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Bayern 3:3 in Amsterdam : „Ein sensationell gutes Spiel“

Diese Szene endete mit der Roten Karte für Thomas Müller (links) und Kopfschmerzen bei Nicolas Tagliafico. Bild: AFP

Beim 3:3 der Münchner in Amsterdam spielt der Fußball verrückt. Trainer Niko Kovac ist zufrieden. Doch die Partie offenbart einige Baustellen beim FC Bayern. Vor allem einer spricht sie an.

          Es ist gar nicht lange her, da spielte der FC Bayern schon einmal 3:3. Es war der bisherige Tiefpunkt dieser Saison, die so ganz anders verläuft als die vergangenen des deutschen Dauermeisters. Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf hatte in München in letzter Minute mit dem sechsten Tor der Partie ausgeglichen. Und die sowieso nicht gerade gute Stimmung kippte. Präsident Uli Hoeneß, der den neuen Trainer Niko Kovac zuvor noch „bis aufs Blut verteidigen“ wollte, bewies nach einem langen Monolog, dass die Halbwertszeit solcher Aussagen im Fußball ziemlich gering sein kann.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Zweieinhalb Wochen später ist Kovac immer noch Trainer der Bayern und muss nach dem nächsten 3:3 kaum fürchten, wieder von Hoeneß oder anderen in Frage gestellt zu werden. Durch das Remis bei Ajax Amsterdam in einem in der zweiten Halbzeit verrückten Fußballspiel zogen die Münchner als Gruppenerster vor dem niederländischen Rekordmeister ins Achtelfinale der Champions League ein. „Das ist das Wichtigste“, sagte Kapitän Manuel Neuer. „Alles andere ist zweitrangig.“ Ähnlich klang Kovac: „Ich bin zufrieden (mit der Gruppenphase). Wir haben 14 von 18 Punkten geholt.“

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          Es ist eine ordentliche Ausbeute in einer Gruppe, in der nur Ajax ein ebenbürtiger Kontrahent war. Benfica Lissabon und AEK Athen fielen deutlich ab. In Amsterdam erlebten nicht nur die Fans in der ausverkauften Arena einen turbulenten Abend. „Das war sicherlich eine extrem emotionale Europapokal-Nacht, die wir erlebt haben“, sagte der Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge beim obligatorischen Bankett der Münchner nach internationalen Auswärtsspielen. Auch Kovac schwärmte: „Wir haben ein sensationell gutes Spiel gesehen. Das war Werbung für den Fußball.“ Hasan Salihamidzic fürchtete gar um seine Gesundheit. „Ich habe leichte Herzrhythmusstörungen. Für die Zuschauer war es ein richtig gutes Spiel. Aber auf der Bank draußen braucht man Nerven.“

          Robert Lewandowski brachte die Münchner in Führung (13. Minute), Dusan Tadic glich aus (61.). So weit, so normal. Dann sah erst der Amsterdamer Österreicher Maximilian Wöber die Rote Karte, weil er an der Seitenlinie Leon Goretzka gesundheitsgefährdend in die Parade fuhr (67.). Acht Minuten später herrscht wieder Gleichzahl. Thomas Müller sah die erste Rote Karte seiner Profikarriere. Der Nationalspieler wollte einen Ball im Sprung annehmen, traf mit dem Fuß aber Gegenspieler Nicolas Tagliafico voll am Kopf. Auch das ahndete Schiedsrichter Clement Turpin mit Rot. Tadic verwandelte einen Elfmeter zum 2:1 für Ajax (81.), Lewandowski ebenfalls mit einem Strafstoß (87.) und Kingsley Coman (90.) drehten die Partie, ehe Taglicfico zum 3:3 weit in der Nachspielzeit traf.

          Sechs Tore, zwei Platzverweise, unerwartete Wendungen und viel Tempo und Emotionen – über mangelnde Unterhaltung brauchte sich an diesem Abend niemand beschweren. Es gab auch auf Münchner Seite neben dem Gruppensieg durchaus Aspekte, die zur Freude beitrugen. „Wir haben heute ein absolut tolles Fußballspiel erlebt von zwei Mannschaften, die auf einem hohen Niveau gespielt haben“, sagte Kovac. Er vertraute nach dem Verzicht auf personelle Rotation, die als ein Grund für die unsteten Leistungen identifiziert wurde, im dritten Spiel in Serie auf die gleiche Startelf.

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