dabei den Fokus auf seine Kernkompetenz: das Verteidigen. Umso stärker wird sich der Blick der Späher im Spiel gegen Paris auf ihn richten. Behält der 22-Jährige wenn es drauf ankommt die Nerven?

          Diese Frage gilt neben Upamecano auch für die meisten anderen Leipziger Spieler. Der Kader ist jung, von den für die Champions League gemeldeten Feldspielern sind nur Emil Forsberg, Marcel Halstenberg, Willi Orban und Kevin Kampl älter als 26 Jahre. Im vergangenen Jahr überstand RB zum ersten Mal die Gruppenphase, in der K.-o.-Runde machte sich die fehlende Erfahrung dann in den entscheidenden Momenten bemerkbar. Der angestrebte Lernprozess verläuft in dieser Saison unter erschwerten Bedingungen.

          Zeit zur Nachbetrachtung oder psychischen Verarbeitung der Spiele bleibt kaum. Alle drei Tage steht für RB ein Pflichtspiel an. Darunter leidet die Trainingsgestaltung, ein gezieltes Einstudieren ist bis zur Weihnachtspause bei diesem Pensum nicht möglich. Nagelsmann, dessen Trainingseinheiten unter normalen Bedingungen sehr fordernd sein können für Körper und Geist, muss die Übungsstunden derzeit fast ausschließlich für Regenerationszwecke verwenden. Positiv daran ist aus Leipziger Sicht nur, dass mit einem Sieg gegen Paris und am Samstag gegen Freiburg die sportlich angespannte Situation schon wieder ganz unproblematisch aussehen kann.

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