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Financial Foulplay im Fußball : Eiskalter Betrug von Manchester City

Verschwindet Manchester City von der internationalen Fußball-Bildfläche? Bild: EPA

Bei Manchester City gibt es Strippenzieher, die den Erfolg kaufen wollen – und damit andere, die die Regeln beachten, bestehlen. Die Strafe könnte auch Folgen für den FC Liverpool haben. Und das wäre nur fair.

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          Fairplay ist eine Erfindung des Amateursports. In der Welt des Profisports findet sie nicht immer die besten Bedingungen. Am wenigsten im Fußball, dem Sport, der das meiste Geld bewegt und deshalb immer mehr zum Spielball fremder Interessen wird. Immerhin weil das Spielfeld der öffentlichste Ort der Welt ist, maximal sichtbar durch Dutzende Kameras, lässt sich das Fairplay der Akteure im Stadion gut beurteilen. Financial Fairplay ist eine Erfindung des Profisports. Eine sehr zeitgemäße, eingeführt, um den Fußball vor der eigenen Gier zu retten. Aber auch eine etwas weltfremde. Denn das, was auf einem anderen Spielfeld des Fußballs passiert, dem der Geldströme im Kampf um die besten Spieler, entzieht sich der Fairness-Bewertung. Weil es ein ganz und gar unsichtbares Spielfeld ist.

          Dass die Uefa zum ersten Mal eine drastische Strafe gegen einen der großen Finanz-Doper des Fußballs ausspricht, zwei Jahre Champions-League-Ausschluss für Manchester City, ändert nicht das Machtgefälle im ungleichen Kampf zwischen dem Verband, der Verstöße gegen das Finanz-Regelwerk mangels Kontrollmöglichkeiten nur zaghaft verfolgen kann, und jenen Großklubs, die sich dank der Milliarden ihrer Eigentümer die teuersten Fußballer und Anwälte leisten können. Erst durch die Dokumente, die der Portugiese Rui Pinto mit den „Football Leaks“ öffentlich machte, wurde Citys Verstoß gegen das finanzielle Fairplay für die Jahre 2012 bis 2016 belegbar – die Verschleierung verbotener Budget-Zuschüsse durch die Eigentümer aus Abu Dhabi.

          Es ist kein Regelverstoß, wie er Spielern in der Hitze des Wettkampfs passiert. Es ist der eiskalte Betrug durch Strippenzieher, die den Erfolg kaufen wollen – und damit andere, die die Regeln beachten, bestehlen: um Titel, Champions-League-Plätze, Einnahmen. City gab in den vergangenen zehn Jahren anderthalb Milliarden Euro auf dem Transfermarkt aus. Das scheint mit einem aus dem operativen Geschäft gedeckten Budget, wie es die Uefa fordert, kaum vorstellbar.

          Das gilt auch für die rund 1,3 Milliarden, die Paris Saint-Germain seit dem Einstieg von Qatar in Spieler investiert hat. Schon die vierhundert Millionen, die allein Neymar und Mbappé kosteten, lassen das Achtelfinale in Dortmund an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) als das ungleiche Duell zwischen einer grauen Stadt geschlossener Zechen und einer glitzernden Metropole sprudelnder Öl-Milliarden erscheinen. Man kann es aber auch als das Duell der Solidität des deutschen 50+1-Modells mit dem hemmungslosen Gebaren globaler Finanzjongleure deuten. In diesem Vergleich hat der Fußball selbst bisher ein gutes Näschen bewiesen. Wie PSG kam auch City jenem Titel, den die Geldgeber vor allem gewinnen wollen, nie nahe. Nun droht nächste Woche gegen Real Madrid das mögliche Aus für Jahre.

          Die Folgen sind offen. Mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof könnte City den Beginn der Sperre bis in die übernächste Saison verschleppen. Ein Pep Guardiola wird aber auch so nur schwer zu halten sein. Nach dem Liverpooler Sieg in Norwich, bei nun 25 Punkten vor dem Zweiten City, sprach Jürgen Klopp dem Trainerkollegen sein Mitgefühl für die Sperre aus. Dabei könnte es noch dicker kommen. Auch die Premier League will das Finanzgebaren von City prüfen, womit die Aberkennung des Meistertitels 2014 droht. Zweiter wurde damals: Liverpool. Es kann also sein, dass die „Reds“ mit Klopp in diesem Jahr nicht den ersten Meistertitel seit dreißig Jahren gewinnen. Sondern gleich zwei. Während City nicht nur keinen gewinnen, sondern sogar einen verlieren könnte. Und das wäre nur fair.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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