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Liverpools Fußball-Sensation : „Wahnsinn, das haut dich um, verrückt“

Bild: Reuters

Liverpool schafft tatsächlich die Sensation und zieht noch ins Finale der Champions League ein. Nicht nur Jürgen Klopp ist nach dem Sieg über Barcelona restlos begeistert. Dabei verpasst der Trainer sogar das kuriose 4:0.

          Der Abend endete, wie er begonnen hatte. Gut 50.000 Fans im Stadion an der Anfield Road sangen „You’ll never walk alone“. Was sonst der emotionalen Einstimmung vor der Partie dient, bildete am Dienstagabend in Liverpool den musikalischen Schlussakkord eines unvergesslichen Abends, der für alle Freunde des Fußballs kaum zu überbieten sein dürfte. Mit einem 4:0 im Rückspiel im Halbfinale der Champions League zog die Mannschaft von Jürgen Klopp nach dem 0:3 sechs Tage zuvor beim FC Barcelona doch noch ins Endspiel ein, in dem sie am 1. Juni auf Ajax Amsterdam oder die Tottenham Hotspur treffen wird, die an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) mit einem 1:0-Vorsprung der Niederländer in ihre zweite Partie gehen.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Arm in Arm standen Spieler, Trainer und die Betreuer vor der Kop-Tribüne und genossen mit den Fans den berühmtesten aller Fußball-Songs, der einst für ein Broadway-Musical geschrieben wurde und davon handelt, auch in düsteren Zeiten den Kopf nach oben zu nehmen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Selten passte der Text so gut zum Sportlichen, denn die Aussichten nach den drei Gegentoren im Hinspiel waren alles andere als rosig. Die Hoffnung hatten die Engländer jedoch nie aufgegeben. Und sie wurden belohnt mit einer der größten Sensationen der Fußball-Geschichte.

          „Das sind Mentalitätsmonster“, sagte ein strahlender Klopp beim TV-Sender Sky. „Das ist verrückt, was die abgezogen haben. Einige Spieler haben nachher geweint. Wahnsinn, das haut dich um, das ist verrückt.“ Es bedurfte gar keiner taktischen Analyse eines Spiels zweier Mannschaften, die so unterschiedlich sind, aber dennoch auf höchstem Niveau spielen. Gaben im Hinspiel die Effizienz und die Extraklasse von Lionel Messi den Ausschlag, entschieden nun der Wille und die Wucht des FC Liverpool die Partie. „Der Glaube in unserer Kabine ist großartig. Wir wussten, dass wir etwas Spezielles erreichen können. Das ist eine besondere Nacht“, sagte Jordan Henderson.

          Der Kapitän war maßgeblich daran beteiligt, dass der Glaube gleich zu Beginn noch größer wurde. Seinen Torschuss in der siebten Minute parierte der deutsche Torhüter Marc-André ter Stegen noch, doch den abprallenden Ball drückte Divock Origi zum 1:0 über die Linie. Der Belgier war vor einer Woche in Spanien nur eingewechselt worden, obwohl Roberto Firmino passen musste. Der fehlte auch diesmal. Dazu musste auch Mohamed Salah passen. Er hatte im Spiel in Newcastle am Samstag eine Gehirnerschütterung erlitten. Die Kopfschmerzen hielten den Ägypter aber nicht davon ab, das richtige Motto-Shirt für den Spielbesuch herauszusuchen. „Never give up“, niemals aufgeben, stand in großen weißen Buchstaben auf dem schwarzen Oberteil. Es sollte der Slogan des Abends werden. „Ich bin stolz, der Trainer dieses Teams zu sein“, sagte Klopp.

          Auch ohne Salah und Firmino entwickelte Liverpool zu Beginn einen Angriffswirbel, der Barça sehr beeindruckte. Es dauerte, bis die Spielkunst der Katalanen sichtbar wurde, die Effektivität aber fehlte diesmal. Sowohl Messi (14.) als auch der früherer Liverpooler Philippe Coutinho (18.) scheiterten an Torwart Alisson Becker, der mit der AS Rom schon im vergangenen Jahr in der Königsklasse zum Schreck geworden war. Nach einem 4:1-Sieg im Hinspiel unterlag der FC Barcelona in Italien 0:3 und schied im Viertelfinale aus. Die Geschichte sollte sich wiederholen. „Der Trainer hat dafür gesorgt, dass wir daran geglaubt haben“, sagte der brasilianische Torwart mit Vorfahren aus dem Saarland.

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