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Liverpool-Trainer Klopp : „Das war ein Weltklasse-Tor“

Torschützen unter sich: Roberto Firmino (links) und Naby Keita. Bild: AFP

Nach dem Coup gegen die Bayern in der Runde zuvor ist Liverpool nun auf dem besten Weg ins Halbfinale der Champions League. Beim 2:0-Sieg im Hinspiel über Porto begeistert Trainer Jürgen Klopp vor allem eine Szene.

          Manchmal machen auch die kleinen Dinge des Fußballlebens richtig glücklich. Jürgen Klopp jedenfalls war es am späten Dienstagabend. Der Trainer des FC Liverpool schwärmte nach dem 2:0-Sieg seiner Mannschaft über den FC Porto im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League vor allem über eine Szene, die auf den ersten Blick gar nicht so spektakulär aussah: Pass, Pass, Treffer – aus drei Metern. Doch Klopp fand: „Das war ein Weltklasse-Tor, einfach toll.“ Gemeint war der zweite Treffer der Engländer von Roberto Firmino in der 26. Minute. Zuvor hatte Naby Keita Liverpool mit der ersten Chance der Partie in Führung gebracht (5.).

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Was Klopp an dem Tor, das letztlich auch den Endstand und Liverpools 200. Sieg in der glorreichen Europapokal-Geschichte des Klubs bedeutete, so begeisterte, war die Maßarbeit, die seine Spieler ablieferten. Denn der Abschluss von Firmino war an sich nicht so spektakulär, wie man sich das beim Attribut „Weltklasse“ denken mag. Der frühere Hoffenheimer Stürmer drückte den Ball alleine vor dem leeren Tor der Portugiesen nur noch über die Linie. Das hätten auch viele geschafft, die nicht auf Champions-League-Niveau spielen – selbst wenn es auf dem Rasen für nichts eine Garantie gibt, wie die unglückliche Slapstick-Nummer von Eric Maxim Choupo-Moting in Paris jüngst bewies.

          Das Vorspiel zu Firminos finaler Vollendung aber war sehenswert. Kapitän Jordan Henderson bekam den Ball auf der halbrechten Seite, etwa 30 Meter vor dem Tor. Vor ihm stand die massive Abwehr des FC Porto. Der Stratege blickte erst in die Mitte, im letzten Moment erspähte er Trent Alexander-Arnold, den rechten Außenverteidiger Liverpools, der bisweilen zum Außenstürmer wird. Der Pass auf den einlaufenden Kollegen war perfekt und hebelte das ganze Bollwerk aus. Der Blick in die Mitte und seine Hereingabe auf Firmino stimmten ebenfalls. Bei beiden Zuspielen stand der Empfänger hauchdünn nicht im Abseits – besser geht es nicht. Das Tor passte zu Liverpool: In der Königsklasse hat die Klopp-Elf als einziges Team alle Tore in dieser Saison innerhalb des Strafraums erzielt. Das spricht für Spielkultur.

          Beim Führungstor von Liverpool war es nicht ganz so akkurat zugegangen. Keita bekam den Ball an der Kante zum Strafraum von Firmino, der den freien Mitspieler im Rückraum sah. Der fackelte nicht lange, schoss mit rechts und hatte Glück, dass Portos Oliver Torres bei seiner Grätsche in die Schussbahn die Flugkurve noch veränderte. Torwart Iker Casillas, mit 176 Einsätzen Rekordspieler der Königsklasse, hatte keine Abwehrchance, als der Ball einschlug. Keita, der vor der Saison aus Leipzig kam, hatte bislang noch gar nicht getroffen für seinen neuen Klub. Dann gelang ihm am Freitag in Southampton seine Premiere in der Premier League. Nun legte er gleich international nach.

          Porto war insbesondere über den bulligen Stürmer Moussa Marega gefährlich, der im Abschluss aber nicht immer glücklich agierte. Kein Glück hatten die Portugiesen auch bei zwei Überprüfungen durch den Video-Assistenten. Weder als Liverpools Torwart Alisson Becker den Ball an die Hand seines Kollegen Alexander-Arnold boxte (30.), noch als Dejan Lovren das Spielgerät nach einer Ecke an den Arm bekam (66.), entschied Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz aus Spanien auf Strafstoß. Zudem gab es gar keine Karte, als Liverpools Stürmer Mohamed Salah mit offener Sohle auf das Schienbein von Gegenspieler Danilo trat.

          Damit wollte sich Klopp in seiner Analyse verständlicherweise nicht lange aufhalten, schließlich sind die Aussichten auf den Einzug ins Halbfinale hervorragend. „Das war ein gutes Spiel von uns“, sagte der Trainer. „Wir hatten es unter Kontrolle. Wir haben zwei wunderschöne Tore erzielt.“ Dass seine Mannschaft dem Gegner zu viele Standardsituationen ermöglicht  habe, monierte Klopp. „Da ist Porto richtig gefährlich. Wir wollten das eigentlich nicht zulassen, haben das dann aber auch gut verteidigt.“ Problematisch sei die zweite Halbzeit gewesen, als man einige Konter leichtfertig verschenkt habe. „Wir haben nicht mehr so klar gespielt. Aber: 2:0 – alles gut!“

          Wie gut das Ergebnis letztlich ist, wird sich kommende Woche am Mittwoch beim Rückspiel in Porto zeigen. Zu welcher Leistung Liverpool auswärts fähig ist, wenn es gilt, bewies die Elf im Achtelfinale in München beim 3:1-Sieg. In der Gruppenphase indes gab es außerhalb von England drei Niederlagen. „Das Duell ist noch nicht zu Ende“, sagte Klopp. „Wir müssen nochmal richtig kämpfen. Porto wird natürlich alles versuchen, um zurückzuschlagen. Das wird richtig hart – aber wir werden bereit sein.“ Zumal die Erinnerung an das letzte Spiel in Porto noch frisch ist. Im Achtelfinale 2018 siegte Liverpool 5:0 im Hinspiel. Es folgte ein torloses Remis an der Anfield Road und der Durchmarsch bis ins gegen Real Madrid verlorene Endspiel.

          Damals in Kiew konnte auch Firmino die Niederlage nicht verhindern. Als er 2015 für 41 Millionen Euro aus der Bundesliga nach England wechselte, stutzten nicht wenige, die glaubten, das sei eine arg übertriebene Summe für den Offensivspieler. Doch der Brasilianer, im Nationalteam inzwischen ebenfalls eine Größe, bewies den Kritikern, dass er das viele Geld wert ist. Als Kopf des Triumvirats mit Salah und Sadio Mané ist er für die genialen Einfälle in der Offensive Liverpools zuständig. Die Statistiken beweisen seine Klasse, auch wenn die anderen beiden ob ihrer Wucht oft im Mittelpunkt stehen: In dieser und der vergangenen Saison war er an 21 Toren in der Champions League beteiligt. Nur Cristiano Ronaldo ist besser (24) – eine beeindruckende Bilanz. Und manchmal begeistert ein Spieler eben auch, wenn er den Ball aus drei Metern ins leere Tor schiebt.

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