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Probleme beim FC Bayern : Wer ersetzt Joshua Kimmich?

Bis Joshua Kimmich wieder für den FC Bayern spielen kann, dauert es noch ein wenig. Bild: WITTERS

Vor dem Champions-League-Spiel gegen Salzburg muss Hansi Flick sein Mittelfeld neu aufstellen. Es gibt mehrere Optionen, aber nur eine Gewissheit. Und zu dem großen Problem kommt noch ein gar nicht so kleines hinzu.

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          Am Montagabend ist im Internet ein Foto von der Säbener Straße in München aufgetaucht. Ein Fotograf der „Bild“ hat es geschossen. Es ist etwas unscharf, aber den Mann, der hinter einer Fensterscheibe zu sehen ist, erkennt man trotzdem. Er steht auf einem Crosstrainer und trägt ein Shirt mit dem Logo des FC Bayern. Die „Bild“ hat mit dem Foto auch einen Text veröffentlicht. Er fängt so an: „Joshua Kimmich (25) bewegt sich wieder.“ Und damit wäre das größte sportliche Problem der besten deutschen Fußballmannschaft auch schon ganz gut zusammengefasst.

          Champions League
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          An diesem Mittwochabend (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) spielt der FC Bayern in der Champions League im eigenen Stadion gegen den FC Salzburg, aber Joshua Kimmich, ihr Anführer im Mittelfeld, wird fehlen, nicht nur für dieses Match. Er ist vor etwas mehr als zwei Wochen am rechten Außenmeniskus operiert worden. Das Knie, das dauert. Er bewegt sich jetzt wieder, immerhin. Crosstrainer, Laufband, so etwas. Spätestens Ende Januar will er wieder mitspielen. So ganz genau lässt sich das nicht sagen.

          Sicher jedoch ist: Allein bis zum Jahresende verpasst er acht Pflichtspiele, darunter die gegen Atlético Madrid, RB Leipzig und Bayer Leverkusen. Und so wird in München in diesen Tagen sehr ausführlich über diese Frage diskutiert: Wer ersetzt nun den Mann, der eigentlich nicht zu ersetzen ist?

          Am Dienstagmittag saß einer, auf den es in den kommenden Wochen besonders ankommen wird, im Pressestüberl an der Säbener Straße. „Ich behaupte, dass ich jemand bin, der sich anpassen kann“, sagte Leon Goretzka. Es ging um die Frage, was sich ohne Kimmich verändert – und das trifft Goretzka vermutlich am meisten. Im zentralen Mittelfeld des FC Bayern spielt er an der Seite von Kimmich. Sie sind wie füreinander gemacht.

          Der eine, Kimmich, lässt sich gerne etwas zurückfallen, fordert dort den Ball, treibt ihn nach vorne, mit flachen und hohen Pässen. Der andere, Goretzka, stürmt gerne mit nach vorne, oft bis in den Strafraum hinein – und profitiert oft von den Pässen, mit denen Kimmich die Angriffe einleitet. Ja, sagte Goretzka, es tue ihm gut, jemanden neben sich zu haben, „der für defensive Aufgaben zuständig ist, damit ich mich nach vorne einschalten kann“. In Fußballdeutsch gesagt: „Ich bin eher der offensivere Sechser.“ Jetzt muss er der defensivere sein.

          Mann für die Mitte: Leon Goretzka.
          Mann für die Mitte: Leon Goretzka. : Bild: AFP

          Am vergangenen Samstag konnte man das zum ersten Mal beobachten. Mehr als 70 Minuten spielte Goretzka gegen Werder Bremen allein vor der Abwehr. Sein Trainer Hansi Flick lobte ihn danach ausdrücklich. Das war ein ehrliches Kompliment. Denn Goretzka legte den Schwerpunkt auf die Defensive. Er eroberte einige Bälle, wie er das immer macht, danach stürmte er aber nicht wie sonst mit nach vorne. Er sei, berichtete er am Dienstag, überhaupt nicht im Bremer Strafraum gewesen, „was eigentlich zu meinem Spiel gehört“.

          Wenn Goretzka und Kimmich zusammen im Mittelfeld auftreten, vereinen sie Power mit Präzision. Am Samstag fehlte beides. Das Spiel endete 1:1. Die Bayern traten ohne Ball- und Spielkontrolle auf – vor allem in dem Raum, wo es entscheidend ist: zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners. In der Kimmich-Zone.

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          Jetzt muss Flick Spieler finden, die dort aushelfen. Am Samstag stellte er den 17 Jahre alten Jamal Musiala auf, der in der kritischen Zone jedoch mehr als einmal den Ball verlor. In der Champions League durfte dieser noch nie von Anfang spielen. Aber wer kommt sonst in Frage? Es gibt natürlich Corentin Tolisso, der im Spiel gegen Dortmund noch in der ersten Halbzeit für den verletzten Kimmich einsprang und überzeugte, jedoch beklagt der seit seinem Aufenthalt bei der französischen Nationalmannschaft muskuläre Probleme und fällt aus.

          Es gibt Marco Roca, den jungen Spanier, dem Flick allerdings bisher noch fast keine Spielminuten anvertraute. Es gibt auch noch den guten alten Javi Martínez, der am Samstag im Mittelfeld anfing, dann aber in der Innenverteidigung aushelfen musste. Und so gilt, was Flick im Anschluss an das Spiel gegen Bremen sagte: „Joshua wird immer fehlen!“

          Ein Satz, der vor dem Rückspiel gegen Salzburg ganz besonders stimmt. Die Österreicher greifen so früh an, dass Ballsicherheit im Mittelfeld sehr wichtig ist. Das war schon im Hinspiel zu sehen. Am Ende siegten die Bayern 6:2. Doch bis zur 79. Minute stand es 2:2. Vier Tage später verletzte sich Kimmich. 

          Das ist das große Problem, das Flick lösen muss, es kommt aber noch ein gar nicht so kleines hinzu. Vermutlich fallen mit Lucas Hernández, Alphonso Davies und Bouna Sarr drei Außenverteidiger aus. Wenn die Bayern trotzdem gegen Salzburg gewinnen sollten und Atlético das gegen Lokomotive Moskau nicht schafft, wäre München schon nach vier Spieltagen für das Achtelfinale qualifiziert. Das würde die Zeit ohne Kimmich etwas entspannen.

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