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Champions League : Und plötzlich flattern bei Schalke die Nerven

  • -Aktualisiert am

Bravourös gespielt, aber am Ende doch verloren: Mark Uth und seine Schalker. Bild: EPA

An einem faszinierenden Fußballabend liegen die Königsblauen gegen den großen Favoriten aus Manchester vorne und spielen in Überzahl. Dass es am Ende doch 2:3 steht, hat mehrere Gründe.

          3 Min.

          Es war ein Schalker Melodram mit allem, was zu einem intensiven, emotionalen Fußballspiel auf der großen Bühne Champions League gehört. Beste Abendunterhaltung also, die rund 54.000 Zuschauer in der Schalker Arena mal genossen, mal verfluchten, mal als unverhoffte Gunst und mal als schwer zu akzeptierende Strafe empfanden. Der große königsblaue Außenseiter schien den großen Favoriten Manchester City am Rand einer unverhofften Niederlage zu haben, da drehte sich dieses Duell voller Volten und Knalleffekte doch noch zugunsten der nach Bentalebs Elfmetertoren (38./45. Minute) 1:2 zurückliegenden Engländer. 

          Champions League

          Diese hatten nach 68 Minuten wegen der Gelb-Roten Karte für Otamendi noch ein weiteres Handikap zu kompensieren und setzten schließlich doch in Unterzahl mit zwei meisterhaften Aktionen die Schlusspointen. Zuerst durch den früheren Schalker Leroy Sané, der, in der 77. Minute unter dem Applaus vieler Zuschauer eingewechselt, mit einem schwerelos anmutenden Freistoß das 2:2 erzielte (85.), sodann durch Raheem Sterling, der Oczipka entwischte, auch noch zum 3:2-Siegtreffer (90.) kam und damit die Party des FC Schalke 04 crashte.

          Der Favorit hatte sich zuvor nach Agüeros Führungstor (18.), begünstigt durch ein zögerliches Risikoanspiel von Torhüter Ralf Fährmann auf Salif Sané, ein paar Blackouts geleistet, die so gar nicht zum Spitzenanspruch des englischen Meisters und Tabellenführers der Premier League passten. Er kam damit gehörig ins Gedränge, als der dafür verwarnte Otamendi einen Torschuss von Caligiuri mit dem Unterarm abwehrte und der spanische Schiedsrichter Del Cerro Grande mit Hilfe der im Achtelfinale erstmals eingesetzten Videoassistenten auf Strafstoß für Schalke entschied, nachdem der Spanier zunächst einen Eckstoß ausführen lassen wollte. Als dann auch noch Fernandinho den Schalker Innenverteidigerkollegen Sané im Strafraum umgerissen hatte, zeigte Del Cerro Grande noch einmal auf den Punkt. 

          Es waren Momentaufnahmen, die einiges darüber verrieten, dass auch eine der besten Klubmannschaften der Welt vor Augenblicken nicht gefeit ist, in denen ein Team von erlesener Klasse außer Rand und Band zu geraten droht. Und es sprach für Trainer Pep Guardiola, dass er nach Spielschluss keine der gravierenden Entscheidungen gegen sein Team anzweifelte. „Der erste Elfmeter war berechtigt, auch der zweite Strafstoß war einer, und die Gelb-Rote Karte war auch berechtigt“, sagte der katalanische Fußballlehrer, der froh darüber ist, dass der Videobeweis nun auch in der Champions League gilt. „Schließlich wollen wir alle einen fairen Fußball.“

          Verhaltener Jubel: Ausgerechnet der frühere Schalker Leroy Sané trifft zum zwischenzeitlichen 2:2. Bilderstrecke

          Was Guardiola weniger gefiel, war die leichtfertige Art und Weise, mit der seine Stars den bis zu den beiden Strafstößen deutlich unterlegenen Underdog „zurück ins Spiel holten. Es hätte, zumal nach der Gelb-Roten Karte, für uns vorbei sein können“, klagte Guardiola über die Nachlässigkeiten seiner Spieler. Die erlaubten sich kurz vor Schluss auch die Schalker – aus der Angst, den kostbaren Vorsprung noch verspielen zu können. „Gegen Ende hat die Frische im Kopf und die Cleverness in der einen oder anderen Situation gefehlt, um heute mehr rauszuholen“, verwies Trainer Domenico Tedesco auf die Defizite der über weite Strecken bravourös um ihre Minichance kämpfenden Schalker, die solange couragiert zu Werke gingen wie sie nichts zu verlieren hatten. Erst mit dem Guthaben des 2:1-Vorteils flatterten dem ein oder anderen Spieler – etwa Außenverteidiger Oczipka, der Sterlings Sololauf in letzter Minute nicht bremsen konnte – die Nerven.

          „Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt gut mitgehalten“, lautete das Resümee von Caligiuri, einem der besten Schalker, „wir müssen aber die eigenen Fehler vermeiden, dann gewinnen wir am Ende vielleicht 3:1.“ Den Mut, das Spiel in Überzahl kühl zu entscheiden, besaßen die lange mit dem Glück verbündeten Schalker in der Schlussphase nicht. Pech kam auch hinzu, da sich der beste Schalker Spieler an diesem Abend, der junge Amerikaner Weston McKennie, verletzte und nach 77 Minuten den Platz verlassen musste. „Wenn er auf dem Platz steht“, hob Tedesco hervor, „ist es für uns ein anderes Spiel.“ So aber fehlte der unermüdliche Balleroberer, als es darum ging, den Schlussattacken der Engländer mutig zu widerstehen.

          Dass dann auch noch der Schalker im Trikot der Skyblues zum späten Held des Abends aufstieg, passte zu diesem Abend mit dem dichten Spannungsbogen. „Dass Leroy den so reinhaut, hat uns sehr geschmerzt“, sagte Caligiuri, der den Geniestreich des deutschen Nationalspielers neidvoll anerkannte. Sané selbst, der es genoss, mal wieder in dem Stadion aufgetreten zu sein, in dem seine Karriere als Himmelsstürmer begann, konnte aus Respekt gegenüber den Schalker Fans „nicht so richtig jubeln“ über seinen Treffer, der Manchester City wiederbelebte.

          Sané und Guardiola, der dem FC Bayern zwischen 2013 und 2016 zu einem dominanten Ballbesitzfußball verhalf, hatten von vornherein gewusst, wie schwierig dieses Achtelfinalhinspiel auf Schalke sein würde. „Wir haben die Räume nicht gefunden“, beschrieb Sané die beengten Verhältnisse. Dank seines Befreiungsschlags und dem seines Kumpels Sterling kann der englische Champion dem Rückspiel am 12. März einigermaßen gelassen entgegensehen. Doch wer weiß: Vielleicht gibt es ja noch einmal einen ähnlich faszinierenden Wundertüten-Fußballabend wie am Mittwoch.

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