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Desaster in Manchester : Viele Fragen bei Schalke 07

Breel Embolo und Schalke 04 landeten sehr unsanft auf dem harten Boden der Tatsachen in Manchester. Bild: EPA

Beim 0:7 bei Manchester City kassieren die Königsblauen die höchste Niederlage einer deutschen Elf in der Geschichte der Champions League. Die Krise wird immer schlimmer. Deutliche Worte gibt es von Trainer Tedesco nach der Schmach.

          Immerhin eine Schmach blieb den Schalkern erspart. Sie stehen nicht in einer Reihe mit Malmö FF und Besiktas Istanbul, die jeweils mit 0:8 untergingen und damit die höchsten Niederlagen in der Geschichte der Champions League kassierten. Die Schweden bekamen acht Tore bei Real Madrid im Jahr 2015, die Türken schon 2007 beim FC Liverpool, beide in der Gruppenphase. Schalke indes erlebte das 0:7 bei Manchester City im Achtelfinale. Nach dem 2:3 in Gelsenkirchen in der ersten Partie brauchte es keine Rechenkünste, um den Gesamtsieger zu ermitteln. „Wir sind einfach sang- und klanglos ausgeschieden“, sagte Trainer Domenico Tedesco ohne Umschweife. „Es geht mir sehr schlecht.“

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Es war ein schwarzer Abend, den die Königsblauen im Nordwesten Englands erlebten und der in die derzeitige Krisenlage des Klubs passte. „Wir sind extrem enttäuscht über das Spiel und das Ergebnis“, sagte Tedesco. „Spaß hat es heute nur einer Mannschaft gemacht.“ Und die trug hellblaue Trikots. Sergio Aguero (35. und 38. Minute), Leroy Sané (42.), Raheem Sterling (56.), Bernardo Silva (71.), Phil Foden (78.) und Gabriel Jesus (84.) sorgten für das Schützenfest für die Auswahl von Pep Guardiola. „In der Situation von Domenico ist es nicht einfach. Ich wünsche ihm und Schalke alles Gute“, sagte der frühere Bayern-Coach, der Tedesco nach Abpfiff umarmte.

          Ob der 33 Jahre alte Trainer seinen Job behalten darf, ist nach der Demontage fraglicher denn je. Der neue Sportvorstand Jochen Schneider, der jüngst erst den Posten des zurückgetretenen Christian Heidel übernommen hatte, sagte dem TV-Sender Sky ein versprochenes Interview unter dem Eindruck des 0:7 kurzfristig ab und stand auch sonst nicht für Fragen der Journalisten in Manchester zur Verfügung. Nach der höchsten Niederlage einer deutschen Mannschaft in der Königsklasse musste sich Schneider, der auf Schalke erstmals in vorderster Reihe agiert, offenbar erst einmal sammeln. Am Tag nach dem Spiel schließlich äußerte sich Schneider: „Wir können nach dem Spiel nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir werden die nächsten Stunden nutzen, um das intern zu besprechen und werden uns morgen erklären.“

          Eine Garantie für Tedesco für das Leipzig-Spiel wollte er kurz vor dem Abflug nach Deutschland nicht geben: „Wo gibt es Garantien? Nicht mal die Deutsche Bank garantiert irgendwas.“ Er habe mit dem Coach bereits „in aller Ausführlichkeit über die Gesamtsituation gesprochen“.  Aus seiner Verärgerung über den schwachen Auftritt des Teams in Manchester machte Schneider keinen Hehl: „Es war ein unglaublich bitterer Abend für den ganzen Verein, ein bitterer Abend für die Fans. So darf man sich nicht präsentieren, egal wie stark der Gegner ist.“ Tedesco jedenfalls will von sich aus nicht hinschmeißen. „Ich habe keine Sekunde daran gedacht. Ich bin selbst jetzt stolz, Trainer von Schalke 04 zu sein. Grundsätzlich mache ich mir keine Gedanken über mich.“ Und weiter: „Wir geben jetzt nicht auf. Wenn wir jetzt nicht selbst an uns glauben, wer dann?“

          Eine gute Frage. Die Mannschaft machte nach einem guten Beginn in Manchester nach dem ersten, unglücklichen Gegentor nicht den Eindruck, als würde sie an sich geschweige denn eine Sensation und das Weiterkommen ins Viertelfinale glauben. Der Strafstoß, der zum 0:1 führte, war eine harte Entscheidung des französischen Unparteiischen Clément Turpin. Neuzugang Jeffrey Bruma hatte seinen Gegenspieler mit dem Arm geblockt. „Wir haben einen Elfmeter bekommen, den man geben kann, aber nicht geben muss“, sagte Tedesco. „Anschließend sind wir zusammengesackt. Da habe ich den größten Spannungsabfall erlebt, seit ich Trainer bin. Wir haben Fehler gemacht, die wir nicht machen dürfen gegen Manchester City.“

          Die nutzte auch ein früherer Schalker aus: Leroy Sané war an vier der sieben Treffer beteiligt. Einen erzielte er selbst, drei bereitete er vor, nachdem er schon im Hinspiel mit einem sensationellen Freistoß seinem alten Verein wehgetan hatte. „Wir wissen natürlich, wie die Situation derzeit bei Schalke ist“, sagte der deutsche Nationalspieler, der nach dem Schlusspfiff die alten Bekannten nach und nach tröstete. „Da ist es immer schwer, nach einem Gegentor weiter hart zu kämpfen.“ Von Kampf war tatsächlich am Ende nichts mehr zu sehen. Schalke ergab sich seinem Schicksal und konnte froh sein, dass dank des Videobeweises ein weiteres Tor von Sané nicht anerkannt wurde.

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          Die Zeit drängt nun in Gelsenkirchen. Schon am Samstag steht das Bundesliga-Heimspiel gegen RB Leipzig auf dem Spielplan. Die Lage ist prekär. Der Vorsprung auf den VfB Stuttgart und somit Rang 16, der in die Relegation gegen den Zweitligadritten führt, beträgt nur vier Punkte. Und Schalke macht nicht den Eindruck, als kämen in den nächsten Wochen durch Siege scharenweise Punkte hinzu. „Wir müssen uns wieder aufrappeln“, sagte Tedesco. „Wir müssen das Spiel extrem schnell abhaken, am besten heute noch. Es macht keinen Sinn, lange über das Spiel zu grübeln.“ Er sagte, dass das Geschehen auf dem Rasen „ab einem gewissen Zeitpunkt extrem wehgetan hat“.

          Ähnlich sah es auch Guido Burgstaller, einer der wenigen Spieler, die sich stellten. „Wir müssen das Spiel jetzt abhaken und so schnell wie möglich vergessen“, sagte der österreichische Stürmer. Wenn es doch nur so einfach wäre. Die frustrierten Fans, immerhin gut 3000 waren mitgereist, werden das wohl kaum so einfach schaffen. Womöglich bekommt Tedesco aufgrund der Kürze der Zeit noch eine Chance gegen Leipzig. Danach folgt eine zweiwöchige Pause wegen der bevorstehenden Länderspiele. Ende März geht es dann zu Hannover 96, einem Klub, der noch schlimmer im Schlamassel steckt als Schalke.

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