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Liverpool gegen Barcelona : Die Sorgen des Jürgen Klopp werden größer

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„Zwei der besten Angreifer der Welt fehlen und wir müssen vier Tore schießen“: Jürgen Klopp Bild: Reuters

Im Halbfinale der Champions League muss Liverpool ein 0:3 aus dem Hinspiel in Barcelona wettmachen. Jürgen Klopp versprüht ein wenig Optimismus. Doch jetzt fällt noch ein weiterer wichtiger Spieler beim FC Liverpool aus.

          So ganz abgeschrieben hat Jürgen Klopp die Hoffnung auf ein Wunder noch nicht. „Weil es Fußball ist, ja“, sagte der Coach des FC Liverpool vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN). An der Anfield Road müssen die Reds gegen das Ensemble um den im Hinspiel überragenden Lionel Messi eine 0:3-Niederlage wettmachen. „Wir werden es mit allem, was wir haben, versuchen“, kündigte Klopp am Montag an. Auf die Frage, was sich ändern müsse im Vergleich zur vergangenen Woche, scherzte der ehemalige Dortmunder Meistercoach: „Das Ergebnis.“

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          Nach dem klaren Ausgang, das dem Spielverlauf im Camp Nou nicht ganz gerecht wurde, gab sich Klopp zurückhaltender als sonst. „Es ist nicht der Abend, um große Töne zu spucken und Dinge zu sagen wie: Es ist erst Halbzeit, wir brauchen ein frühes Tor, und all solche Sachen“, sagte der 51-Jährige, der zudem auch noch auf seine beiden Top-Stürmer Mohamed Salah und Roberto Firmino verzichten muss. „Leider muss ich bestätigen, dass Mo Salah nicht spielen kann. Er hat eine Gehirnerschütterung“, sagte Klopp am Montag. Der Angreifer war beim 3:2-Sieg bei Newcastle United nach einem Zusammenstoß mit Torwart Martin Dubravka ausgewechselt worden.

          „Zwei der besten Angreifer der Welt fehlen und wir müssen vier Tore schießen. Das macht das Leben nicht leichter, aber so lange wir elf Spieler auf dem Feld haben, werden wir es versuchen“, sagte Klopp, verkündete am Montag aber auch verhalten-optimistisch: „Wir müssen bereit sein für 95 Minuten, vielleicht auch länger. Wenn wir es schaffen, wundervoll. Wenn nicht, lasst uns möglichst schön scheitern.“ Auch der frühere Leipziger Naby Keita fällt aus. Er verletzte sich im Hinspiel.

          „Es geht jetzt nicht darum, ob wir sie 4:0 schlagen können, sondern ob wir sie überhaupt schlagen können. Das soll erstmal der Ansatz sein, dass wir versuchen das Spiel zu gewinnen“, sagte Klopp gegenüber DAZN zum Matchplan. „Sollten wir das schaffen bis zu einer gewissen Minute, in Führung zu liegen und kein Tor kassiert zu haben, was ansonsten die Aufgabe ungleich schwerer machen würde – Barcelona ist auch nicht bekannt dafür sehr oft gar nicht zu treffen in einem Spiel. Dementsprechend ist das eine Riesenaufgabe. Wir sind ja schon einmal da, dann werden wir es auch probieren.“

          Auf einen Gegner, der die Partie auf die leichte Schulter nimmt, darf Klopp derweil aber wohl nicht hoffen. Barça-Trainer Ernesto Valverde schonte am Samstag beim 0:2 im Liga-Duell bei Abstiegskandidat Celta de Vigo praktisch die gesamte Stammformation. Messi, Nationaltorwart Marc-André ter Stegen und sechs weitere Stützen gehen ausgeruht ins Duell gegen Liverpool. Diese Strategie brachte den seit dem vorigen Wochenende abermals als Meister feststehenden Katalanen in Spanien derweil allerdings den Vorwurf der „Wettbewerbsverzerrung“ ein.

          Ob und inwieweit Valverde diese Kritik getroffen hat, weiß man nicht. Der 55-Jährige ist ein Trainer der leisen, zurückhaltenden Töne. Wenn er etwas unterstreichen will, hebt er die Stimme nur ganz leicht. Etwa, als er vor dem Rückspiel in Liverpool daran erinnerte, dass ein Drei-Tore-Vorsprung aus eigener Erfahrung keine Garantie ist. „Voriges Jahr hatten wir auch einen Drei-Tore-Vorsprung, und man hat uns dennoch ausgeschaltet“, warnte er dieser Tage in Anspielung auf das Viertelfinal-Aus vergangene Saison gegen AS Rom (4:1, 0:3).

          Das ist aber auch bisher die einzige Niederlage von Barcelona in 21 Königsklassen-Begegnungen unter der Ägide Valverdes. Am Dienstag muss der Coach nur auf Ousmane Dembélé verzichten. Der 21 Jahre alte frühere BVB-Profi zog sich in Vigo schon nach fünf Minuten eine Verletzung am rechten Oberschenkel zu. Bei einem Finaleinzug der Katalanen, die das dritte Triple der Klubgeschichte nach 2009 und 2015 anstreben, wäre ein Einsatz Dembélés am 1. Juni im Madrider Wanda Metropolitano nicht sicher.

          Es wird der fünfte offizielle Auftritt Barcelonas an der Anfield Road sein. Alle bisher erzielten Ergebnisse würden den Katalanen zum Weiterkommen reichen. Die einzige Niederlage gab es 2001 (0:1). Neben einem 1:1-Remis 1976 feierten man auch zwei Siege: Einen 3:1-Erfolg im Jahr 2001 und ein 1:0 im Jahr 2007. Der frühere Liverpool-Profi Luis Suárez, der ebenso wie Philippe Coutinho am Dienstag ein Wiedersehen mit den alten Fans erleben wird, weiß aber: „Noch ist nichts gewonnen, in der Champions League darfst du nicht den Bruchteil einer Sekunde unaufmerksam sein, denn das bezahlst du meistens sehr teuer.“

          Zunächst schaut Liverpool aber noch nach Manchester. Dort spielt an diesem Montag (21.00 Uhr bei DAZN) der Rivale im Titelrennen. Manchester City trifft auf Leicester City am vorletzten Spieltag. Durch den hart erkämpften Sieg in Newcastle am Samstag hat Liverpool derzeit wieder zwei Punkte Vorsprung auf ManCity. Leicesters Coach ist ausgerechnet Brendan Rodgers, Klopps Vorgänger in Anfield, der die Meisterschaft mit den Reds 2014 nur knapp verpasste. Nun könnte Rodgers seinem früheren Klub einen entscheidenden Vorteil verschaffen und indirekt doch noch zum Titel verhelfen. Bei einem Remis für City am Montagabend hätte es Liverpool am Sonntag selbst in der Hand.

          Die Reds bestreiten ihr letztes Match zuhause gegen den starken Aufsteiger Wolverhampton Wanderers, während City auswärts bei Brighton & Hove Albion antritt. Wenn Liverpool am Sonntag das letzte Ligaspiel gewinnt, hat der Klub 97 Punkte, mehr als jeder Premier-League-Meister zuvor – mit Ausnahme von Man City, das im vergangenen Jahr die 100-Punkte-Marke erreichte. „Bis jetzt 94 Punkte? Komm! Das ist unglaublich“, betonte Klopp, der am Ende wieder ohne Titel dastehen könnte. Oder erwischt es doch noch Guardiola? BBC Sport brachte es auf den Punkt: „Es ist ein Jammer, dass entweder Liverpool oder Manchester City nach so überragenden Spielzeiten leer ausgehen werden.“

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