https://www.faz.net/-gtm-8o3me

Champions League : Die Bayern wollen sich für Leipzig warmspielen

  • Aktualisiert am

Nach der Gruppenphase ist vor dem Achtelfinale: Die Bayern warten auf den nächsten Gegner im neuen Jahr. Bild: AFP

Das große Spiel ist zum Prestigeduell geschrumpft: Für die Bayern und Atlético Madrid geht es um wenig. Eine Spannung hält der letzte Spieltag der Champions League für die Münchner aber doch noch parat.

          Das große Spiel ist zum Prestigeduell geschrumpft. Statt um den Gruppensieg kann der FC Bayern am Dienstagabend (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) gegen Atlético Madrid nur noch um sein Ansehen in Europa, 1,5 Millionen Euro Siegprämie und vor allem um zusätzliches Selbstvertrauen für den wichtigen Jahresendspurt in der Fußball-Bundesliga kämpfen. „Die Motivation ist sehr hoch, wenn man gegen einen so starken Gegner spielt“, sagte Carlo Ancelotti. Der zarte Aufwärtstrend soll fortgesetzt werden, ergänzte der Trainer: „Nach unseren letzten zwei Siegen wollen wir da weitermachen.“ Natürlich liegt der Fokus beim deutschen Rekordmeister auf den drei noch ausstehenden Aufgaben in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg, in Darmstadt und vor allem zum Abschluss gegen Spitzenreiter RB Leipzig. Als Tabellenerster zu überwintern, dieses Ziel genießt Priorität.

          Ein Erfolg gegen Atlético – es wäre der 15. Heimsieg am Stück in der Königsklasse – wäre wenige Tage vor der Achtelfinalauslosung am kommenden Montag (12.00 Uhr) eher ein symbolisches Signal an Europa. „Wir können uns mit einem sehr starken Gegner messen“, sagte Bayerns spanischer Mittelfeldspieler Thiago zum Reiz der Partie vor 70.000 Zuschauern. Das Halbfinal-Aus vor sieben Monaten spiele dagegen keine Rolle mehr: „Das ist Vergangenheit.“

          Am spannendsten aus Bayern-Sicht ist am sechsten Spieltag, welche Vereine als Gruppensieger und damit potentielle Münchner Gegner in die erste K.o.-Runde einziehen. Bislang stehen der FC Barcelona, AS Monaco und Leicester City als mögliche Achtelfinal-Kontrahenten fest. Die vier weiteren Optionen – Gruppengegner Atlético scheidet aus – werden erst am Dienstag und Mittwoch ermittelt. Real Madrid, Paris St. Germain oder Juventus Turin sind als weitere schwere Brocken neben Barcelona möglich, aber nicht mehr Manchester City mit Pep Guardiola.

          Ancelotti kündigte nach dem Training am Montag an, einige Wechsel im Vergleich zum jüngsten 3:1 in Mainz vorzunehmen: „Wir wollen mit einem hohen Rhythmus spielen, dafür brauche ich frische Spieler.“ Nationalspieler Jérôme Boateng fällt mit Schulterproblemen aus. Weitere Spielpraxis soll unter anderem der zuletzt verletzte Arturo Vidal erhalten. „Ich glaube, es ist wichtig, ihm Minuten zu geben“, sagte Ancelotti. Spannender als die Aufstellung erscheint die Frage, ob der Italiener am 4-2-3-1-System festhält, auf das er beim Erfolg in Mainz erstmals gesetzt hatte. „Es gibt eine große Diskussion?“, sagte Ancelotti am Montag lächelnd zur aufgeregten Systemdebatte.

          Sein Team habe die Qualität, verschiedene Systeme zu spielen. Das 4-2-3-1, in dem er in Mainz erstmals die vier Offensivstars Lewandowski, Müller, Ribéry und Robben zusammen unterbringen konnte, gebe dem Angriffsspiel „mehr Tiefe“. Das von ihm bevorzugte 4-3-3 bringe dagegen mehr Ballbesitz, im Idealfall auch mehr Stabilität. Gerade Thomas Müller kam in Mainz in der mehr zentralen Rolle als zweite Spitze besser zur Geltung. „Da kann er in den Räumen rumwühlen, wie er möchte“, bemerkte Teamkollege Mats Hummels. „Es hat phasenweise schon sehr lebendig gewirkt“, kommentierte Müller. Ancelotti könnte die offensivere Variante gegen Atlético weiter einspielen – gerade auch mit Blick auf das wirklich große Kräftemessen mit dem neuen nationalen Herausforderer aus Leipzig im letzten Spiel des Jahres am 21. Dezember in der Münchner Arena.

          „Es gibt eine große Diskussion?“: Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.

          Atléticos impulsiver Trainer Diego Simeone reiste mit allen Stars nach München. Mit einem Sieg könnte dem letzmaligen Finalisten erstmals das Kunststück gelingen, alle sechs Gruppenspiele in der Champions League zu gewinnen. Bayern-Schreck Antoine Griezmann ist zwar in der spanischen Meisterschaft seit mehr als 600 Spielminuten ohne Treffer, in der Königsklasse aber hat der Franzose in den letzten zwei Partien drei der vier Atlético-Treffer erzielt. „Es geht nicht nur ums Prestige“, kündigte Bayerns Spanier Thiago an.

          „Ich freue mich auf das Spiel. Auch für ein Spiel wie dieses gibt es Ziele“, sagte Trainer Simone am Montagabend in München. Natürlich sei die Partie nicht mit dem Halbfinalduell der vergangenen Saison vergleichbar, sagte Mittelfeldspieler Saúl Ñíguez: „Aber in der Champions League willst du in jedem Spiel immer deine perfekte Leistung bringen. Und wir wollen natürlich immer gewinnen.“ Die Bayern (9 Punkte) können in Gruppe D Atlético (15) nicht mehr von Platz eins verdrängen. Beide Teams stehen schon im Achtelfinale.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Der 46 Jahre alte Simeone bezeichnete den FC Bayern als „einen großartigen Gegner“, der über „eine sehr wettbewerbsfähige Mannschaft mit unglaublich guten Spielern“ verfüge. In einer sportlichen Krise sieht der Argentinier den deutschen Meister nicht. „In einer Saison gibt es schwierige Situationen, wo es nicht ganz so gut läuft. Man kann immer mal ein Spiel verlieren“, sagte Simeone. Er glaube, dass die Bayern auch mit Carlo Ancelotti als Trainer erfolgreich sein werden: „Ich kenne ihn und weiß, dass es zweifellos keine Probleme geben wird.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK zieht ins Kabinett ein : Sie musste springen

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat es bislang vermieden, den Weg zur Kanzlerkandidatur über das Bundeskabinett zu gehen. Woher kommt der Sinneswandel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.