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7:2 in Tottenham : Große Gnabry-Show bei Bayerns Gala-Auftritt

Demonstration der Stärke: Serge Gnabry und Bayern München setzen gegen Tottenham ein Ausrufezeichen. Bild: AFP

Packender Schlagabtausch bei höchstem Tempo: Der FC Bayern demonstriert in der Champions League bei Tottenham Hotspur eindrucksvoll seine Stärke – und der Mann des Tages fühlt sich an seine Kindheit erinnert.

          3 Min.

          Ein halbes Jahr nach dem Aus gegen Liverpool sind die Bayern wieder da in Europa. Mit einem schier unglaublichen 7:2-Sieg bei Tottenham Hotspur hat sich der deutsche Meister am Dienstag in London als eine Fußballmacht zurück in Erinnerung gebracht, mit der in der Champions League wieder jeder rechnen muss. Heung-Min Son hatte die Spurs früh in Führung gebracht (12. Minute), Joshua Kimmich glich rasch aus (15.), ehe Robert Lewandowski (45.) die Bayern zur Pause in Führung schoss. Nach dem Seitenwechsel entschied, bei einem weiteren Treffer von Lewandowski (87.), der herausragende Serge Gnabry mit vier Toren (53./55./84./88.) die Partie fast allein – woran auch ein zwischenzeitlicher Elfmetertreffer von Harry Kane (60.) nichts mehr änderte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Ich denke, wir haben eine super Performance abgeliefert“, der FC Bayern habe ein „Zeichen“ gesetzt, sagte der herausragende Gnabry fast bescheiden bei DAZN. Dass er in der Champions League vier Tore schießen würde, „hätte ich mir nie erträumen lassen“, ergänzte er, vier Treffer seien ihm „vielleicht mal in der F-Jugend“ gelungen: „Ein schöner Abend für mich.“

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          Es war von der ersten Minute an ein packender Schlagabtausch bei höchstem Tempo. Nach nur neunzig Sekunden nutzte Gnabry einen Ausrutscher von Verteidiger Toby Anderweireld zu einem wuchtigen Schuss, für dessen Abwehr Weltmeistertorwart Hugo Lloris beide Fäuste benötigte. Drei Minuten später war der an diesem Abends abermals glänzende Manuel Neuer erstmalig ernsthaft gefordert, als Son aus zehn Metern frei zum Abschluss kam, doch am anderen Weltmeistertorwart auf dem Platz, dem von 2014, nicht vorbeikam. Doch dann war Neuer machtlos, als Son nach einem Fehlpass des für Thiago ins Team gekommenen Corentin Tolisso den Ball in halbrechter Position bekam und unter der Hand des Keepers ins lange Eck jagte.

          Schnelle Antwort

          Die Antwort der Bayern kam prompt. Nach einem von ihm selbst eingeleiteten Angriff nahm Kimmich den von den Spurs zu kurz abgewehrten Ball wenige Meter vor der Strafraumgrenze auf, verschaffte sich mit einem Haken Platz und traf aus 18 Metern präzise ins linke untere Eck. Mit energischer Geste schien Kimmich in der sich bildenden Jubeltraube seine Antwort an Karl-Heinz Rummenigge hinauszuschreien. Der Bayern-Vorstandschef hatte auf Kimmichs Kritik an der Teamleistung beim knappen Sieg beim Tabellenletzten Paderborn am Samstag mit den Worten reagiert: „Wenn man kritisch ist, muss man die Flagge in die Hand nehmen und nach oben halten. Dann muss er auch große Leistungen liefern.“

          Kimmichs Konter saß, doch die Defensiv-Probleme, die er vor der Reise nach London bemängelt hatte, waren damit vorerst nicht behoben. Immer wieder stürmten die Spurs mit hohem Tempo in den Bayern-Strafraum und kamen minutenlang bei fast jedem Angriff zum Abschluss. Kurz nach dem Ausgleich gelang Kane beinahe die abermalige Führung für die Engländer, als er einen Steilpass erlaufen und den herausgeeilten Neuer umkurven konnte. Doch der zurückgeeilte David Alaba konnte Kanes Schuss noch vor der Torlinie abwehren.

          Kurz in Führung: Tottenham erzielt durch Son das 1:0. Bilderstrecke

          Noch besser war nach 26 Minuten die Schusschance für Tanguy Ndombélé, der den Ball im Rückraum quer zugespielt bekam, bei seinem Versuch, Neuer im kurzen Eck auf dem falschen Fuß zu erwischen, aber eine Spur zu unpräzise agierte. Erst nach einer halben Stunde, als Tottenham das Tempo etwas drosseln musste, fanden die Bayern zur gewohnten Spielkontrolle – und kamen durch die finale Aktion der atemlosen ersten Halbzeit sogar zur etwas schmeichelhaften Pausenführung. Der bis dahin kaum gefährliche Lewandowski leitete den letzten Angriff mit einem feinen Hackenlupfer an der Torauslinie selbst ein und vollendete ihn, nachdem die Engländer den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekamen, mit einem großartigen Drehschuss von der Strafraumgrenze. Unhaltbar für Lloris schlug der Ball als Aufsetzer im unteren rechten Eck ein.

          Nur zehn Minuten nach der Pause hatten die Bayern das Spiel dann schon entschieden – sie führten hoch und inzwischen hochverdient. Nach einem Doppelpass mit Benjamin Pavard an der Mittellinie stürmte Gnabry auf der linken Seite allen davon, zog in die Mitte und traf wuchtig ins lange Eck. Danach wankten die Spurs wie ein angeknockter Boxer, schenkten den Ball vor dem eigenen Strafraum her, Gnabry kam frei zum Schuss und traf zum 1:4. Nach einem von Kane verwandelten Elfmeter nach Foul von Kingsley Coman schöpften die Engländer für die letzte halbe Stunde noch etwas Hoffnung. Mit phantastischer Parade, seiner fünften Großtat an diesem Abend, verhinderte Neuer den Anschlusstreffer und damit ein weiteres Aufbäumen des Gegners bei einem Distanzschuss von Christian Eriksen – ehe in den Schlussminuten gegen die sich auflösende Abwehr der demoralisierten Spurs Gnabry, Lewandowski und abermals Gnabry dem Finalisten der Vorsaison ein Debakel bereitete.

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