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0:0 in Champions League : Warum Liverpool die Bayern nicht knacken konnte

  • -Aktualisiert am

Mohamed Salah und seine Sturmkollegen trafen das Tor gegen die Bayern nicht. Bild: EPA

Das gefürchtete Sturmtrio Salah, Mané und Firmino trifft gegen die Münchner nicht. Trainer Klopp macht schnell aus, woran das liegt – und entdeckt einen womöglich entscheidenden Vorteil fürs Rückspiel.

          Das 0:0 im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals zwischen dem FC Liverpool und dem FC Bayern ist aus zwei Gründen überraschend: Erstens, weil Liverpool mit seiner behelfsmäßig zusammengeschusterten Innenverteidigung kein Gegentor zugelassen hat, und zweitens, weil das so sehr gefürchtete Sturm-Trio der „Reds“ auf der anderen Seite ebenfalls kein Tor erzielt hat. Damit war vorher nicht wirklich zu rechnen gewesen. Denn in der K.o.-Phase der vorigen Champions-League-Saison hatte Liverpool im heimischen Anfield Stadium zuerst Manchester City im Viertelfinale 3:0 besiegt und später die AS Roma im Halbfinale mit 5:2 mitleidlos an die Wand gespielt. An diese mitreißenden Europapokal-Nächte erinnerte am Dienstagabend wenig bis gar nichts.

          Jürgen Klopp kann zufrieden sein, dass seine Innenverteidiger es geschafft haben, Bayerns Star-Angreifer Robert Lewandowski zu kontrollieren. Abwehrchef Virgil van Dijk fehlte wegen einer Gelbsperre, sein bevorzugter Partner im Abwehrzentrum, Joe Gomez, fällt wegen eines Beinbruchs länger aus. Auch Dejan Lovren, Nummer drei in der Hackordnung, stand nicht zur Verfügung.

          So bildeten Joel Matip und Fabinho den letzten Riegel vor Torwart Alisson – und sie machten ihre Sache gut. Matip hatte schon in den vier vorangegangenen Ligaspielen nach seinem Schlüsselbeinbruch gespielt; Fabinho, im Sommer für 45 Millionen Euro aus Monaco geholt und eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, entwickelt sich unter Klopp immer mehr zur Allzweckwaffe, nachdem er zu Beginn der Saison vor allem auf der Bank gesessen hatte.

          Auch Kapitän Jordan Henderson leistete einen wertvollem Beitrag in der Defensive. Klopp hatte im Vorfeld des Spiels von seiner Mannschaft gefordert, als Kollektiv zu verteidigen – und Henderson verkörperte diesen Wunsch wie kein Zweiter. So hatten die Bayern keine echte eigene Torchance; am gefährlichsten wurde es für Liverpool, als Matip früh im Spiel eine scharfe Hereingabe unabsichtlich auf das eigene Tor lenkte, wo Alisson jedoch genau richtig stand, um den Ball abzublocken. Bayerns Sturmspitze Lewandowski kam dagegen gerade auf 34 Ballkontakte – davon drei im Liverpooler Strafraum –, weniger als alle anderen Spieler, die von Beginn an auf dem Feld standen. Oft, das muss man dazu sagen, wurde er jedoch auch ziemlich allein gelassen.

          Auf der anderen Seite machten auch die zuletzt gescholtenen Verteidiger der Münchener ein starkes Spiel. Joshua Kimmich, Niklas Süle, Mats Hummels und David Alaba schafften, was nicht vielen gelingt: Sie nahmen die Liverpooler Angreifer Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah weitestgehend aus dem Spiel. Das Trio erarbeitete sich zwar Chancen, mehr jedenfalls als auf der anderen Seite die Bayern, aber so richtig gefährlich wurde es auch für Manuel Neuer selten.

          Vom Anpfiff weg bauten sie Druck auf, zu Beginn liefen sie selbst Neuer an, wenn der den Ball am Fuß hatte. Aber die Gäste waren taktisch gut vorbereitet und ließen nicht zu, dass Liverpool den immensen Druck aufbauen konnte, unter dem Manchester City und die Roma vor einem Jahr so verheerend zerbröselt waren. Allein Mané vergab eine Reihe guter Chancen, die beste davon kurz vor Schluss, als Neuer seinen eigentlich gut plazierten Kopfball nach einer Flanke von Andrew Robertson mit einem schnellen Reflex um den Pfosten lenkte. Wenig später war Schluss.

          Klopp sagte nach dem Spiel dem übertragenden Sender „BT Sport“: „Wir haben uns heute das Leben schwer gemacht mit dem letzten Pass – so sind zehn, zwölf vielversprechende Situationen versandet. Wir können besser spielen, und wir sollten besser spielen.“ Es zeigte sich, dass Liverpool insgesamt zu abhängig ist von seinem Sturm-Trio. Die drei Angreifer haben in dieser Saison zusammen 38 der insgesamt 59 Liverpooler Tore in der Premier League geschossen; 15 der letzten 16 Ligatreffer gehen auf ihr Konto.

          Von den Spielern dahinter kommt dagegen meist zu wenig Torgefahr. Im Bayern-Spiel waren das wie zuvor beim 3:0 in der Liga gegen Bournemouth Georginio Wijnaldum und Naby Keita – der ehemalige Leipziger wurde eine Viertelstunde vor dem Spielende für James Milner ausgewechselt. „Die Abwehr war gut. Viele Dinge waren wirklich gut. Vom Ergebnis her ist es okay“, ordnete Klopp das 0:0 ein: „Es ist kein Traumergebnis, aber es ist ein gutes.“

          Emotion trifft auf Coolness: Trainerkollegen Klopp (l.) und Kovac Bilderstrecke

          Interessanterweise sah das Bayerns Niko Kovac genauso – und keiner der Trainer hat damit Unrecht. Denn die Münchner haben nur zwei ihrer letzten 26 Champions-League-Spiele zu Hause verloren und sind in dieser Saison noch ungeschlagen in der Königsklasse. Sie haben allen Grund, vor dem Rückspiel am 13. März zuversichtlich zu sein. Zumal Liverpool in der Gruppenphase alles andere aus auswärtsstark war: Die Mannschaft verlor alle drei Spiele in Neapel, Belgrad und Paris. Allerdings reicht Liverpool in München wegen der Auswärtstorregel jedes Unentschieden außer einem 0:0 zum Weiterkommen.

          Die Bayern werden also offensiver zu Werke gehen müssen als im Anfield Stadium – und das könnte Liverpool in die Karten spielen. Darauf spielte wohl auch Klopp an, als er sagte: „Wenn Bayern heute voller Selbstvertrauen gewesen wäre, dann hätten wir mehr Platz gehabt.“ Denn Platz ist es, was Mané, Firmino und Salah brauchen, um eine Abwehr aufzuknacken wie eine Walnuss. Jeder Angriff der Bayern birgt das Risiko eines Liverpooler Konters. Jordan Henderson gab sich nach dem Abpfiff wohl auch deshalb betont optimistisch. „Das ist nicht das schlechteste Ergebnis der Welt“, sagte er: „Wir haben kein Gegentor kassiert und können zuversichtlich sein. Wir können da rüberfahren und denen weh tun.“

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