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5:1-Sieg bei Arsenal : Die Bayern spielen das Stadion leer

5:1 und 5:1: Die Bayern bezwingen Arsenal zweistellig. Bild: dpa

Eine Halbzeit haben die Münchner Mühe, dann leichtes Spiel wie das DFB-Team beim 7:1 gegen Brasilien. Dazu trägt der Schiedsrichter bei, was Arsenal echauffiert. Nur ein Münchner ist nicht glücklich.

          3 Min.

          Nach dem 1:5 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in München wollten einige Fans des FC Arsenal ihre Eintrittskarten für die zweite Partie in London unbedingt wieder loswerden, zu hoffnungslos erschien ihnen die Mission ihres Lieblingsklubs. Leere Sitzplätze im Stadion gab es am Dienstagabend zum Anpfiff des Rückspiels dennoch nicht. Viele andere Anhänger nutzten die Chance, doch noch ein Ticket für ein Champions-League-Spiel zu ergattern. Nach 70 Minuten wurden aber deutliche Lücken auf den Tribünen sichtbar. Die, die vorzeitig gingen, verpassten einige Tore – am Ende siegten die Bayern abermals mit 5:1.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nach der frühen Führung für die Londoner durch Theo Walcott (20. Minute) keimte etwas Hoffnung auf eine nie dagewesene Aufholjagd in der Königsklasse auf. Doch nach der Pause war schnell klar, dass die „Gunners“ an diesem Abend nicht mehr zünden würden zum großen Knall. Bayern-Torjäger Robert Lewandowski verwandelte einen Elfmeter zum 1:1 (55.). Vor dem Foul stand der Pole im Abseits, was dem Schiedsrichter-Gespann entgangen war. Danach wurde er von Laurent Koscielny umgestoßen. Schiedsrichter Tasos Sidiropoulos zeigte erst die Gelbe Karte, ließ sich aber von seinen Assistenten umstimmen und zückte doch noch Rot für eine Notbremse.

          Regeltechnisch war die Entscheidung richtig, da Lewandowski unmittelbar zu einer klaren Torchance gekommen wäre. Arsenal-Trainer Arsene Wenger echauffierte sich dennoch minutenlang und nannte die Farbwahl des Referees später „unglaublich“. In Überzahl hatten die Münchner leichtes Spiel, weil Arsenal gar nicht daran dachte, nur noch zu verteidigen. Arjen Robben (68.), Douglas Costa (78.) und Arturo Vidal (80. und 85.) schraubten das Ergebnis in eine Höhe, die den Engländern aus ihren Albtraum von vor drei Wochen bekannt vorkommen musste.

          Dass die pflichtschuldigen Münchner Warnungen nach dem Hinspiel doch nicht völlig unberechtigt waren, zeigte die erste Halbzeit. Die Bayern begannen gut, doch Arsenal kam bald in Schwung. Bei Walcotts Knaller ins kurze Eck – gemessen wurde eine Schussgeschwindigkeit von 119 Kilometern pro Stunde – bekam Torwart Manuel Neuer die Fäuste nicht mehr schnell genug in die Höhe. Dem Ersten der Bundesliga fehlte dagegen die Genauigkeit in ihren Offensivaktionen. Nach Robbens Lupfer traf Lewandowski den Ball nicht richtig; das war nach 38. Minuten die beste Bayern-Chance.

          Bayerische Übermacht:  Robert Lewandowski und seine Kollegen haben in London reichlich Grund zum Jubeln. Bilderstrecke
          Bayerische Übermacht: Robert Lewandowski und seine Kollegen haben in London reichlich Grund zum Jubeln. :

          „Wir haben bis zum Elfmeter einen relativ pomadigen Auftritt hingelegt“, sagte Mats Hummels beim TV-Sender Sky. „Wir sind verdient weiter, aber die ersten 50 Minuten waren nicht gut.“ Schließlich beschlich den Abwehrspieler gar das Gefühl, dass nicht alle Kollegen „zu Beginn zu hundert Prozent auf dem Platz“ gewesen seien. Daher passe das am Ende klare Resultat auch nicht zum Spielverlauf, „zumindest nicht bis zum Elfmeter und zur Roten Karte“. Ähnliches bemängelte Neuer, der sich zwar keine Sorgen ums Weiterkommen machte: „Aber den Beginn haben wir uns anders vorgestellt. Die zweite Halbzeit war eine ganz andere, da haben wir unser gutes Gesicht gezeigt.“

          Nach Lewandowskis Ausgleich erinnerte die Partie bisweilen an das 7:1 der Nationalmannschaft im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien. Die Arsenal-Abwehr ließ sich Ball um Ball abjagen, sodass die Münchner keine Mühe hatten, mit einfachen Pässen vor dem bemitleidenswerten Torwart David Ospina aufzutauchen und einzuschieben. Anstatt die Abwehr ohne Koscielny, der schon im Hinspiel verletzt vom Platz musste und von außen die Münchner Torflut ansehen musste, zu verstärken, zog Wenger den früheren Mönchengladbacher Mittelfeldmann Granit Xhaka zurück, der so wiederum eine große Lücke im Zentrum des Spielfelds hinterließ.

          Nur ein Münchner konnte an diesem freudigen Abend in London nicht glücklich sein. Thomas Müller saß über 90 Minuten auf der Bank. Als die Partie entschieden war, schickte Trainer Carlo Ancelotti lieber Costa, Renato Sanches und Joshua Kimmich auf den Rasen. Der Italiener beeilte sich zu betonen, dass Müller nach wie vor „ein wichtiger Spieler“ sei. Doch der Status quo bei den Bayern ist klar: Thiago Alcantara macht seine Sache mittig in der offensiven Dreierreihe hervorragend. Vorne ist Lewandowski gesetzt, außen die alternde, aber nach wie vor unverzichtbare Flügelzange Robben und Franck Ribéry. Da bleibt derzeit in den wichtigen Spielen kein Platz für Müller.

          Dass der Platz von Arsenal-Trainer Wenger noch lange auf der Bank in London sein wird, ist nach dem nächsten Debakel ungewisser denn je. Viele Fans forderten den Franzosen, der das Team 1996 übernahm zum Abschied auf. Fragen dazu wollte der frustrierte Wenger nach der Partie, in der der noch nicht wieder ganz fitten Mesut Özil eingewechselt wurde, nicht beantworten. Ein Abschied am Saisonende rückt näher. Diese Sorgen haben die Münchner nicht. Sie stehen im Viertelfinale – und können nun warten, bis am 17. März der nächste Gegner ausgelost wird. So leicht wie gegen Arsenal dürften sie es aber nicht noch einmal haben. „Das wird ein ganz schweres Ding“, ist sich nicht nur Robben sicher.

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