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Sorgen bei Liverpool und Klopp : „Das hört sich nicht gut an“

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Grimmige Miene zum verlorenen Spiel: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp mit Andrew Robertson Bild: AP

Im Hinspiel gab es ein 5:0, nun verliert Liverpool in der Champions League daheim gegen Bergamo. Der Grund für die ärgerliche Niederlage ist schnell ausgemacht. Nun droht Jürgen Klopp ein „Endspiel“ – ausgerechnet in Dortmund.

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          Jürgen Klopp zeigte nach seiner Poker-Pleite keine Reue. „Ich würde es wieder tun“, sagte der Teammanager des FC Liverpool nach der unnötigen 0:2-Niederlage seiner B-Elf in der Champions League gegen Atalanta Bergamo. Klopps Gelassenheit hat gute Gründe: Er hatte keine andere Wahl – und im schlimmsten Fall droht ihm bald ein echtes Endspiel in Dortmund.

          Champions League

          Dortmund? Liverpools Gruppenfinale am 9. Dezember beim dänischen Meister FC Midtjylland muss wegen der Corona-Situation vor Ort verlegt werden. Der Signal Iduna Park, zwischen 2008 und 2015 die Heimat von BVB-Coach Klopp, ist er Ersatzort. „Es ist zutreffend, dass Dortmund für den 9.12. als Austragungsort ausgewählt wurde. Das Spiel soll ohne Publikumsbeteiligung ausgetragen werden“, bestätigte ein Sprecher der Stadt Dortmund am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hatte der WDR darüber berichtet.

          Hintergrund für die Verlegung ist eine Regelung, wonach Dänen, die nach Großbritannien reisen, aktuell zunächst 14 Tage in Quarantäne sollen. Unter der Auflage, dem genehmigten Hygienekonzept in Dortmund zu folgen, stimmte die Stadt dem Wunsch der Europäischen Fußball-Union Uefa und von Liverpool zu. „Vor diesem Hintergrund sieht die Stadt Dortmund aktuell keine Hinderungsgründe, dass diese Partie in Dortmund durchgeführt werden kann“, hieß es. Laut WDR war es Klopps Wunsch, nach Dortmund auszuweichen.

          Klopp machte die vielen Wechsel in seiner Startelf als einen Grund für die „verdiente“ Heimniederlage aus. „Wir hatten keinen Rhythmus heute. Wir haben fünf Wechsel gehabt, und das macht dir ein paar Probleme, aber normalerweise kommen wir da durch“, sagte Klopp. „Es ist eine verdiente Niederlage, das habe ich schon ein paar Mal gesagt. Es hört sich nicht gut an, aber es ist die Wahrheit. Also, Gratulation an Atalanta.“

          Josip Ilicic hatte den italienischen Klub in Führung gebracht (60.), DFB-Nationalspieler Robin Gosens schoss das zweite Tor (64.). „Leider haben sie eine Sekunde, bevor wir wechseln konnten, getroffen, in einem Raum, von dem wir wussten, dass sie ihn nutzen wollen“, sagte Klopp. „Wir konnten das in dem Moment nicht verteidigen, also haben sie das erste Mal getroffen und das zweite Mal auf ähnliche Art und Weise.“ Das Hinspiel hatten die Italiener 0:5 verloren.

          Liverpool führt seine Gruppe mit neun Punkten vor Atalanta mit Torschütze Robin Gosens und Ajax Amsterdam (beide sieben) an. Ein Punkt gegen die Niederländer am Dienstag würde schon für den Einzug ins Achtelfinale reichen. „Ajax wird eine Herausforderung – eine mehr zu all jenen, denen wir in diesem Land begegnen“, sagte Klopp: „Aber ich denke jetzt nicht an Ajax, sorry. In ein paar Stunden müssen wir nach Brighton.“

          Wegen des Premier-League-Spiels zum ungeliebten Mittagstermin am Samstag (13.30 Uhr bei Sky) hatte Klopp gegen Bergamo den ein oder anderen Star geschont. Das rächte sich auch deshalb, weil Gosens und Co. ein „Meisterwerk im Fußballtempel“ aufführten, wie die „Gazzetta dello Sport“ schwärmte. Trainer Gian Piero Gasperini sprach vom „schönsten Sieg in Atalantas Geschichte“.

          Klopp würdigte derweil den gestorbenen Diego Maradona als einen der größten Fußballspieler der Geschichte. „Ich liebe Fußball, solange ich denken kann, und er war einer der Größten überhaupt“, sagte er zum Tod der argentinischen Fußball-Legende. „Wir alle hatten diese absoluten Helden, die den Fußball ganz einfach aussehen ließen“, sagte Klopp weiter. Dazu hätten auch der brasilianische Fußball-Star Pelé sowie Franz Beckenbauer gezählt. Sie hätten das Spiel auf einer völlig anderen Ebene verstanden, und genau das habe Maradona auch getan, sagte Klopp. „Er hat den Fußball eindeutig auf ein anderes Level gebracht.“

          Aber es gibt auch gute Nachrichten für Klopp: Liverpool darf seine Heimspiele von Dezember an erstmals seit März wieder vor Zuschauern bestreiten. Die Wiederzulassung von Fans wurde am Donnerstag verkündet, gilt aber nicht landesweit. Demnach dürfen Premier-League-Klubs aus der Hauptstadt London und aus Liverpool, wo auch der FC Everton beheimatet ist, mit Ende des zweiten Lockdowns (2. Dezember) wieder vor bis zu 2000 Anhängern spielen. Damit könnte Klopp an der Anfield Road am 5. Dezember gegen die Wolverhampton Wanderers wieder Fans begrüßen.

          Die Region Merseyside wurde von der Regierung wie London auf Stufe 2 der Risikoskala eingeordnet. Der Großraum Manchester mit Rekordmeister United und Spitzenklub City liegt auf „Tier 3“ („sehr hohes Risiko“) und muss wegen der Pandemie weiter ohne Fans planen. Auf Stufe 1 sind sogar 4000 Anhänger möglich. Die Einteilung der Regionen nach Risikogebieten soll am 16. Dezember überprüft werden.

          Neben den beiden genannten Teams dürfen auch Aston Villa (Birmingham), Newcastle United, Leeds United, Leicester City und die Wolves zu Hause noch keine Zuschauer zulassen. In London sind aktuell sechs Erstligaklubs beheimatet, die sich auf ihre Fans freuen: der FC Chelsea mit dem Nationalspieler-Trio Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger, der FC Arsenal, Tottenham Hotspur, West Ham United, Crystal Palace und der FC Fulham.

          In England wird seit Ende der Corona-Pause im Juni in allen vier Profiligen vor leeren Rängen gespielt. Die Premier League hatte zuletzt betont, sie „begrüße“ die Regierungspläne für die Rückkehr der Fans. Zugleich arbeite sie an Modellen, die eine  höhere Anzahl erlaubten, um den finanziellen Schaden einzugrenzen.

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