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0:0 gegen Sevilla : Bayern mit einem blauen Auge ins Halbfinale

Gezeichnet, aber nicht geschlagen: Robert Lewandowski und die Bayern. Bild: Reuters

Die Münchner kommen mit ein paar anderen Schrammen gegen den FC Sevilla davon. Das 2:1 im Hinspiel reicht als Polster. Beim Duell in München fallen keine Tore. Dafür gibt es spät noch eine Rote Karte.

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          Vier Tage nach dem Gewinn der sechsten deutschen Meisterschaft nacheinander hat Bayern München auch an einer anderen liebgewonnene Gewohnheit festgehalten – dem Erreichen des Halbfinals der Champions League. Mit dem 0:0 gegen den FC Sevilla, das am Mittwochabend nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel in Spanien zum Weiterkommen reichte, stehen die Bayern zum sechsten Mal in den letzten sieben Jahren unter den besten vier Teams Europas. Nur im vergangenen Jahr, als man in der Verlängerung des Rückspiels beim späteren Sieger Real Madrid ausschied, war schon im Viertelfinale Endstation. Nun also wieder Halbfinale. „Es ist ein Schritt vom Finale weg. Aber es wird nicht einfacher, es wird schwieriger“, sagte Arjen Robben im ZDF. „Das sind enge Spiele. Das sind Spiele, wo man richtig dagegenhalten muss und auch kämpferisch überzeugen muss“, sagte Trainer Jupp Heynckes.

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die muntere Partie, die trotz mehr als zwei Dutzend Torschüssen torlos bleiben sollte, hatte mit einer Szene begonnen, die an die früh entscheidende Situation des Achtelfinals gegen Besiktas Istanbul erinnerte. Thomas Müller entwischte dem Zugriff der Gegenspieler, schickte einen Diagonalpass in den Lauf von Robert Lewandowski, und der wurde in aussichtsreicher Position zu Fall gebracht. Doch diesmal war es nur der vorletzte, nicht der letzte Mann, der das Foul beging, so gab es keine Rote Karte wie gegen die Türken, sondern nur Gelb für Gabriel Mercado.

          Besonders eifrig waren die beiden in die Jahre, aber nicht aus der Mode gekommenen Außen der Bayern, Robben, 34, und Franck Ribéry, seit Samstag 35, die derzeit für einen weiteren und dann wahrscheinlich letzten Einjahresvertrag vorspielen. Robben machte seinen typischen Zug nach innen, schoss mit links, aber vorbei – eine Szene, die Joshua Kimmich, sein defensiver Partner auf der rechten Seite, wenig später fast deckungsgleich kopierte. Noch besser machte es nach 34 Minuten Mats Hummels, der nach einer Ecke vom Strafraumeck den Robben-Gedächtnisschuss zelebrierte, mit links aufs linke obere Eck, aber wenige Zentimeter zu hoch angesetzt hatte.

          Für die Offensivleistungen der Defensivleute revanchierten sich Robben und Ribéry, indem sie fleißig nach hinten mitarbeiteten, manchmal bis zum eigenen Strafraum, fast wie in der Triple-Saison 2013. Denn Sevilla hatte zwar weniger Abschlüsse, aber mehr Ballbesitz und mehr gewonnene Zweikämpfe und wurde mehrfach auch torgefährlich, etwa durch Pablo Sarabia, der nach zwölf Minuten knapp drüber schoss, oder Sergio Escudero, der nach feiner Kombination das Tor knapp verfehlte (26.).

          Und gerade als die Partie sieben, acht Minuten vor der Pause ein wenig einzuschlummern begann, kam mit der Einblendung des zweiten Turiner Treffers in Madrid eine Art Energiestoß ins Bayern-Team – als sei es die Botschaft, sich nicht auf dem 0:0 und dem Hinspiel-Vorsprung auszuruhen, weil der Champions-League-Titel zum Greifen nah sein könnte, wenn sich nach Barcelona und ManCity nun vielleicht mit Real vielleicht sogar der dritte und größte Favorit verabschieden sollte. Doch Real schaffte es noch auf den letzten Drücker. Plötzlich war Zug in den Angriffen. Robben spielte quer zu Ribéry, der aus 16 Metern wuchtig abzog und an Soria scheiterte. Im nächsten Angriff schickte Ribéry den Kollegen steil und schimpfte dann, weil der zu eigensinnig selber den Abschluss suchte, statt noch einmal abzuspielen. Und dann, nach vierzig Minuten, die größte Chance vor der Pause, als Müller den Ball diagonal vors Tor spielte, Verteidiger Jesus Navas aber einen Meter vor der Torlinie für den geschlagenen Torwart vor Ribéry klären konnte.

          Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun. Bilderstrecke

          Nach der Pause waren nach Lewandowskis Außennetz-Treffer aus spitzem Winkel plötzlich die Spanier dem Tor näher. Eine Freistoßflanke köpfte Joaquin Correa wuchtig ans Lattenkreuz (59.). Es war der kritischste Moment für den deutschen Meister. Danach schnürten die Bayern, ohne die noch leicht lädierten David Alaba und Arturo Vidal angetreten, den Gegner wieder mehr und mehr ein, doch fehlte die Präzision im finalen Zuspiel und im Abschluss. So schoss auch Robben wuchtig ans Außennetz (72.).

          In der Nachspielzeit sah Sevillas Correa nach einem bösen Foul an der Seitenlinie an Javi Martinez, der laut Heynckes eine „starke Knieprellung“ erlitt, noch die Rote Karte. „Correa ist normalerweise ein fairer Spieler. Ich kenne ihn sehr gut. Ihm sind da alle Sicherungen durchgebrannt. Natürlich hat das auf dem Fußballfeld nichts zu suchen“, sagte der Trainer zu der Szene, nach denen sich Tumulte abspielten. Auch andere Bayern-Spieler nahmen Blessuren mit aus dem Spiel. James Rodriguez erlitt „eine starke Oberschenkelprellung“, Rafinha hatte Schmerzen an der Schulter und Lewandowski ein geschwollenes, blaues Auge.

          „Am Samstag gegen Augsburg war er voller Spielfreude, voller Lust Fußball zu spielen, mit einer Fitness, wie vor fünf Jahren“, hatte Trainer Jupp Heynckes den Niederländer gepriesen. „Er ist ein absoluter Top-Vollprofi und hat sich Freude und Lust am Fußball bewahrt.“ Robben selbst sagte über seine nie nachlassende Lust auf große Spiele: „Manche Spieler fühlen vielleicht einen Extra-Druck, werden ein bisschen nervös, bei mir kommt eine positive Energie raus.“ Zu einem positiven Resultat reichte diese Energie diesmal nicht.

          Aber die Bayern wissen nur zu gut, dass man nicht immer brillieren muss: Manchmal reicht es im Fußball auch ohne Glanz und ohne Tore zu einem erfolgreichen Abend. In der Nachspielzeit, in der Correa nach seinem bösen Foul vom Platz musste, half Sandro Wagner mit, das 0:0 über die Zeit zu bringen. Am Freitag warten bei der Auslosung des Halbfinales der FC Liverpool, AS Rom und Real Madrid im Lostopf. „Es gibt keine Mannschaft, die man lieber hat“, sagte Münchens Kapitän Thomas Müller. „Wir haben es uns jetzt erarbeitet und wollen es natürlich durchziehen.“ Robben sagte: „Wenn wir einen guten Tag haben, können wir jeden schlagen.“

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