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Champions League in Istabul : Die kuriose Vorbereitung von Schalke 04

  • Aktualisiert am

Gelingt Weston McKennie und Schalke der zweite Sieg in dieser Champions-League-Saison? Bild: dpa

Die Königsblauen stecken in der Krise. In Istanbul soll davon nichts zu sehen sein. Doch Schalke hat einige Personalsorgen. Der Trainer setzt vor dem Duell mit Galatasaray auf eine ganz spezielle Maßnahme.

          Domenico Tedesco lässt nichts unversucht. Weil seine Spieler ein „Hexenkessel“ erwartete, simulierte der Trainer von Schalke 04 vor dem Champions-League-Spiel in Istanbul die hitzige Atmosphäre und enorme Lautstärke der Galatasaray-Fans – daheim in der Arena. Als Guido Burgstaller und Co. zum Training aufs Feld liefen, trauten sie ihren Ohren nicht. „Jeder hat gedacht, das Stadiondach würde aufgehen“, berichtete der österreichische Stürmer. Tedesco hatte aus Spielen des türkischen Meisters die Fangesänge und Anfeuerungsrufe herausgeschnitten und über die Arena-Lautsprecher einspielen lassen. „Es war ein bisschen unangenehm mit der Zeit“, gab Burgstaller nach der Ankunft in Istanbul vor dem Spiel an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) zu: „Aber jeder hat jetzt einen ersten Eindruck bekommen, wie es hier abgehen wird.“

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          Der eine oder andere mag solche Maßnahmen für Aktionismus halten – Fußball-Profis in der Bundesliga, die auch international spielen, sind laute Stadien schließlich gewöhnt. Doch die Gala-Atmosphäre vom Band zeigt: In der Krise versucht Tedesco alles, um den abgestürzten Vizemeister wieder in die Spur zu bringen. Allerdings: Egal, was der Trainer-Überflieger der vergangenen Saison versucht – es will nicht gelingen.

          Als er mit seinem Team aus der Sommerpause kam, versuchte er es mit verstärktem Ballbesitzfußball. Die Kritik, Schalke spiele nur gegen den Ball, aber nicht mit ihm, wollte der 33-Jährige widerlegen. Doch die Kombinationen stockten, die Gegner warteten auf Fehler – und der Vizemeister stolperte von Niederlage zu Niederlage. Tedesco stellte wieder auf das Defensivsystem der Vorsaison um, die Abwehr stabilisierte sich, doch der Fußball wurde unansehnlicher – und trotzdem nicht erfolgreicher. „Letztes Jahr haben wir die 50:50-Spiele gewonnen, aktuell verlieren wir sie“, klagte der Coach. Eigentore des Gegners in der Schlussphase, abgefälschte Schüsse oder missglückte Flanken, die den Weg ins Tor finden – was noch vor wenigen Monaten Siege bescherte, wiederholt sich nicht.

          Stattdessen ist Schalke mit uninspiriertem, langweiligem Fußball erschreckend harmlos, lässt die wenigen Chancen ungenutzt. Fünf Tore nach acht Bundesligaspielen – schlechter waren die Königsblauen zuletzt 1967. Die Kritik an Tedesco wird größer. Er orientiere sich zu sehr am Gegner, ohne für seine Mannschaft eine passende Spielweise zu entwickeln. Er überfordere mit seinen häufigen Systemwechseln während des Spiels seine Profis. Und er finde vor allem – außer mit langen Bällen aus der Abwehr heraus – kein Konzept für die Offensive.


          Nach sechs Niederlagen in den ersten acht Bundesligaspielen stellen aber auch die ersten Beobachter die Frage, ob Schalke in der Sommerpause richtig eingekauft hat. Ob Stürmer Mark Uth, die Mittelfeldspieler Sebastian Rudy und Omar Mascarell oder Verteidiger Salif Sane – alle Transfers, die sich am Ende auf fast 60 Millionen Euro Ablöse summierten, schienen Sinn zu machen. Doch das Hauptproblem lösten sie nicht: Nach dem ablösefreien Weggang von Leon Goretzka und Max Meyer klafft im Mittelfeld ein riesiges Loch. Vor allem die spielerische Klasse der beiden Leistungsträger kann niemand ersetzen. Nach dem ernüchternden 0:2 gegen Werder Bremen kritisierte Tedesco öffentlich seine Spieler, nannte das Aufbauspiel ungewohnt deutlich „schlampig“ und „mit technischen Fehlern drin“. Die Spieler trauten sich zu wenig zu. Doch egal, was er versucht – noch hat der den Weg aus der Krise nicht gefunden.

          In Istanbul fehlen zudem in Torhüter Ralf Fährmann (30 Jahre) und Abwehrchef Naldo (36) zwei Routiniers. Kapitän Fährmann, der durch den Europacup-Debütanten Alexander Nübel (22) ersetzt wird, hat 36 Europapokalspiele bestritten. Naldo, den Tedesco als „tragende Säule" bezeichnete, sogar schon 94. Fast alle übrigen Profis verfügen auf der internationalen Bühne über wenig oder gar keine Erfahrung, was sich als Nachteil in dem erwartet hitzigen Gefecht erweisen könnte. Tedesco bleibt zuversichtlich: "Wir haben noch erfahrene Profis im Kader und werden versuchen, die Ausfälle zu kompensieren.“

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