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Florentino Pérez : Jongleur der Millionen

  • -Aktualisiert am

Real Madrids Präsident Florentino Pérez Bild: dpa

Die Inszenierung von Florentino Pérez als selbstloser Retter des Fußballs wirkt unglaubwürdig – für ihn und Real Madrid zählen nur Titel.

          3 Min.

          Man kann Florentino Pérez viel vorwerfen, aber nicht Erfolglosigkeit. Als er 1999 Präsident von Real Madrid wurde, habe der Verein am Boden gelegen. Die Spielergehälter seien unregelmäßig ausgezahlt worden, erzählte er vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem spanischen Privatsender „Cadenaser“. Er habe mit einer Bürgschaft dafür gesorgt, dass sie ihr Geld bekommen hätten. Seither sind die Einnahmen des Vereins von 118 Millionen auf zuletzt 715 Millionen Euro gestiegen.

          Champions League

          Trotzdem sagt Pérez heute Sätze wie: „Wir müssen den Fußball retten“ oder „Die Kleinen gewinnen ein bisschen Geld, aber die Großen verlieren Geld.“ Real Madrid werde in diesem Jahr 600 Millionen Euro weniger einnehmen als im Vorjahr. So will der Jongleur der Millionen weiter um die europäische Super League werben. Der FC Barcelona und die italienischen Klubs seien weiter dabei, sagte er und widersprach Meldungen, wonach ihn außer dem FC Barcelona eigentlich alle Mitstreiter beim neuen Wettbewerb im Regen stehen gelassen haben.

          Pérez stellte die finanzielle Situation aller großen Klubs in Europa als außerordentlich prekär dar und ließ durchblicken, dass Real im Sommer kaum den Spielraum für so spektakuläre Verpflichtungen habe wie für Mbappé aus Paris oder Haaland aus Dortmund. Er widersprach zudem, mit der Super League, deren Vorsitzender er ist, würden die reichen Klubs die Einnahmen aus den TV-Übertragungen für sich behalten wollen. Der Fußball sei aber wie eine Pyramide. Wenn die Klubs oben kein Geld verdienten, dann riesele auch nichts an die unten weiter, so Pérez.

          Die Vorstellung von einer Vermögenspyramide, in der der Reichtum der Menschen an der Spitze Wohlstand für alle schaffe, wird allerdings immer stärker bezweifelt. Denn die an der Spitze der Pyramide reichten immer weniger nach unten weiter, so die Kritik. Und Pérez steht zweifellos ganz oben. Das Magazin „Forbes“ schätzt das persönliche Vermögen des Vorstandsvorsitzenden des Baukonzerns ACS auf umgerechnet 1,8 Milliarden Euro. Seine Inszenierung als selbstloser Retter des Fußballs wirkt da auch in Spanien für viele kaum glaubwürdig.

          Zumal die Frage stets ist, welche Zahlen man betrachtet. Pérez argumentiert stets mit den Zahlen der Pandemie – die aber ja nur vorübergehend sind. La Liga hat hingegen einen Vergleich der vergangenen fünf Spielzeiten davor vorgelegt. So sind in der Saison vor der Pandemie 2018/19 die TV- Einnahmen aller Teilnehmer der Champions League um 500 Millionen Euro auf mehr als 1,9 Milliarden Euro gestiegen. Demzufolge haben die spanischen Teilnehmer in dieser Saison 336 Millionen Euro aus den TV-Rechten der Champions League eingenommen, was eine Zunahme von mehr als einem Drittel im Vergleich zur Vorsaison bedeutet.

          Real Madrid ist in dieser Spielrunde zwar im Achtelfinale ausgeschieden, hat aber dennoch vier Millionen Euro mehr eingenommen als 2017/18, als die Mannschaft die Champions League gewann. Die spanische Liga nahm 2019/20 mehr als zwei Milliarden Euro aus den Übertragungsrechten ein, 300 Millionen Euro mehr als beim vorherigen TV-Vertrag. Laut La-Liga-Chef Javier Tebas ist das doppelt so viel wie die TV-Einnahmen der italienischen Liga.

          Vom Tod des Fußballs kann also auch in Spanien kaum die Rede sein, höchstens von einer Krise in Zeiten der Pandemie. Zumal gerade Pérez in den vergangenen Jahren vernünftig gewirtschaftet hat. Einer Aufstellung der Tageszeitung „El País“ zufolge hat Real Madrid in den vergangenen fünf Jahren lediglich 61 Millionen Euro mehr für Spielerkäufe ausgegeben, als der Klub aus Verkäufen eingenommen hat. Das ist die geringste Differenz zwischen Ein- und Verkäufen aller zwölf Klubs, die an der Super League teilnehmen wollten. Dafür hat Real Madrid zahlreiche junge Spieler aufgebaut, verteidigt Pérez seine Strategie, lieber in die Stars von morgen zu investieren als in die von heute.

          Der letzte Millioneneinkauf war Eden Hazard. Er kam vor zwei Jahren für 150 Millionen Euro vom FC Chelsea, dem Gegner im Halbfinale der Champions League an diesem Dienstag. Doch der Belgier ist oft verletzt und absolvierte in dieser Saison nur 15 Spiele. Beim 0:0 in der Liga gegen Betis Sevilla spielte er am Wochenende erstmals seit Januar wieder 13 Minuten lang. Mit Vázquez, Ramos und Mendy fehlen zudem drei Verteidiger schon länger verletzt, und weitere Spieler im Kader wirken schon lange nicht mehr fit. Darunter auch Toni Kroos, der in den zurückliegenden drei Liga-Spielen pausierte. Trainer Zinédine Zidane sagte in einem Interview, er wisse auch nicht, wie die Mannschaft die Saison zu Ende spielen könne. Noch ist sie im Rennen um die Titel der Liga und der Champions League dabei.

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