https://www.faz.net/-gtm-9ualy

Champions League : Bayern-Rekordjagd statt Bundesliga-Tristesse

  • Aktualisiert am

Will den Gegnern zeigen, wer der FC Bayern ist: Thomas Müller Bild: AFP

Nach zwei Niederlagen in der Bundesliga möchte der FC Bayern gegen Tottenham in der Champions League neues Selbstbewusstsein tanken. Der Zeitpunkt für die Entscheidung in der Trainerfrage steht derweil fest.

          3 Min.

          Von besonderem Druck oder großem Ärger über die Münchner Tor-Tristesse war bei Hansi Flick nichts zu spüren. Nachdem der Bayern-Trainer den Königsklassen-Jahresabschluss gegen Tottenham Hotspur zum Signal für eine Trendwende ausgerufen hatte, gönnte sich der 54-Jährige entspannt einen Kaffee und eine Brezel. „Wir brauchen ein Erfolgserlebnis und wollen ein gutes Spiel zeigen. Das ist ein wichtiger Schritt, das Ganze positiv umzustoßen“, sagte Flick vor dem anvisierten Rekord einer makellosen Gruppenphase mit sechs Siegen.

          Champions League

          Der erste Zauber unter dem neuen Trainer-Liebling des FC Bayern ist verflogen. Nach zwei Bundesliga-Niederlagen hintereinander soll der Chancen-Schlamassel der Abteilung Attacke um Torjäger Robert Lewandowski aber am Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und auf Sky) in der Champions League beendet werden. „Jeder ist gefragt, sich einzubringen, und dann eventuell auch Tore zu schießen“, sagte Flick. Eine eiskalte Chancenverwertung wie beim 7:2-Festival im Hinspiel mit Vier-Tore-Mann Serge Gnabry an der Spitze wäre ganz nach dem Geschmack des deutschen Fußball-Meisters und würde dem national auf Rang sieben abgerutschten Serienchampion neuen Schwung verleihen.

          Drei Partien in acht Tagen stehen nach dem Heimspiel gegen den letztmaligen Finalisten um den neuen Coach José Mourinho noch auf der Münchner Advents-Agenda. „Wenn wir es schaffen, die vier Spiele bis zur Winterpause zu gewinnen, dann wissen die Gegner, dass wir kommen. Dann weiß die Bundesliga schon, dass mit uns zu rechnen ist“, sagte Thomas Müller vor seinem 110. Champions-League-Spiel.

          Und auch in der Trainerfrage will der FC Bayern noch vor den Festtagen zu einer Entscheidung kommen. „Wir haben am 21. Dezember das letzte Spiel gegen Wolfsburg, entweder an diesem Samstag oder am Tag danach werden wir uns treffen und eine Entscheidung fällen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der „Sport-Bild“ (Mittwoch) zur Zukunft von Interimstrainer Hansi Flick.

          Der Nachfolger von Nico Kovac braucht neue Erfolge. Nachdem er seit seinem Amtsantritt Anfang November die ersten vier Spiele gewann, gab es zuletzt zwei Niederlagen in der Bundesliga. Mit sieben Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach hinken die siebtplatzierten Münchener den eigenen Ansprüchen damit hinterher.

          So appellierte auch Kapitän Manuel Neuer bei der Weihnachtsfeier des Teams, dass man sich gegen Tottenham wieder Selbstvertrauen holen müsse. Flick indes sieht den entscheidenden Tagen entspannt entgegen. „Es sind noch vier Spiele zu spielen, es ist alles möglich“, sagte der Nachfolger von Niko Kovac. Flick tritt weiterhin betont locker auf. „Die vier Spiele, die wir gewonnen haben, bin ich auch nicht ausflippt oder habe zu arg gejubelt“, sagte er am Dienstag in der Allianz Arena.

          Für Vorstandschef Rummenigge wäre eine Gruppenphase mit sechs Siegen „ein schöner Rekord“. Es winkt sogar eine einsame Bestmarke in Europa: Bislang ist Real Madrid mit 19:2 Toren bei 18 Punkten aus der Saison 2011/12 die Nummer 1. Die Bayern stehen vor Spiel sechs bei 21:4 Toren. Außer Real Madrid glückte in der Königsklassen-Historie noch dem FC Barcelona, dem AC Mailand, Paris Saint-Germain und Spartak Moskau eine Vorrunde mit sechs Erfolgen.

          „Mir ist der Rekord in dieser Situation sehr wichtig“, sagte Thomas Müller angesichts der unbedingt angestrebten Trendwende im Endspurt des Jahres mit einem verschmitzten Lächeln. Viel bedeutsamer ist es aber, sich für die nötige Bundesliga-Aufholjagd warmzuschießen.

          Beim Abschlusstraining, an dem im Gegensatz zu Corentin Tolisso der angeschlagene Jérôme Boateng teilnehmen konnte, zeigten sich die Bayern-Stars gut gelaunt. Lewandowski traf gleich beim Betreten des Platzes mit dem Außenrist ins Tor. Der 31-Jährige würde mit einem weiteren Treffer den Gruppenphasenrekord von Cristiano Ronaldo (11 Tore) egalisieren. Doch zuletzt stockte die Torproduktion selbst beim Polen. „Dass wir grundsätzlich seine Tore brauchen, darüber brauchen wir nicht zu reden. Es würde uns aber gut tun, wenn wir noch mehr Optionen hätten“, sagte Müller. Die Münchner Abhängigkeit von Lewandowski ist frappierend: Wenn der Mann mit den 27 Toren in 22 Pflichtspielen dieser Tage nicht trifft, gibt’s keine Bayern-Siege.

          Gegner Tottenham kommt gefestigt. Mourinho hat den Tabellensiebten der Premier League als Nachfolger von Mauricio Pochettino wieder auf Kurs gebracht. Die Spurs werden aber wohl angesichts des schon gelösten Achtelfinal-Tickets mit einem B-Team ohne Stars wie Harry Kane auflaufen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz : Ein sehr siegessicherer Kandidat

          Friedrich Merz will die Union wieder stärker zur Heimat für Konservative machen. Er hält seine Chancen auf den CDU-Vorsitz für „sehr viel besser“ als 2018. Für sein knappes Scheitern damals hat er eine einfache Erklärung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.