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Bayern gegen Liverpool : „Das wird richtig heiß“

Daumen hoch: Manuel Neuer (Mitte) und die Bayern nehmen ein 0:0 mit aus Liverpool nach München. Bild: AFP

Das Münchner „Mia san mia“ ist wieder da: Beim 0:0 in Liverpool in der Champions League ragen zwei Bayern heraus. Doch das Ergebnis birgt eine Gefahr – und im Rückspiel wird ein wichtiger Spieler fehlen.

          Auch den letzten Liverpooler Angriff an diesem regnerischen Abend wehrten die Bayern souverän ab. Als der Schiedsrichter das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League an der Anfield Road abpfiff, war Liverpools Trainer Jürgen Klopp ein wenig ungehalten und ließ seinen Münchner Kollegen das auch spüren. Niko Kovac hatte sich erlaubt, zunächst die Seinen auf der Bank abzuklatschen, ehe er sich Klopp zuwandte. Aus der englischen Liga ist der anderes gewohnt. Sobald der Referee ein Spiel beendet, schütteln sich zuerst die beiden Trainer die Hände. Kovac und Klopp fanden schließlich noch zueinander. Mit einem Lächeln löste der Bayern-Coach die Situation. „Es war ja nicht böse gemeint“, sagte er beim TV-Sender Sky.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          So wie das kleine Missverständnis nach knapp 97 Minuten Spielzeit lösten die Münchner beim 0:0 am Dienstagabend auch alle Aufgaben auf dem Rasen – selbstbewusst und souverän. Das bayrische „Mia san mia“, das viele in dieser Saison vermisst hatten, war wieder da, als es galt auf der großen Bühne des internationalen Fußballs. „Wir haben unser Ziel erreicht“, sagte Kovac. „Jetzt müssen wir sehen, dass wir zu Hause den Sack zu machen.“ In drei Wochen steht in München das Rückspiel an. Dann wird neben Thomas Müller, der wegen einer Roten Karte für beide Partien gegen Liverpool gesperrt ist, auch Joshua Kimmich fehlen. Er muss eine Gelb-Sperre verbüßen.

          In Liverpool aber war Kimmich noch ein Teil eines bärenstarken Kollektivs. Als es darauf ankam, waren die Münchner Haudegen zur Stelle. „In Liverpool so zu bestehen, das haben wir richtig gut gemacht“, sagte Kovac. „Wenn wir Struktur in unserem Spiel haben, ist es schwer, gegen uns ein Tor zu schießen.“ Kovac, der als Trainer sein erstes K.o.-Spiel in der Champions League bestritt, hatte voll auf Torsicherung gesetzt. Dabei ragten zwei Spieler heraus. Mats Hummels in der Innenverteidigung beeindruckte durch ein enorm abgeklärtes Spiel. Der Weltmeister von 2014 verlieh den Kollegen damit Ruhe und Sicherheit. Vor ihm warf sich Javi Martinez in alle Angriffswellen Liverpools. „Er hat ein sensationelles Spiel gemacht“, lobte Kovac den Spanier.

          Ganz stoppen konnten die Bayern die Offensivkraft der „Reds“ aber auch nicht. Vor allem in der ersten Halbzeit kam Liverpool zu einigen großen Chancen. Doch Mohamed Salah und Sadio Mané trafen im Wortsinne das Tor nicht. Mané vergab die größte Möglichkeit, als er nach einer guten halben Stunde aus der Drehung vorbeischoss. Die Münchner selbst zielten gar kein einziges Mal direkt auf das Tor von Liverpool – und hätten doch nach einer Viertelstunde fast das so ersehnte Auswärtstor erzielt. Nach Vorarbeit des flinken Serge Gnabry schoss der frühere Schalker Joel Matip in der Not seinen eigenen Torwart an. Von Alisson Becker prallte der Ball aus der Gefahrenzone.

          Kapitän Manuel Neuer war dennoch zufrieden mit dem torlosen Ergebnis. „Auswärts erzielst du gerne ein Tor“, sagte der Torwart, der kurz vor Schluss einen abgefälschten Flugkopfball von Mané parierte. „Wir haben gut verteidigt und standen sehr kompakt.“ Als die Münchner vor Mitternacht das Stadion verließen machte sich durchaus Zufriedenheit breit. „Der Plan hat gut funktioniert“, sagte Hummels. Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic war glücklich. „Die Jungs haben alles rausgehauen. Und wir haben manchmal richtig cool rausgespielt.“ Auch Neuer war immer wieder einbezogen: Mit siebzig Ballkontakten hatte er so viele wie nie in einer Königsklassen-Partie.

          Das erkannten auch die Liverpool-Fans. In einem Stadion, das für seine enorme Lautstärke in großen Europapokal-Nächten berühmt wie berüchtigt ist, war es teilweise erstaunlich leise. Dann gewannen sogar die Münchner Fans, die deutlich in der Unterzahl waren, die akustische Hoheit in Anfield. In der vergangenen Saison, in der Liverpool erst das Endspiel gegen Real Madrid verlor, waren in den K.o.-Runden Manchester City und die AS Rom überrollt worden. Das passierte den Bayern, die das neunte Auswärtsspiel in Serie in der Champions League ohne Niederlage blieben, nicht.

          Anders als die Konkurrenten im vergangenen Frühjahr haben sie damit ihre Chancen vor der zweiten entscheidenden Partie nicht schon auf ein Minimum heruntergespielt. Doch das 0:0 birgt auch eine Gefahr, der sich die Münchner durchaus bewusst sind. Kassieren sie am 13. März in München ein Gegentor, brauchen sie selbst schon zwei, um nicht auszuscheiden. Hummels bezifferte die Chancen auf ein Weiterkommen weiter auf 50 zu 50, denn: „Zu Hause muss ein Sieg her.“ Auch Neuer war nicht ganz zufrieden. „Jetzt haben wir nicht nur hinten, sondern auch vorne die Null stehen, das ist ein bisschen schade.“

          Emotion trifft auf Coolness: Trainerkollegen Klopp (l.) und Kovac Bilderstrecke

          Die Münchner ahnen, was auf sie zukommt. „Es war keine Partystimmung in der Kabine, das hat mir gefallen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Die Mannschaft weiß, dass noch ein schweres Spiel auf uns in München wartet. Es ist kein Ergebnis, bei dem man ganz gefahrlos auf das Rückspiel schauen sollte.“ Ähnlich sieht es Sportdirektor Salihamidzic: „Das wird nochmal richtig heiß.“ Mut dürfte immerhin die bisherige Bilanz Liverpools in dieser Saison in der Champions League machen. Alle Auswärtsspiele gingen verloren, in Paris, Neapel und Belgrad. Und in München? „Es ist kein Traumergebnis. Wir wollten ein Ergebnis, mit dem wir arbeiten können. Damit können wir arbeiten“, sagte Liverpool-Trainer Klopp.

          Eine Mustervorlage gibt es schon. 1981 im Europapokal der Landesmeister kamen die Engländer gegen die Bayern nach einem 0:0 in Anfield durch ein 1:1 im Rückspiel weiter. Es war das einzige Mal, dass die Münchner nach einem torlosen Unentschieden in der ersten Partie noch ausschieden. Die Trainer jedenfalls werden sich in drei Wochen wieder die Hand schütteln, das erscheint sicher. Fraglich ist nur noch, wer dann wem zum Einzug ins Viertelfinale gratulieren muss.

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