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FC Liverpool besiegt Bayern : „Das ist schon brutal gut“

Jürgen Klopp hatte jede Menge Spaß in München am Mittwoch. Bild: dpa

Der FC Liverpool beeindruckt beim souveränen Sieg im Achtelfinale in der Champions League. Nach dem Triumph in München sprudelt Trainer Jürgen Klopp – und bekommt selbst ein großes Lob.

          Was dem deutschen Fußball die Weisheiten eines Sepp Herberger sind, sind den Freunden des FC Liverpool die Aussagen von Bill Shankly. Der legendäre Trainer der 1960er und 70er Jahre sagte einst: „Einige Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist.“ Shankly ist lange verstorben, doch an der Anfield Road immer noch präsent. Inzwischen geht es aber weniger martialisch zu. Das aktuelle Marketing-Motto des Shankly-Klubs lautet: „This means more.“ Es ist für alle, denen nicht nur der Fußball, sondern vor allem der FC Liverpool eben ein bisschen mehr als andere Sachen im Leben bedeutet.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Als Jürgen Klopp nach dem 3:1 beim FC Bayern am Mittwoch gefragt wurde, was ihm der Erfolg, der zum Einzug ins Viertelfinale der Champions League führte, bedeute, zögerte der deutsche Trainer keine Sekunde: „Alles!“ Auf den Blick des Sky-Fragestellers lieferte Klopp gleich die Begründung: „Es gibt nicht so viele Mannschaften, die auswärts bei den Bayern gewinnen oder sie aus der Champions League rausschmeißen. Deswegen ist das schon etwas Besonderes.“ Nach dem 0:0 in England vor drei Wochen sorgten die Treffer von Sadio Mané (26. Minute), Virgil van Dijk (69.) und wieder Mané (84.) fürs Weiterkommen. Das Eigentor von Joel Matip (39.) zum 1:1 war letztlich verschmerzbar.

          Dabei hatte die Partie für Liverpool denkbar schlecht begonnen. Schon zu Beginn knickte Kapitän Jordan Henderson nach einem Zweikampf mit Münchens James Rodriguez um. Nach 13 Minuten humpelte er vom Platz. Eine Diagnose steht noch aus. Fabinho, der im Hinspiel noch van Dijk in der Innenverteidigung vertreten hatte, rückte an Hendersons Stelle vor der Abwehr und fügte sich in das taktische Konzept Klopps, das ein frühes Stören der Bayern in ihrer Hälfte vorsah, nahtlos ein.

          Die Münchner waren vorsichtig, vor allem in ihren Offensivaktionen, offenbar aus Respekt, den Ball zu verlieren und in einen der gefürchteten Konter Liverpools mit Mané Mohamed Salah und auch Roberto Firmino zu laufen. Das erfreute Klopp, zeugt diese Zurückhaltung des Gegners von einer Menge Respekt. „Wir werden wahrgenommen wie eine absolute Topmannschaft. Es freut mich für die Fans, dass wir wieder zurück sind auf der Landkarte. Das ist schon brutal gut“, sagte der sprudelnde Trainer. „Das Spiel muss uns Selbstvertrauen geben, das ist doch klar. Unsere Gruppe war schwer, dann hatten wir im Achtelfinale Bayern. Heute haben wir den nächsten Schritt gemacht.“ In 180 Minuten des Achtelfinal-Duells schossen die Münchner nur zweimal überhaupt aufs gegnerische Tor.

          Während die Bayern nun den Generationswechsel in ihrer Mannschaft vorantreiben müssen und sich auf die nationalen Aufgaben konzentrieren können, schaut der FC Liverpool an diesem Freitag (12.00 Uhr) in die Schweiz. Dort wird das Viertelfinale der Königsklasse ausgelost. Neben Ajax Amsterdam, dem FC Porto, Juventus Turin und dem FC Barcelona sind gar noch vier Teams der Premier League im Topf: Liverpool, Manchester City, Manchester United und Tottenham Hotspur. Wird etwa in Zeiten des Brexit-Wirrwarrs diese Europapokal-Saison zur großen Show der Engländer? „Ich hoffe, dass das am Ende keine Landesmeisterschaft wird“, sagte Klopp. Der kontinentale Erfolg der reichsten Fußballliga entbehrt dieser Tage mit Blick auf die Politik nicht einer gewissen Ironie.

          Die Vergleiche zu anderen Feldern als denen des Fußballs ließ sich auch die britischen Medien am Tag nach dem Coup von München nicht nehmen. „Während unsere Politiker zaudern und sich blamieren, sind die Fußballvereine des Landes für das genaue Gegenteil des Brexit verantwortlich – extreme Kompetenz und ein sehr klarer Verbleib in Europa“, schrieb das Boulevardblatt „Sun“. Und „Daily Mail“ schwärmte: „Das war eines der herrlichsten Ergebnisse eines englischen Vereins in Europa.“ Der „Guardian“ war ein bisschen weniger emotional, lobt aber auch sehr: „Klopps Spieler wehrten beherzt ab und nutzten ihre Chancen nüchtern, ohne dabei einen Hauch von Unruhe zu zeigen.“

          Eine gewisse Ruhe wird auch nötig sein, wenn Liverpool endlich einen Titel mit Klopp gewinnen will. Seit der Trainer im Herbst 2015 den Posten an der Anfield Road übernahm, verlor er mit den „Reds“ drei Endspiele: 2016 im Ligapokal gegen Manchester City und in der Europa League gegen Sevilla, dazu im vergangenen Jahr in der Champions League gegen Real Madrid. „Klopp ist der ruhigste Mann in Liverpool, alles um ihn herum ist wahnsinnig aufgeregt“, sagte der frühere Liverpool-Spieler Jamie Carragher. „Es sind harte Wochen. Der erste Titel seit langer Zeit steht auf dem Spiel.“

          In der Premier League liegt Liverpool acht Spieltage vor Saisonende einen Punkt hinter Manchester City und Pep Guardiola. Während andere Vereine nach dem Titel in der Königsklasse lechzen, ist die Sehnsucht am River Mersey nach anderer Silberware größer. Seit 1990 wartet der Klub auf den Gewinn der englischen Meisterschaft. Sollte es im Mai tatsächlich klappen, wird es in Liverpool kein Halten mehr geben. Besonders die Fans dürften dann Klopp zitieren, denn Platz eins in der Premier League würde ihnen vor allem eines bedeuten: Alles!

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