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Champions League : Zwei Verletzte und schlechte Laune bei Bayern

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Ganz und gar nicht einverstanden mit der Bayern-Leistung: Trainer Jupp Heynckes. Bild: AFP

Die Münchner zeigen beim 2:1 in Anderlecht das schlechteste Spiel seit langem. Zu allem Überfluss verletzten sich auch noch zwei Spieler. Und Trainer Jupp Heynckes zeigt eine ungewohnte Reaktion.

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          In Jubellaune waren die Bayern nach Sieg Nummer neun unter Allesgewinner Jupp Heynckes nicht. Schwach gespielt, dazu ein langer Ausfall von Edeltechniker Thiago und eine vermutlich leichtere Verletzung von Flügelflitzer Arjen Robben: Das knappe 2:1 (0:0) im Champions-League-Spiel beim RSC Anderlecht war wahrlich „kein Ruhmesblatt“, wie Erfolgscoach Heynckes am Mittwochabend resümierte. „Es ist keine gute Stimmung“, berichtete Sportdirektor Hasan Salihamidzic, den vor allem die neuen Personalprobleme bedrückten.

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          Der spanische Fußball-Nationalspieler Thiago erlitt eine schwere Muskelverletzung. „Er fällt sicher länger aus, wahrscheinlich mehrere Monate“, teilte Salihamidzic mit. Bei Robben sah es dagegen direkt nach dem Spiel so aus, dass der Holländer bei einem Foul wohl keine schlimme Muskelblessur erlitten hat. „Wir haben gerade eine kleine Lücke im Kader durch ein paar Verletzte“, bemerkte Nationalspieler Mats Hummels zur misslichen Situation vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach.

          Jérôme Boateng berichtete von einem energischen Weckruf von Heynckes in der Halbzeitpause. „Er ist zurecht laut geworden“, erklärte der Abwehrspieler, der vom „schlechtesten Spiel seit langem“ sprach. Es war allein Torhüter Sven Ulreich zu verdanken, dass es zur Pause 0:0 stand. Torjäger Robert Lewandowski und Corentin Tolisso sorgten bei einem Gegentor von Sofiane Hanni zum 1:1 aber doch noch für den vierten Sieg im fünften Gruppenspiel. Damit erhielten sich die Bayern in der Königsklasse die Mini-Chance auf Platz eins, auch wenn dafür in zwei Wochen gegen Paris St. Germain etwas Großes passieren müsste. Wegen des direkten Vergleiches bei Punktgleichheit müsste nach dem 0:3 im Hinspiel ein Sieg mit mindestens vier Toren Differenz gelingen.

          Während Heynckes dieses Ziel als „vermessen“ bezeichnete, versprühte Mats Hummels in Belgien die pure Vorfreude auf die große Aufgabe gegen das Multi-Millionen-Ensemble um den brasilianischen Weltstar Neymar, das am Mittwochabend Celtic Glasgow mit 7:1 abfertigte. „Wir haben da ein Spiel, in dem wir nichts verlieren können. Das gibt es als Bayern München ganz selten. Das genießen wir auf jeden Fall“, verkündete Hummels nach einem Spiel, das nicht zum Träumen animierte.

          Heynckes nutzte beim Spiel in Anderlecht die Chance der bereits feststehenden Achtelfinal-Qualifikation, sein Team auf fünf Positionen zu verändern. So gab der 19 Jahre alte Österreicher Marco Friedl auf der linken Abwehrseite sein Profi-Debüt. Und obwohl Anderlecht großen Druck ausübte, löste Friedl seine Aufgabe couragiert und ohne Nerven. Als Unsicherheitsfaktor erwies sich in der Anfangsphase dagegen eher Boateng. Nach muskulären Problemen war der Weltmeister wieder einsatzfähig, leistete sich im Abwehrzentrum aber früh einen schweren Fehlpass auf Lukasz Teodorczyk. Doch der Pole scheiterte an einer Fußabwehr von Bayern-Torwart Sven Ulreich (8.).

          Wenig später rettete der Stellvertreter von Kapitän Manuel Neuer reaktionsschnell nach einem Dropkick von Dennis Appiah aus spitzem Winkel (17.). Die Münchner taten sich in der ersten Hälfte sichtlich schwer und hatten große Probleme, die richtige Einstellung und angemessene Champions-League-Spannung aufzubauen. Die Aktionen wirkten sehr fahrig, kaum ein durchdachter Angriffszug war im 4-3-3-System mit Thiago als verkapptem Linksaußen und Lewandowski und Robben in der Spitze zu sehen. Anderlecht dagegen trat hochmotiviert und mit großem läuferischen Aufwand auf. Lediglich die individuelle Klasse und Effektivität fehlte. So auch in der 30. und 39. Minute, als Teodorczyk nach Bayern-Fehlern frei vor Ulreich auftauchte, aber am abermals starken Schlussmann scheiterte.

          Thiago musste mit einer schweren Verletzung vom Platz. Bilderstrecke
          Thiago musste mit einer schweren Verletzung vom Platz. :

          Beim einzigen gefährlichen Gäste-Angriff vor der Pause klärte Torwart Matz Sels erst vor Arturo Vidal, dann wehrte Appiah den Schuss von Lewandowski ab (33.). Vor allem im Mittelfeld bekamen die Schlendrian-Bayern kaum einen Zugriff auf das Spiel und durften sich bei Ulreich bedanken, dass sie nicht früh in Rückstand gerieten. Erst nach dem Wechsel schalteten sie in den Königsklassen-Modus. Der erste durchdachte und zielgerichtete Angriff führte prompt zum 1:0. Über James und Tolisso landete der Ball bei Lewandowski, der frei stehend nur noch ins leere Tor einschieben musste. „Ein Schuss, ein Tor, die Bayern“, sangen die mitgereisten Münchner Fans.

          Doch nur zwölf Minuten später verstummten die Gesänge. Teodorczyk legte nach einer Flanke per Kopf auf Hanni ab, der Ulreich aus kurzer Distanz keine Abwehrchance ließ. Obwohl den Gästen auch nach der Führung teilweise Souveränität und Konzentration fehlten, konnten sie´noch einmal nachlegen. Joshua Kimmich flankte präzise nach innen, Tolisso köpfte zur Bayern-Führung ein. Fünf Minuten vor Schluss verpasste Lewandowski das mögliche 3:1, als er an Sels scheiterte.

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