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1:1 gegen Ajax Amsterdam : Die Sorgen der Bayern werden größer

  • -Aktualisiert am

Da gibt es einiges zu meckern: Thomas Müller und die Bayern zeigen keine gute Leistung. Bild: Reuters

Der Durchhänger der Münchner in der Bundesliga wirkt sich nun auch auf die Champions League aus. Der Start gegen Ajax ist stark. Doch letztlich muss Torwart Neuer den Bayern einige Male das Remis retten.

          Niko Kovac hatte gesagt, er wünsche sich „eine Reaktion“ von seiner Mannschaft, aber doch wohl gemeint, dass er sie fordere. Vielleicht hätte der Trainer des FC Bayern deutlicher werden müssen, denn die Mannschaft erhörte ihn nicht. Beim 1:1 im zweiten Gruppenspiel der Champions League gegen Ajax Amsterdam am Dienstagabend haben sich die Münchner zwar bemüht, aber es fehlte wieder einmal die Durchschlagskraft. Der deutsche Rekordmeister, der durch Mats Hummels früh in Führung gegangen war (4. Minute), ehe Noussair Mazraoui den Ausgleich für die Niederländer erzielte (22.), blieb damit im dritten Spiel hintereinander ohne Sieg.

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          Auch im neunten Duell der beiden Mannschaften in einem internationalen Wettbewerb hatte es damit für den Gastgeber keine Heimniederlage gegeben, aber die Münchner konnten mit dem Unentschieden vor heimischen Publikum nicht zufrieden sein – und nicht nur, weil Ajax damit die Tabellenführung in der Gruppe E behält. Der FC Bayern ist den Beweis schuldig geblieben, dass die Punktverluste in der Bundesliga gegen Augsburg und Hertha BSC nur ein Ausrutscher waren. „Wir haben sicher schon eine bessere Phase gehabt zu Saisonbeginn, seit ein paar Spielen stimmt unsere Spielweise nicht mehr“, sagte Thomas Müller bei DAZN: „Aber das hilft jetzt nix. Wir müssen die Knochen sortieren. Im Fußball musst du nach vorne schauen, auch wenn es nicht das Gelbe vom Ei war.“

          Kovac hat sich erlaubt, den öffentlichen Rat seines ehemaligen Kapitäns beim FC Bayern, Stefan Effenberg, nicht zu befolgen und doch wieder rotiert. Statt Renato Sanches und James gehörten dieses Mal Javier Martinez und Müller zur Startelf. Der in Berlin so unglücklich agierende Jerome Boateng stand ebenso von Anfang an auf dem Platz wie Mats Hummels, den der Bayern-Trainer laut „Sport-Bild“ zuletzt intern wegen dessen Offensivaktionen kritisiert hatte. Und genau einer der Ausflüge des Innenverteidigers in den gegnerischen Strafraum brachte früh die Führung. Arjen Robben, der zuvor den ersten gefährlichen Schuss auf das Ajax-Tor abgegeben hatte, flankte gefühlvoll in die Mitte, dort hatte Hummels die Abwehr der Niederländer überlaufen und köpfte den Ball am chancenlosen Torwart Andre Onana vorbei zum 1:0 ins Netz.

          Die Münchner machten von Anfang an mächtig Druck, beschäftigten Ajax viel in deren eigenen Hälfte. Robert Lewandowski verpasste es sechs Minuten nach der Führung, auf 2:0 zu erhöhen, als er ein Zuspiel von Müller zwar geschickt annahm, aber dann Matthijs de Ligt mit entschiedenem Einsatz einen Abschluss des Polen verhinderte. Weitere Großchancen erarbeiteten sich die Bayern zwar nicht, doch sie kontrollierten das Spiel souverän. Es schien so zu laufen, wie es Kovac gefordert hatte: Amsterdam sollte für die missglückten Woche der Bayern mit dem Remis gegen Augsburg und der Niederlage bei Hertha büßen.

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          Allerdings erweckte der deutsche Rekordmeister diesen Eindruck nur knapp 20 Minuten, dann ließ er den nun mutiger agierenden Gästen mehr Raum und bereits der zweite halbwegs gut angelegte Vorstoß von Ajax beendete die Münchner Druckphase endgültig. Zuerst störte David Alaba den auf der rechten Seite marschierenden Mazraoui nicht energisch genug, so dass der marokkanische Rechtsverteidiger Doppelpass mit Dusan Tadic spielen konnte. Dann kam Boateng zu spät, Mazraoui überwand mit einem Flachschuss aus zwölf Metern Bayern-Torwart Manuel Neuer – und es stand 1:1 (22.)

          Vom Schreck des Ausgleichs erholten sich die Münchner nur langsam. Ajax mit dem früheren Regionalliga-Trainer der Bayern, Erik ten Hag, an der Linie störte nun früher, und das gefiel den etwas verunsicherten Münchnern gar nicht. Erst am Ende der ersten Halbzeit kamen sie wieder zu zwei Gelegenheiten: Einmal verpasste der Flachschuss von Martinez knapp das Ziel (38.), dann versuchte es Hummels noch einmal mit einem Kopfball, dieses Mal allerdings ohne Präzision. Die bessere Chance hatte allerdings auf der anderen Seite Hakim Ziyech, der mit seinem fulminanten Distanzschuss an Neuer scheiterte (44.).

          Die Anfangsminuten der zweiten Hälfte gehörten den Gästen. Die Niederländer wirbelten die Münchner Abwehr ein paar Mal gehörig durcheinander. Mit Glück blieben die Angriffe von Ajax ohne Folgen für den FC Bayern: Einmal traf Tadic den Ball in guter Position nicht richtig (47.), dann scheiterte Nicolas Tagliafico an Neuer. Erst allmählich fand der FC Bayern wieder ins Spiel. Mitte der zweiten Hälfte gab es dann wieder das bei Partien in der Münchner Arena gewohnte Bild: Das Geschehen spielte sich vorwiegend in der Hälfte des Gegners ab.

          Die Bayern bemühten sich um das zweite Tor – und das hätten dann beinahe doch die Niederländer erzielt. Donny van de Beek wuchtete den Ball im Fallen aus acht Metern hoch am Tor vorbei. Für die größte Aufregung hatte zuvor ein Zusammenstoß vom im Abseits stehenden Hummels mit Onana bei einem Freistoß gesorgt. Der Münchner Verteidiger blieb zunächst benommen liegen, konnte dann aber weitermachen. Die Wechsel von Kovac – James für Robben und Serge Gnabry für Ribery – brachten noch einmal Schwung und zwei gute Gelegenheiten, die der Kolumbianer (77.) und Müller (87.) vergaben. Aber auch dieses Mal war am Ende die mangelnde Chancenverwertung die Krux. In der Nachspielzeit vergab Ajax mit einem krachenden Freistoß von Lasse Schöne, den Neuer an die Latte lenkte, aber sogar noch den möglichen Siegtreffer für die Niederländer. „Jetzt steht dieses 1:1 da, und aus den letzten drei Partien haben wir zu wenig Zählbares mitgenommen, aber es war heute kein einfaches Spiel für uns“, sagte Neuer.

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