https://www.faz.net/-gtm-87y9k

Bayern-Sieg in Piräus : Müller macht’s auf seine Art

Thomas Müller ist einmal mehr der Erfolgsgarant des FC Bayern. Bild: AP

Guardiolas Plan für das Champions-League-Spiel in Piräus ist klar, Bayerns Spieler halten sich auch an die Marschroute. Der Erfolg stellt sich aber erst ein, als Müller etwas macht, was sich nicht planen lässt.

          Pep Guardiola tüftelt oft tagelang an einem Plan für ein Spiel des FC Bayern. Beim 3:0-Sieg der Münchner in Piräus zum Start in die Champions-League-Saison wählte der Trainer eine kluge Marschroute. Die erfolgreiche Umsetzung geriet aber doch etwas anders als von Guardiola an der Taktiktafel geplant. Das lag vor allem an Thomas Müller. Nach seinen beiden Toren (52. und 90.+2./Elfmeter) war er nun schon elf Mal in acht Partien in dieser Saison erfolgreich. Den zweiten Treffer in Piräus erzielte der eingewechselte Mario Götze ebenfalls kurz vor dem Ende (89.).

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Beim Duell des griechischen mit dem deutschen Rekordmeister setzte Guardiola überraschend auf eine Viererkette, obwohl Piräus nur einen Stürmer aufbot. Davor sollte Xabi Alonso die Bälle verteilen, während Arturo Vidal (links) und Thiago Alcantara (rechts) auf den Halbpositionen die Verbindung zur Offensive mit Douglas Costa, Robert Lewandowski und Müller herstellten. Auffällig war, dass Linksverteidiger Juan Bernat, Vidal und Costa immer wieder ein enges, spielendes Dreieck auf der rechten Seite bildeten; links waren es Lahm, Thiago und Müller. Der Plan war klar: Die vor allem in der Mitte massive Defensive der Griechen mit neun Spielern, die vor allem zur Torverhinderung da waren, sollte über die Außen geknackt werden.

          In der Grafik der durchschnittlichen Position eines Spielers wird deutlich, dass die Bayern-Spieler die Positionsvorgaben von Guardiola sehr exakt umsetzten:

          Trotz der gleichen Aufgaben entwickelte sich aber schnell ein Ungleichgewicht im Münchner Spiel. Während Costa auf der linken Seite oft an der Außenlinie stand, um nach dem Zuspiel mit seiner Schnelligkeit in eine Flanken-Position zu kommen, zog es Müller von rechts oft schon vor dem Anspiel ins Zentrum. Da Lahm zunächst wenig für die Offensive tat, verwaiste der Raum auf der rechten Offensivseite; die meisten Angriffe liefen über links. Die Hereingaben waren allerdings zumeist viel zu unpräzise. Nur Lewandowski hatte nach einer Costa-Flanke eine gute Chance, die Torwart Roberto aber mit einer unorthodoxen Parade entschärfte (35.).

          Die nachfolgende Grafik zeigt eindeutig, dass die linke die präferierte Bayern-Angriffsseite in der ersten Halbzeit war. Dass sich die Werte im zweiten Durchgang verschoben, hatte einen einfachen Grund. Nach der Herausnahme von Lewandowski (59.) plazierte Guardiola den eingewechselten Kingsley Coman auf der linken Seite, Müller rückte als „falsche Neun“ in die Mitte, und der flinke, immer anspielbare Costa wechselte nach rechts. 

          Auch die Verteilung der Aktionszonen macht deutlich, dass die Bayern das Spiel völlig verdient ob ihrer Überlegenheit gewannen. Doch Olympiakos hielt die Partie bis zum zweiten Gegentor kurz vor dem Ende offen und war über Konter gefährlich. Salino hatte die größte Chance, als er nur das Außennetz traf (83.) – es wäre zu diesem Zeitpunkt der Ausgleich gewesen.

          Mann des Abends war, wieder einmal, Thomas Müller. Sein Führungstor fiel, wie von Guardiola geplant, nach einem Angriff über Außen – aber auf die ganz eigene Müllersche Art. Wie der Torschütze später zugab, wollte er mit einer Flanke von rechts Lewandowski bedienen. Der Ball rutschte ihm aber so glücklich ab, dass er über dem verdutzten Torwart im hinteren Toreck einschlug.

          Der zweite Treffer durch Götze passte besser zum Masterplan des Trainers. Müller setzte den hinterlaufenden Coman auf rechts präzise ein, der legte mit Überblick von der Grundlinie zurück in den Strafraum, wo Götze mit feiner Technik aus spitzem Winkel ins lange Eck vollendete – ein Treffer wie auf dem Reißbrett ausgemalt.

          Interessant: Die Werte von Müller in der Partie in Piräus beweisen abermals, dass ein Spieler nicht in allen statistischen Kategorien Top-Werte aufweisen muss, um seinem Team den Sieg zu bescheren. Müller gewann nur ein Drittel seiner Zweikämpfe, traf dafür aber mit zwei von vier Torschüssen ins Schwarze.

          Öffnen
          Spät eingewechselt, schnell getroffen: Mario Götze entscheidet das Spiel in Piräus für seine Bayern Bilderstrecke

          Weitere Themen

          Hockey-Herren verpassen EM-Finale

          Niederlage gegen Belgien : Hockey-Herren verpassen EM-Finale

          Die deutschen Hockey-Männer haben den Einzug ins EM-Finale verpasst. Die DHB-Auswahl spielte zwar stark, verlor jedoch mit 2:4 gegen Gastgeber und Weltmeister Belgien. Am Samstag geht es nun gegen Titelverteidiger Niederlande um Bronze.

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich jüngst auf einer Reise durchs Silicon Valley inspirieren lassen.

          Gaia-X : Göttername für Altmaiers europäische Super-Cloud

          Die vernetzte Industrie muss mehr Daten verarbeiten. Der deutsche Wirtschaftsminister will darum eine Alternative zu Amazon und Microsoft schaffen – jetzt stehen die Eckpunkte fest.

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Mehr Labilität wagen!

          Zehn Tage vor zwei Landtagswahlen im Osten kehrt Maybrit Illner mit ihrer Talkshow aus den Ferien zurück. Dabei stiftet sie einen fruchtbaren Streit – mit überraschendem Ergebnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.